Das Geschäft mit der rollenden Tür

Die EKU AG konstruiert, produziert und vertreibt Schiebetürbeschläge. Seit 1994 liegt ihr Firmensitz in Sirnach. Wie ein Industriebetrieb mit 100 Mitarbeitern funktioniert und was genau hergestellt wird, zeigt ein Blick hinter die Kulissen.

Ives Bruggmann
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Eine EKU-Mitarbeiterin fertigt ein Teilchen einer Schiebelösung. In mehreren Arbeitsschritten bearbeitet sie das Produkt, bis es am Schluss – bereit für den Versand – in der Verpackung hinter ihr landet. (Bilder: Donato Caspari)

Eine EKU-Mitarbeiterin fertigt ein Teilchen einer Schiebelösung. In mehreren Arbeitsschritten bearbeitet sie das Produkt, bis es am Schluss – bereit für den Versand – in der Verpackung hinter ihr landet. (Bilder: Donato Caspari)

SIRNACH. Das Prinzip ist ganz einfach. Eine Türe lässt sich nicht nur aufreissen, öffnen oder aufstossen, nein, sie lässt sich auch auf- oder zuschieben. Das Zauberwort nennt sich Schiebetüre. Genau das ist es, womit die EKU AG in Sirnach ihr Geld verdient. Der Hinterthurgauer Industriebetrieb mit 100 Mitarbeitern liefert alles, damit eine Türe – sei diese aus Holz, Glas oder Kunststoff – zur Schiebetüre wird. «Das Schieben ist eine Nische», sagt Geschäftsführer Heinz Schmidhauser und spielt damit auf die Vormachtstellung der üblichen Türscharniere an. Im Vergleich zu den normalen Türen hätten die Schiebetüren einen grossen Vorteil, aber einen kleinen Nachteil. «Bei einem Schrank braucht eine Schiebetüre keinen zusätzlichen Raum, wenn man sie öffnet.» Das spare Platz. «Dafür lässt sich nur immer die Hälfte des Schrankes auf einmal öffnen», sagt der Geschäftsführer.

Umsatz verfünffacht

Dass Schiebelösungen auf dem Markt Anklang finden, zeigt die Entwicklung der EKU AG. 1992 mit einem Umsatz von 4,9 Millionen Franken gestartet, waren es im Jahr 2014 mit 27,2 Millionen bereits mehr als das Fünffache. Doch die Bedingungen haben sich seit Beginn der Eurokrise verändert. «18 Prozent Währungsverlust kann man nicht wettmachen», sagt Schmidhauser. Die EKU AG müsse versuchen, diesen Verlust in anderen Bereichen wieder aufzuholen. Beispielsweise in der Effizienz der Arbeitsprozesse. Fachbegriffe wie kontinuierlicher Verbesserungsprozess oder fliessende Fertigung nimmt der Geschäftsführer immer wieder in den Mund.

Beim Gang durch die Produktions- und Lagerhallen zeigt sich dann auch, was der Chef damit gemeint hat: Die Wege sind kurz, die Teile, die produziert werden, landen in möglichst wenigen und effizienten Schritten in der Verpackung. Wo es möglich ist, unterstützen moderne Maschinen die Mitarbeiter. So zum Beispiel Speedy, so tauften die Mitarbeiter einen führerlosen Transporter, der entgegen seinem Namen zwar nicht ganz so schnell unterwegs ist, dafür den Mitarbeitern einiges an Arbeit abnimmt.

Trotz der mittlerweile 100 Mitarbeiter fällt während des Rundgangs das familiäre Klima im Betrieb auf. Ein Indiz dafür: Geschäftsführer Schmidhauser begrüsst alle Angestellten mit Vornamen. «Auch mit mir sind alle per du», sagt er. «Den Lehrlingen», schränkt er ein, «biete ich das Du aber erst nach Abschluss der Prüfungen an.»

Zum Schluss der Führung geht es in die Spedition. Dort fällt auf Anhieb auf, wie viele Pakete ins Ausland geliefert werden. Nach Nordamerika, Österreich, Deutschland oder gar nach Neuseeland. «Mittlerweile macht der Export 80 Prozent unseres Umsatzes aus», sagt der Geschäftsführer. Zu Gründungszeiten sei das Verhältnis genau umgekehrt gewesen – 20 Prozent Export und 80 Prozent Inland.

Den Krisen getrotzt

Auch wenn der starke Franken derzeit den Export erheblich erschwert, blickt Schmidhauser optimistisch in die Zukunft: «Ich freue mich, dass wir auch in Zeiten der Krise unseren Marktanteil beibehalten konnten.» Ihre Strategie sei seit jeher das gesunde Wachstum. «Dafür müssen wir stetig investieren – auch jetzt.»

Eine grosse Investition dürfte auch das vollautomatische Lager gewesen sein. In der Spedition erfüllt es eine seiner zahlreichen Funktionen. Die zu versendenden Teile werden automatisch angeliefert. «Mit einem Gefährt, das so schnell beschleunigt wie ein Porsche», sagt Schmidhauser. Innert kürzester Zeit füllt ein Mitarbeiter die Holzkiste. Und schon ist die nächste Fracht bereit für die Auslieferung.

Nur noch der Deckel fehlt. Diese Fracht ist bereit für den Versand. Den Inhalt lieferte das vollautomatische Lager. (Bild: Donato Caspari)

Nur noch der Deckel fehlt. Diese Fracht ist bereit für den Versand. Den Inhalt lieferte das vollautomatische Lager. (Bild: Donato Caspari)