«Das ist ein Widerspruch»

Der Stadtparlamentarier Norbert Hodel (parteilos) möchte vom Stadtrat wissen, weshalb dieser den Bau von Alterswohnungen in Bronschhofen unterstützt, den Zuzug des Alterszentrums Perlavita aus Kirchberg aber ablehnt.

Philipp Haag
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Norbert Hodel Stadtparlamentarier, parteilos (Bild: pd)

Norbert Hodel Stadtparlamentarier, parteilos (Bild: pd)

WIL. «Der Stadtrat möchte aus der Thurvita eine geschützte Werkstätte machen.» Hintergrund von Norbert Hodels spitzer Äusserung ist die Haltung des Wiler Stadtrats beim geplant gewesenen Umzug des Alterszentrums Perlavita Rosenau von Kirchberg nach Wil. Die Perlavita muss im Jahr 2021 den Standort in Kirchberg aufgeben. Das Direktorium wollte das Alterszentrum in die Äbtestadt verlegen und suchte das Gespräch mit dem Stadtrat. Die Geschäftsleitung traf aber auf eine ablehnende Position seitens der Stadtregierung. Es bestehe kein Bedarf an weiterem stationärem Wohnen in der Stadt Wil, da ein Überangebot und demzufolge eine tiefere Auslastung drohe, beschied der Stadtrat dem Perlavita-Direktorium. Angeblich liess die Stadtregierung durchblicken, keinen Konkurrenten für die Thurvita AG auf Stadtgebiet zu wünschen.

Für den parteilosen Stadtparlamentarier ein inakzeptables Verhalten. Hodel kritisiert es scharf. «Das ist ein Eingriff in die freie Marktwirtschaft», sagt er. Wenn ein privates Unternehmen sich entschliesse, sich in Wil anzusiedeln, sei es für einen Stadtrat nicht angebracht, diesem den Zugang zu erschweren. Hodel stuft das Vorgehen des Stadtrats als vollendeten Protektionismus ein. Er möchte in einer an der letzten Parlamentssitzung eingereichten Interpellation denn auch von Stadtrat wissen, warum dieser der Meinung sei, sich in eine rein private und marktwirtschaftliche Angelegenheit einmischen zu müssen. Obwohl die Thurvita sich im Besitz der öffentlichen Hand befinde, handle es sich beim Unternehmen um ein privatrechtliches wie jedes andere auch. Ob die zusätzlichen Plätze im Altersbereich benötigt werden, sagt Hodel, «muss der Markt entscheiden».

35 Alterswohnungen geplant

Neben dem Eingriff in den freien Markt ist es im besonderen ein Punkt, der den Parlamentarier stört. Die Thurvita plant mit Unterstützung der Stadt und der katholischen Kirchgemeinde an der Hauptstrasse in Bronschhofen ein Quartier, in dem unter anderem 35 Alterswohnungen und ein Spitex-Stützpunkt untergebracht sind. Die geschätzten Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf 38 Millionen Franken. Auf der einen Seite die Planung einer Alterssiedlung mittragen, auf der anderen den Zuzug eines Alterszentrums ablehnen, für Hodel «ein Widerspruch». Er verlang vom Stadtrat, diesen Widerspruch zu erklären. Hodel vermutet, das Nein des Stadtrats zur Perlavita sei im Bauprojekt in Bronschhofen begründet und fragt explizit nach, ob dies der Fall sei. Er ist sich denn auch nicht sicher, wer der Urheber der Ablehnung ist, ob es der Stadtrat oder die Thurvita ist. Hodel ist als Kritiker der Thurvita bekannt. So intervenierte er beim Stadtrat, als er der Meinung war, die Stadt habe das Alterszentrum Sonnenhof zu günstig an die Thurvita abgegeben, oder er erkundigte sich nach dem Gehalt von Thurvita-Geschäftsleiter Alard du Bois-Reymond.

Schlechte Standortförderung

In den Augen von Hodel ist das Vorgehen des Stadtrats bei der Perlavita eine Katastrophe für die Standortförderung. «Wie will der Stadtrat erfolgreich Standortmarketing betreiben», fragt Hodel, wenn dieser den Zuzug von privaten Unternehmen wie der Perlavita ablehne?

Die Perlavita hat sich in der Zwischenzeit umorientiert und einen Standort in Bazenheid gefunden. Ein Vorvertrag ist unterschrieben. Hodel ist sich im Klaren, «dass bei der Perlavita der Zug abgefahren ist». Die Interpellation reichte er ein, um den Stadtrat zu sensibilisieren, «den freien Markt zu respektieren.»

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