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Das Ende der «Staatskultur»:
Gemeinde Uzwil zieht sich aus dem Kulturgeschäft zurück

«Gas gibt Kultur» und die Galerie am Gleis stellen sich neu auf. Es waren zwei ungewöhnliche Konstellationen.
Tobias Söldi
Im Sommer ist die Galerie am Gleis an die Bahnhofstrasse gezogen. Zurzeit stellt der Uzwiler Künstler Ruben D. Brogna aus. (Bild: PD)

Im Sommer ist die Galerie am Gleis an die Bahnhofstrasse gezogen. Zurzeit stellt der Uzwiler Künstler Ruben D. Brogna aus. (Bild: PD)

Eine Ära geht zu Ende: Gleich zwei Uzwiler Kulturinstitutionen, die bis jetzt der Gemeinde nahestanden, teilweise sogar von dieser geführt wurden, werden bald auf eigenen Beinen stehen. Die Galerie am Gleis organisiert sich ab Januar 2020 neu als Verein. Das Kulturprogramm «Gas gibt Kultur», gegründet auf Initiative der Technischen Betriebe Uzwil, geht im November in seine letzte Saison (die «Wiler Zeitung» berichtete).

Es waren zwei ungewöhnliche Konstellationen, die wohl einmalig waren in der Region: Eine Gemeinde mischt im Kulturgeschäft mit. Mehr als 40 Jahre führte sie die Galerie zur alten Bank, wie sie bis vor dem Umzug ins Uzwiler Zentrum noch hiess. Präsidentin der Galeriekommission war Dora Hadorn, gleichzeitig Gemeinderätin für die Bereiche Kultur, Freizeit und Sport. Initiiert wurde die Galerie in den 70er-Jahren von zwei Mitgliedern des damaligen Gemeinderates. Die Idee dahinter: einen Gegenpol zur Industrie schaffen.

Eine Frage der Kompetenzen und Kapazitäten

Die Technischen Betriebe stellten unter dem Namen «Gas gibt Kultur» während zehn Spielzeiten ein Programm mit Musicals, Theaterstücken und Tanzaufführungen auf die Beine, während sie sich sonst um die Gas- und Wasserversorgung kümmerten. Zum 100-Jahre-Jubi- läum 2010 wollte der Betrieb seinen Kunden etwas zurückgeben. Was ursprünglich für drei Jahre angedacht war, erfreute sich grosser Beliebtheit – und lief zehn Jahre erfolgreich.

«Das Führen von Kulturinstitutionen gehört nicht zu den Aufgaben einer Gemeinde.»

Die Galerie am Gleis, «Gas gibt Kultur»: das waren zwei «Spezialfälle», wie auch Gemeinderätin Dora Hadorn eingesteht. Dass nun innert kurzer Zeit gleich beide Institutionen ihre Neuorganisation bekannt gaben, sei aber reiner Zufall. Kein Zufall hingegen ist, dass in beiden Fällen die Frage der Zuständigkeit eine Rolle spielte beim Entscheid zur Loslösung. «Es gehört nicht zu den Aufgaben einer Gemeinde, solche Kulturinstitutionen zu führen», sagt Hadorn. «Das ist auch eine Frage der Kompetenzen und der Kapazitäten.»

Mehr Freiheit für einen unabhängigen Verein

Es ist eine grundsätzliche Problematik, die sich hier auftut, zumindest in Theorie und konsequent durchgedacht: die Verbandelung von Staat und Kultur. Heikel wird es, wenn vom Staat unterstützte Künstler in ihrer Freiheit eingeschränkt werden, systemkritische Meinungen unterbunden werden, unkritische Staatsnähe gefordert wird.

Natürlich: Es ist ein zugespitzter Gedanke, der eher – wenn überhaupt – in einem totalitären System denn in einer mittelgrossen Gemeinde in der Schweiz ein tatsächliches Problem darstellt. Dennoch bestätigt Hadorn: «Als Gemeindegalerie muss man stärker aufpassen, was man macht. Als unabhängiger Verein hat die Galerie einen viel grösseren Spielraum. Sie kann provokativer sein denn als Gemeindegalerie.»

In der Praxis aber braucht eine Institution wie die Galerie am Gleis oder das «Gas gibt Kultur»-Programm die Unterstützung der Gemeinde, zumindest in finanzieller Hinsicht. «Es ist Aufgabe der öffentlichen Hand, solche Kultur zu unterstützen. Und das wird die Gemeinde nach wie vor tun», sagt Hadorn.

Der finanzielle Zustupf ist gerechtfertigt

Denn ohne diesen Zustupf geht es nicht. «Die Galerie am Gleis zeigt vielfältige Ausstellungen, die nicht allein auf den Verkauf von Kunstwerken aus sind, sondern auch eine Plattform für Künstler darstellen. Das geht nicht ohne Unterstützung.» Diese bewege sich im fünfstelligen Bereich. Angesichts der Millionen, die ohne kritische Beäugung in den Sport investiert werden, sieht es Hadorn als gerechtfertigt an, auch in diese Sparte zu investieren. Sie weiss aber auch: «Die Interessen sind unterschiedlich.»

«Kultur soll weiter bestehen»

Auch die Technischen Betriebe entfernen sich von der Kunst. Man arbeite an einem Nachfolge-Format von «Gas gibt Kultur», verriet Renato Wyss, Leiter der Technischen Betriebe, diese Woche. Die Technischen Betriebe sollen dabei nur noch als Patronatsgeber auftreten. Die Zusammenstellung des Programms, die Organisation der Aufführungen und so weiter sollen abgegeben werden. Den Technischen Betrieben war es irgendwann zu viel Aufwand.

Hinter all dem steckt eine Überzeugung: «Kultur soll weiter bestehen», sagt Dora Hadorn. «Das ist dem Gemeinderat wichtig.» Nicht zuletzt stelle sie auch einen Standortvorteil für Uzwil dar.

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