Das Glasfasernetz in Zuzwil wächst, die versprochene Anbietervielfalt lässt allerdings auf sich warten

Attraktive Angebote durch Wettbewerb: Die Erwartungen ans Zuzwiler Glasfasernetz haben sich bisher kaum erfüllt. Neben den am Bau beteiligten Firmen ist erst ein weiterer Anbieter an Bord.

Andrea Häusler
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Das Zuzwiler Glasfasernetz wird in Etappen gebaut. Ende Juni dieses Jahres waren bereits 1050 Anschlüsse gebaut. Mit der Erschliessung des Gemeindeteils Weieren wird das Projekt nächstes Jahr abgeschlossen.

Das Zuzwiler Glasfasernetz wird in Etappen gebaut. Ende Juni dieses Jahres waren bereits 1050 Anschlüsse gebaut. Mit der Erschliessung des Gemeindeteils Weieren wird das Projekt nächstes Jahr abgeschlossen.

Bild: PD

Die einen surfen bereits auf Glasfaser im Netz, anderen Zuzwilerinnen und Zuzwilern steht der Zugang zur neuesten Breitbandtechnologie mit Up- und Download-Geschwindigkeiten von (theoretisch) bis zu 10 Gigabit pro Sekunde noch bevor. Bis Ende 2022 sollen alle Liegenschaften im Gemeindegebiet mit Glasfaser erschlossen sein.

Für diese Investition in die Zukunft haben die Stimmberechtigten im Jahr 2017 einen Kredit von 6,5 Millionen Franken bewilligt. Ein günstiger Weg zu einer flächendeckenden Glasfaserinfrastruktur. Möglich war dieser durch die Kooperation der Gemeinde mit der Leucom Stafag AG und der Swisscom AG, die beträchtliche Teile der Baukosten übernahmen. Die physischen Leitungen gehören der Swisscom und «zuzwil.net», einer einfachen Gesellschaft, die eigens für den Netzbau gegründet wurde und an der die Gemeinde und Leucom zu je 50 Prozent beteiligt sind.

Im Vorfeld der Abstimmung wurde eine grosse Vielfalt versprochen

Trotz gewisser Abhängigkeiten von der Leucom als Miteigentümerin der Infrastruktur und Swisscom als Netzbetreiberin können die Endkunden die Kommunikations- und Multimediadienstleister frei wählen. Im Vorfeld der 6,5-Millionen-­Kreditabstimmung wurde kräftig geworben mit der «grossen Anbietervielfalt».

So steht es auch im Bau- und Betriebsreglement von «zuzwil.net»: «Die Netzbetreiberin garantiert den Grundeigentümern, dass die Endkunden die Anbieter für Telefon, Internet und Fernsehen, die im Gemeindegebiet als Dienstleister zugelassen sind, frei wählen können.»

So weit die Theorie. Die Praxis sieht komplexer aus. Wer sich mit Alternativen zu Leunet und Swisscom befasst, begibt sich zunächst auf eine telefonische Odyssee, wie ein Leser erfahren musste. Belohnt wurde seine Hartnäckigkeit allerdings nicht. Bei den tatsächlichen oder potenziellen Anbietern stiess er unisono auf unverbindliche Auskünfte oder imaginäres Schulterzucken: «Wahrscheinlich können Sie schon zu XY wechseln», «das geht wohl eher nicht» oder «das kann ich Ihnen nicht sagen».

Leucom, Swisscom oder Salt

Was denn jetzt? Marco Länzlinger, Bauverwalter in Zuzwil, schafft Klarheit. Nebst Swisscom und Leucom kann einzig zu Salt gewechselt werden. Damit endet die propagierte «Vielfalt der Anbieter» – oder eben der Wettbewerb. Zumindest vorläufig. Marco Länzlinger begründet:

«Es besteht derzeit seitens Dritter schlicht keine Nachfrage.»

Zwar habe iWay grundsätzliches Interesse angemeldet, doch mehr sei daraus nicht daraus. Mit Sunrise bestehen gar vertragliche Vereinbarungen hinsichtlich der Nutzung einer Faser, doch tue sich diesbezüglich seit rund einem Jahr nichts. Über die Gründe kann Länzlinger nur spekulieren.

Tatsache ist, dass Anbieter, die das Glasfasernetz nutzen möchten, investieren müssen. Möglicherweise rechne sich das finanzielle Engagement derzeit nicht, mutmasst Marco Länzlinger. Denn erstens sei das Netz noch nicht fertiggebaut und zweitens könne die – im Vergleich zu städtischen Gebieten – ohnehin geringe Zahl potenzieller Kunden noch während eines Jahres die herkömmlichen Kupferleitungen nutzen. Länzlinger betont jedoch nochmals: «Das Netz ist offen.»

Attraktive Angebote dank Konkurrenz

Denkbar ist darüber hinaus, dass Sunrise die Prioritäten derzeit anders setzt. Zumal dieses Frühjahr bekannt wurde, dass sich die Nummer zwei im Schweizer Markt mit Konkurrent Salt (früher Orange) zusammentun will, um das schnelle Internet auch in nichtstädtische Gebiete zu bringen. Unter der Firmenbezeichnung «Swiss Open Fiber» planen die Konkurrenten, rund 1,5 Millionen Haushalte zu erschliessen und damit den Branchenleader Swisscom herauszufordern. Auch dieses Netz wird sämtlichen Wettbewerbern zur Verfügung stehen.

Ob überhaupt ein weiterer Anbieter, und wenn ja, Sunrise, in Zuzwil einsteigen wird, ist somit offen. Genauso die Frage, in wie weit der Wettbewerb hier (und in anderen kleineren Gemeinden) künftig spielen wird, beziehungsweise wie die Chancen der Endkunden stehen, nicht nur von guten Leistungen, sondern auch in barer Münze vom Preiskampf unter den Anbietern profitieren zu können.

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Ursula Ammann