Das Haus Neulanden wird verkauft

Die Wiler Ortsbürger stimmten der Neuanlage und Erweiterung des Rebbergs am Burgstall und dem Verkauf des ehemaligen Waisenhauses an der Neulandenstrasse zu. Ein Rückweisungsantrag zum Verkauf blieb chancenlos.

Silvan Meile
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Niklaus Sutter, Präsident der Ortsgemeinde Wil. (Bild: sme.)

Niklaus Sutter, Präsident der Ortsgemeinde Wil. (Bild: sme.)

Niklaus Sutter, Präsident der Ortsgemeinde Wil, sprach zu Beginn der Bürgerversammlung in der Tonhalle von einer «umfangreichen Traktandenliste». Die beiden Schwerpunkte darin waren nebst der neuen Gemeindeordnung ein Kredit für die Neuanlage, Erweiterung und ökologische Aufwertung des Rebbergs am Burgstall und der Verkauf Liegenschaft Neulanden mit dem dazugehörenden Land auf der Südseite.

Rebberg unbestritten

Mit dem Kauf von vier Grundstücken am Burgstall im vergangenen Jahr ergab sich den Ortsbürgern die Möglichkeit, gewisse Flächen des Rebbergs, die sie bisher gepachtet hatten, als Eigentum zu sichern. Damit verbunden wurde eine Vergrösserung des Rebbergs ins Auge gefasst. «Die Vergrösserung des Rebbergs am Burgstall ermöglicht nun den ersten Schritt bei der Erfüllung eines langgehegten Wunsches vieler Ortsbürgerinnen und Ortsbürger: Zum ersten Mal seit Jahrhunderten kann das Rebgebiet in Wil und Bronschhofen wieder wachsen», hiess es im Bericht und Antrag des Bürgerrats. Nachdem man im vergangenen Jahr die kantonalen Bewilligung für die Neupflanzung von Rebflächen erhalten habe, sei man an ein Altstätter Ökobüro herangetreten und habe dieses beauftragt, ein Konzept mit Kostenvoranschlag für die Neuanlage und Erweiterung des Rebbergs zu erarbeiten, erklärte Sutter vor den versammelten Ortsbürgern. Von grosser Bedeutung sei das ökologische Zeichen, das die Ortsgemeinde mit diesem Projekt realisiere. Dies auch in Bezug auf die Bestrebungen der Stadt Wil, im Rahmen der laufenden Raumplanung die Rebgebiete von Wil und Bronschhofen zu verbinden und damit ein zusammenhängendes «Landschaftsschutzgebiet Rebberg» zu schaffen. Die Ortsbürger stimmten dem dafür benötigten Kredit von 181 000 Franken einstimmig zu, worauf Präsident Sutter ihnen für ihre «Weitsicht» dankte.

Land und Haus Neulanden

Das nächste Traktandum über den Verkauf der Liegenschaft an der Neulandenstrasse 17, dem ehemaligen Waisenhaus der Ortsbürger, vermochte einige Gemüter zu erhitzen. Seitens des Bürgerrats war man darum bemüht, die vor knapp 100 Jahren durch die Ortsbürger gebaute Liegenschaft zu erhalten. Dies war mit dem Bericht und Antrag gegeben, der den Verkauf des bestehenden Hauses für 970 000 Franken an die Familien Appius und Mächler/Keller vorsieht, die das «charakteristische Haus mit Jugendstilelementen» aber «nicht unerträglichem Erneuerungs- und Renovationsbedarf» weiterführen. Für einen südlich der Liegenschaft befindlichen Baulandanteil ohne direkt Zufahrtsmöglichkeit ist mit der Firma Rütihof AG für 880 000 Franken ein weiterer Kaufvertrag ausgehandelt worden. Diese kann dort ein bestehendes Bauprojekt der Nachbarparzelle erweitern. Mit einem Gesamterlös von 1,85 Millionen Franken erziele man den höheren von zwei unabhängigen Expertisen-Schätzungen, erklärte Sutter. Trotzdem machte sich bezüglich den Verkaufspreisen bei einzelnen Ortsbürgern Unmut breit. Norbert Hodel bemängelte die unterschiedlichen Preise pro Quadratmeter in den beiden Verträgen (820 Franken Rütihof; 750 Franken beim Grundstück mit bestehender Liegenschaft). Sutter verwies auf die Beeinträchtigung des Wertes des bebauten Landes gegenüber der leeren Baulandparzelle. Hans Vollmar vermerkte daraufhin, dass bei diesem Bodenpreis die Liegenschaft «verschenkt» werde. Er stellte einen Rückweisungsantrag, um einen besseren Verkaufserlös für die Ortsbürger auszuhandeln. Auch Paul Grob begrüsste eine Zurückweisung, um einen höheren Preis erzielen zu können. Sutter bemerkte aber, dass eine Rückweisung wohl den Abbruch des ehemaligen Waisenhauses zur Folge hätte, da die südliche Parzelle nicht mehr an Rütihof verkauft werden und aufgrund fehlender Zufahrtsmöglichkeiten nicht anders erschlossen werden könnte.

Vollmar sah dies anders und zeigte sich überzeugt, dass die Rütihof auch einen deutlich höheren Preis bezahlen würde. Die Preisdiskussion wurde dann dem ehemaligen Chefarzt des Spitals Wil, Hans Güntert, etwas zu viel. Er rief in Erinnerung, dass die Bürgergemeinde als einst soziale Institution «nicht bei dieser Gewinnmaximierung mitmachen muss, die so viel Leid auf diese Welt brachte». Dafür erntete Güntert Applaus aus grossen Teilen der Ortsbürger und die Diskussion war damit beendet. Der Rückweisungsantrag erhielt lediglich 6 Stimmen der 105 anwesenden Stimmberechtigten. Der Antrag des Bürgerrats wurde anschliessend grossmehrheitlich angenommen und somit den beiden Kaufverträgen zugestimmt.