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Das Herz an Afrika verloren: Ehepaar aus Zuzwil hilft in Angola

Für ihr soziales Engagement im südwestafrikanischen Angola wurde das Ehepaar Annemarie und Willi Rüegg für die Limmex-Medaille nominiert. Wegen der Preisverleihung sind sie früher als geplant aus Afrika zurückgekehrt.
Tobias Söldi
Für einmal in Zuzwil: Annemarie und Willi Rüegg (Bild: Tobias Söldi)

Für einmal in Zuzwil: Annemarie und Willi Rüegg (Bild: Tobias Söldi)

Annemarie und Willi Rüeggs Leben spielt sich zwischen zwei Ländern ab, die unterschiedlicher kaum sein könnten: hier
die wohlhabende und geordnete Schweiz, dort das vom Krieg gebeutelte südwestafrikanische Angola. Das pensionierte Ehepaar verbringt seit 2013 etwa acht Monate im Jahr in Angola, um dort Freiwilligenarbeit zu leisten.

Vor einigen Tagen sind die beiden in die Schweiz zurückgekehrt, in ihr Zuhause in Zuzwil. «Am Sonntagnachmittag sind wir angekommen, am Abend hatten wir das Haus voll mit unseren Kindern und Grosskindern», sagt Willi Rüegg. Es sind einfache Dinge, die sie schätzen, wenn sie in der Schweiz sind: das Wiedersehen mit Familienangehörigen und Freunden, den Strom, das ständig verfügbare warme Wasser. «In der Schweiz können wir Auftanken», sagt Rüegg.

Zwei Mentalitäten prallen aufeinander

Annemarie Rüegg gibt Unterricht an der Nähmaschine. (Bild: PD)

Annemarie Rüegg gibt Unterricht an der Nähmaschine. (Bild: PD)

Wenn sie in Angola sind, ist ihr Daheim ein einfaches Zimmerchen in Lubango, einer Millionenstadt im Südwesten des Landes. Mit 1900 Metern ist es eine der höchstgelegensten Städte des Landes. Dort oben unterhält die Ordensgemeinschaft der Salettiner ein Bildungszentrum. Annemarie Rüegg engagiert sich in der Frauenbildung, bietet Kurse über Hygiene, Nähen, Kochen und Ernährung an, welche die 72-Jährige auch in abgelegene Gebiete führt. «Die Frauen sind sehr interessiert und dankbar», sagt sie.

Ihr Ehemann, ein gelernter Elektromonteur, setzt sich vor allem für den Wiederaufbau und die Renovation der im Land verstreuten Missionsstationen ein, die zur Kongregation gehören. Der 70-Jährige kümmert sich um die Infrastruktur von Strom und Wasser und gibt sein Wissen Einheimischen weiter. Zu sehen, wie ihre Arbeit das Leben von einzelnen Personen ein klein wenig verbessere, sei sehr befriedigend, sind sie sich einig.

Im Alltag prallen aber auch zwei verschiedene Mentalitäten aufeinander. «Die Leute in Angola denken und organisieren sich ganz anders als wir», sagt Willi Rüegg. Vieles erscheine chaotisch, aber oft stecke dahinter eine grosse Kreativität, die manchmal zu besseren Lösungen führe. Die Zeit und die Planung hätten dagegen keinen grossen Stellenwert. «Am Ende stimmt aber immer alles, auch wenn es manchmal etwas länger dauert», sagt Annemarie Rüegg.

Liebe zum Land, Liebe zueinander

Das Ehepaar in den 70er-Jahren in Angola mit dem ehemaligen Leiter einer Missionsstation (Mitte). (Bild: PD)

Das Ehepaar in den 70er-Jahren in Angola mit dem ehemaligen Leiter einer Missionsstation (Mitte). (Bild: PD)

Der Funken sprang in den 70er-Jahre über, als sie das erste Mal für zwei Jahre in Angola waren. «Aus Abenteuerlust auch», erinnert sich Willi Rüegg. In einem Missionsspital der Salettiner engagierten sich die beiden in ihren 20ern als Entwicklungshelfer der Organisation Interteam. Nicht nur die Liebe zum Land keimte auf, auch die gegenseitige Liebe. 1973 heirateten die beiden in der Schweiz und kehrten als Paar zurück nach Angola, wo ihr erster Sohn zur Welt kam.
Als 1975 der Bürgerkrieg ausbrach, mussten sie das Land Hals über Kopf verlassen. «Wir wurden evakuiert», erinnert sich Annemarie Rüegg. Die Kämpfe dauerten an, länger als sie dachten: Erst 2002 fanden sie ein Ende. 1,5 Millionen Tote und 5 Millionen Flüchtlinge waren zu beklagen. 2004 besuchten sie das Land. «Nach dem Krieg war alles zerstört. Es war ganz schlimm», erinnert sich Annemarie Rüegg.

«Unser Herz hängt an Angola»

Auch heute ist die Situation für viele der über 25 Millionen Einwohner Angolas nicht einfach. Willi und Annemarie Rüegg erzählen von extremen Unterschieden zwischen Arm und Reich, von der Hauptstadt Luanda, einer der teuersten Städte der Welt und von einfachsten Behausungen mit Lehmziegeln und Wellblechdächern, von Korruption, von Patienten, die ihre Medikamente selber ins Krankenhaus mitbringen müssen.

Sie erzählen aber auch von der Gastfreundschaft und Fröhlichkeit der Angolaner. «Die Leute lachen – trotz widriger Umstände», sagt Annemarie Rüegg beeindruckt. Ihr Mann ergänzt: «Was ich ganz fest gelernt habe, ist, vorurteilslos zu sein. Ganz egal, wie jemand herumläuft, es ist sein Leben.» Über die Jahre haben sich viele Kontakte ergeben, sind Freundschaften geschlossen worden. «Unser Herz hängt an Angola», sagt Annemarie Rüegg. Am 9. Januar geht es zurück. «Solange es unsere Gesundheit zulässt, machen wir weiter», sagt ihr Mann.

Limmex-Medaille

Eigentlich wollten Annemarie und Willi Rüegg noch länger in Angola bleiben, aber ein unerwartete Nachricht sorgte für eine Planänderung: Sie wurden für die Limmex-Medaille in der Kategorie Soziales nominiert. Die Preisverleihung findet heute Abend in Luzern statt. «Die Überraschung war gross, als wir unter die Finalisten kamen», erinnern sie sich. Der Hersteller von Notruf-Uhren verleiht die Auszeichnung jedes Jahr an aussergewöhnliche Menschen über 65 Jahren, die mit ihrer Lebensweise und ihren Geschichten eine Quelle der Inspiration für andere sind. Die beiden anderen Nominierten sind der 78-Jährige Chirurg Hermann Oberli und der 75-Jährige Anästhesist Edmond Kiener. Zur Jury zählen unter anderem Alt-Bundesrat Samuel Schmid und Moderatorin Christa Rigozzi. (tos)

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