Das ganze Jahr Weihnachten

Christbäume, so weit das Auge reicht. Der Bauernhof von Arnold und Francine Elser entpuppt sich während der Adventszeit zu einer ganz besonderen Oase, die der Familie auch übers ganze Jahr den Lebensunterhalt sichert.

Ruth Bossert
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Das Hobby zum Beruf gemacht: Albert Elser ist mit Schafen, Hunden und Christbäumen glücklich. (Bild: rb.)

Das Hobby zum Beruf gemacht: Albert Elser ist mit Schafen, Hunden und Christbäumen glücklich. (Bild: rb.)

ANET/BETTWIESEN. In den Traktorspuren liegt der dunkle, zähe Dreck wie Caramel. Wer keine Gummistiefel trägt, ist selber schuld, denkt Arnold Elser, auch wenn er nichts dergleichen sagt und nur ein bisschen über den Regen und die stürmischen Windböen schimpft. Er hilft hier einem zum Verkauf stehenden, verwehten Christbaum wieder auf die Beine und stellt dort eine Hinweistafel wieder an den richtigen Ort. Er dürfe nicht klagen, erzählt der 48jährige Familienvater und Hüne von einem Mann, während er mit grossen Schritten durch die Rottannen stapft. Denn eigentlich sei er ganz zufällig hier auf der Tannenweid, wo sich Reh und Hase gute Nacht sagen, gelandet, erzählt er etwas später in der Christbaumbeiz, die er im Hochsommer auch mal für eine Hochzeits-, Geburtstags- oder Polterabendgesellschaft vermietet. «Wir suchten eine Bleibe für unsere Familie, die es uns ermöglicht, unser Hobby zum Beruf zu machen.» Gefunden wurde ein paradiesischer Ort. 8,5 Hektaren gross und umrundet mit viel Wald und Wiesen, der den Elsers das ganze Jahr über weihnachtliche Gefühle beschert.

Vom Konditor zum Landwirt

Arnold Elser wuchs in Zürich auf, arbeitete als Konditor-Confiseur mitten in der Stadt und später in einer Bäckerei in Los Angeles. «Eine herrliche Zeit», schwärmt seine Frau Francine. Trotzdem zog es die beiden nach zehn Jahren zurück in die Schweiz, den Kindern zuliebe. Eng sei es zu Beginn gewesen, in Altendorf im Kanton Schwyz, wo sie sich niederliessen, erzählt Francine Elser. Die Biologin wuchs selber in Madrid und in Tokio auf und hätte sich früher nie vorstellen können, in dieser Abgeschiedenheit zu leben. Ein Hund, genauer ein Border Collie, ein englischer Schafhütehund, veränderte alsdann ihr ganzes Familienleben. Der Schafhütehund oder Treibhund, wie er auch genannt wird, brauchte Bewegung. Also kauften sich Elsers ein paar Schafe und das neue Hobby führte die Familie mit ihren drei Kindern schliesslich vor fünf Jahren auf den Hof Tannenweid zwischen Lommis und St. Margarethen, wo die ehemaligen Besitzer einen Nachfolger suchten – für die Aufzucht von Christbäumen.

Insgesamt 30 000 Christbäume

Dass sich Christbäume, Schafe der englischen Rasse Shropshire und Hütehunde optimal vertragen und die Tiere für Arnold Elser und seine Christbaumkultur unersetzliche Helfer sind, merkte er rasch. Heute hat er mehrere Hunde, 60 Mutterschafe und mindestens 30 000 Christbäume auf seinem Hof. Für Wollschweine, die sein Vorgänger hielt, konnte er sich weniger begeistern und blieb stattdessen seinen Schafen treu. Diese weiden während dem grössten Teil des Jahres das Gras auf der 6 Hektaren grossen Christbaumkultur und sorgen dafür, dass unter und neben den Rot-, Blau- und Nordmanntannen das Gras immer sauber abgefressen ist, ohne dass sie die Bäume anknabbern und verletzen. «Die Schafe sind unsere Ökorasenmäher.» Die Arbeit übers Jahr schaffen die beiden Eheleute zusammen gut. Arnold pflegt vor allem die Christbaumkulturen, Francine Elser kümmert sich vorwiegend um die Schafe und ist während der Adventszeit auch für die Besenbeiz, welche im Dezember an den Wochenenden geöffnet ist, zuständig. Als Spezialität hält sie neben anderen Häppchen auch Lammschüblig und Lammbratwürste bereit. Im November und Dezember unterstützen Aushilfen die Familie bei der Arbeit.