Das erste Fair-Projekt

Der noch junge Verein Fair plant an der Hubstrasse 21 in Wil ein Schreibbüro. Das niederschwellige Angebot bietet Personen, die Mühe mit der deutschen Sprache haben, unbürokratische Hilfe bei der Korrespondenz mit Behörden.

Philipp Haag
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WIL. Arber Bullakaj ist ein Mann, der anpackt. Kaum das Büro verlassen, noch im Anzug, krempelt er die Hemdsärmel über die Ellbogen, schnappt sich einen Farbroller und beginnt die Wand zu streichen. Leicht geht es ihm von der Hand, rasch wird aus Rosa Weiss. Hell soll es werden, das Parterre des Hauses an der Hubstrasse 21 in Wil, schräg gegenüber der Post. Freundlich, einladend soll der Raum wirken, richtet der noch junge Verein Fair in den vier Wänden doch sein erstes Projekt ein: ein Schreibbüro.

Fair Wil steht für «Freiwillige Arbeitsgruppe Integration Raum» Wil und möchte Vorurteile abbauen, der Diskriminierung entgegentreten sowie «als Brückenbauer zwischen den Kulturen auftreten und einen Beitrag zu einem respektvollen gesellschaftlichen Zusammenleben leisten», wie es Bullakaj ausdrückt. Er teilt sich mit Lucienne Suter das Präsidium des im vergangenen September gegründeten Vereins.

Basiert auf Freiwilligenarbeit

Und da Information enorm wichtig ist für das Funktionieren von Integration, ebenso das Sich- gegenseitig-Verstehen, organisiert Fair nun ein Schreibbüro. Es richtet sich an Personen, die Mühe mit der deutschen Sprache haben. Ihnen stehen Freiwillige des Vereins zur Seite, beispielsweise bei der Korrespondenz mit Behörden. Versteht eine Person einen Brief nicht, bestehen Unklarheiten beim Ausfüllen eines Formulars oder Unsicherheiten beim Verfassen eines Bewerbungsschreibens, sind die Fair-Freiwilligen behilflich. Den Hilfesuchenden wird die Arbeit aber nicht abgenommen. «Sie müssen den Brief selber verfassen oder das Formular eigenhändig ausfüllen», sagt Bullakaj. Die Freiwilligen begleiten und unterstützen sie, erklären Sachverhalte, geben Tips, merzen Fehler aus. Dafür stehen im neuen Vereinslokal an der Hubstrasse PCs bereit, USB-Sticks, Telefone, eine Internetverbindung. Die Hilfestellung ist unbürokratisch und unkompliziert.

Besetzt ist das Schreibbüro einen Tag pro Woche. Die Hilfesuchenden können unangemeldet erscheinen. Das Angebot ist niederschwellig, es bestehen keinerlei Schranken. Jedermann ist willkommen. Nicht nur Personen mit einem Migrationshintergrund, denen es an Deutschkenntnissen mangelt, auch Personen, die einen Rat bei sonstigen Alltagsschwierigkeiten wie der Suche nach einer Wohnung oder bei prekären finanziellen Verhältnissen brauchen, können sich beim Schreibbüro melden. Es ist aber keine Beratungsstelle. Sind die Probleme komplex, vermittelt der Verein den Kontakt zu spezialisierten Organisationen wie dem Sozialamt, einer Schuldnerberatung, dem Anwaltsverband, der Rechtsberatung des Mieterverbands oder Gewerkschaften. Ein Netzwerk mit Beratungsstellen und gemeinnützigen Organisationen aufzubauen, stellt sich Fair als weitere Aufgabe. Das Schreibbüro soll so etwas wie das Basisprojekt des Vereins werden. Darauf aufbauend und ergänzend sollen weitere Projekte folgen. Bullakaj kann sich vorstellen, Informationsabende durchzuführen, die sich aufgrund der Erfahrungen und häufig gestellten Fragen beim Schreibbüro ergeben. Auch Diskussionsabende zu politischen und kulturellen Themen sind eine Möglichkeit, oder ein Kulturfest. Ein erstes, wenn auch nur als Apéro, findet am nächsten Montag statt (siehe Kasten).

Auf Spenden angewiesen

Das Schreibbüro ist unabhängig sowie politisch und konfessionell neutral. Es finanziert sich über die Mitgliederbeiträge, ist gemäss Bullakaj aber auch auf Spenden angewiesen. Der SP-Stadtparlamentarier hofft, im Herbst/Winter mit dem Projekt starten zu können.