Das Fondue bringen die Gäste: Wie sich das ausgewanderte Oberbürer Paar in ihrem Wildniscamp in Finnland eingelebt hat

Josephine Habermann und Markus Brülisauer haben in Finnland ein Camp für Touren in die Wildnis und für Husky-Therapien aufgebaut. Das Fazit nach der ersten Saison: «Besser als erhofft».

Tobias Söldi
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Da waren sie noch in Oberbüren: Markus Brülisauer und Josephin Habermann mit ihren Huskys.

Da waren sie noch in Oberbüren: Markus Brülisauer und Josephin Habermann mit ihren Huskys.

Bild: Michel Canonica

Josephine Habermann und Markus Brülisauer sind angekommen. Nicht nur physisch, 3200 Kilometer nördlich der Schweiz in der weitläufigen Natur Lapplands, weit weg von der Zivilisation. Auch mental. Der 32-jährige Markus Brülisauer erinnert sich an die ersten Tage in der neuen Heimat:

«Zum ersten Mal am See vor unserer Hütte zu stehen und sagen zu können: ‹Das ist jetzt unser Zuhause› – das war ein tolles Gefühl.»

Vergangenen Sommer wagte das Paar den Schritt in eine ungewisse, aber verheissungsvolle Zukunft. Zusammen mit zwölf Huskys machten sich der Bauführer und die Sozialpädagogin aus Mecklenburg von Oberbüren aus auf den Weg nach Finnisch Lappland, wo ein 60 Hektaren grosses Grundstück auf sie wartete.

Was dort entstehen sollte, wussten sie ziemlich genau: ein Camp für Touren in die Wildnis und für Husky-Therapien. Abseits vom Trubel und der Hektik des modernen Lebens wollten die beiden ein einfaches Leben im Einklang mit der Natur führen, weg vom Komfort, der Sicherheit und dem Wohlstand der Schweiz – und dieses Leben zwischen Polarlichtern, Zeltübernachtungen, Schlittenfahrten und Holzhacken mit Gästen teilen. «Naali Tours» nennen sie ihr Angebot.

Das idyllische, aber auch strenge Leben

Das Wagnis hat sich gelohnt. «Wir sind sehr zufrieden. Es läuft sogar besser als erhofft», sagt Brülisauer. Seit Dezember konnten sie durchgehend jeweils zwei Gäste pro Woche beherbergen, Schweizerinnen und Schweizer aus allen Schichten, wie Brülisauer erzählt. «Einige Gäste haben sogar gleich eine Tour für die nächste Saison gebucht», freut er sich.

Auch die Husky-Familie hat sich gut an die neue Umgebung gewöhnt. Sie geniessen den Platz, den sie jetzt zum Herumtollen haben. «Für die Hunde war es darum überhaupt kein Problem, sich einzuleben. Auch die Kälte hat ihnen nichts ausgemacht», sagt Brülisauer. Mittlerweile ist das Rudel auf 24 Hunde angewachsen, darunter drei Welpen. Die Huskys spannen sie aber nicht nur vor den Schlitten, sondern setzen sie auch als Therapietiere ein. Im Sommer wollen sie jeweils Prozessarbeit mit Kindern und Jugendlichen anbieten.

Das Rudel ist gewachsen: Aus zwölf Huskys sind 24 geworden.

Das Rudel ist gewachsen: Aus zwölf Huskys sind 24 geworden.

Michel Canonica

Das einfache Leben in der Wildnis und das Beherbergen der Gäste ist aber nicht nur idyllisch, sondern auch streng – «brutal streng», wie Brülisauer sagt.

«Wir sind eigentlich
ständig am Arbeiten.»

Die Tage beginnen früh, mit der Pflege und der Fütterung der Huskys, und enden spät, mit Kochen und Essen mit den Gästen. Habermann und Brülisauer führen das Camp zu zweit; Angestellte oder Helfer haben sie keine.

Gerade rechtzeitig fertig geworden

Viel Arbeit fiel auch in den ersten Monaten nach der Ankunft an. Mit tatkräftiger Unterstützung aus dem Freundes- und Familienkreis haben sie das Camp auf die Beine gestellt, das Gästehaus, die Anlage für die Huskys, das Tipizelt und mehr aufgebaut. «Das hat fast den ganzen Herbst beansprucht. Alleine hätten wir das nicht geschafft», sagt Brülisauer. Fertig wurde man gerade rechtzeitig auf das Eintreffen der ersten Gäste im Dezember.

Doch beklagen wollen sie sich nicht. «Es ist toll. Wir wussten ja, auf was wir uns einlassen und dass es streng werden wird», sagt Brülisauer. Er hat seine heutige Partnerin vor vier Jahren während eines Arbeitsaufenthaltes auf einer Husky-Farm in Finnland kennen – und lieben – gelernt. Dort nahm auch die Idee eines eigenen Wildniscamps ihren Anfang.

Ganz ohne Schweiz geht es nicht

Im März neigt sich die erste Saison von «Naali Tours» dem Ende zu. Das Paar freut sich, endlich wieder etwas verschnaufen zu können. «Dann haben wir endlich wieder etwas mehr Zeit füreinander», sagt Brülisauer. Aber auch Zeit, das Camp weiterzuentwickeln. An Ideen und Plänen mangelt es nicht. Ein Gehege für Hühner und Schweine schwebt ihnen vor, eine einfache Blockhütte ohne Wasser und Strom für diejenigen, die sich einmal ganz ausklinken wollen, ein Stellplatz für Wohnwagen. Und im Juni geht es weiter. In Kooperation mit dem Basler Förderverein Kinder mit seltenen Krankheiten ermöglichen sie Betroffenen einen Ferienaufenthalt im Camp.

Und die Schweiz? Vermissen sie ihre Heimat nicht? Brülisauer zögert. «Zurzeit eigentlich nicht. Aber wer weiss, vielleicht kommt das ja später noch.» Gerade war er für einige Tage im Land, um «Naali Tours» an der Ferienmesse in St.Gallen vorzustellen – und war auch froh, wieder in die Ruhe Lapplands zurückkehren zu können. Ganz ohne ein bisschen alte Heimat in der neuen Heimat geht es dann aber doch nicht:

«Unsere Gäste bringen uns jeweils Fondue, Bratwürste oder andere spezielle Schweizer Produkte mit», sagt Brülisauer mit einem verschmitzten Lachen.