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«Wie eine grosse Familie»: Lichterlöschen bei den Italienern in Uzwil wegen einer Überbauung

Nach dem spanischen wird auch der italienische Club sein Centro an der Bahnhofstrasse in Uzwil verlassen. Das Gebäude soll abgebrochen werden. Der Abschied schmerzt, zumal noch keine geeigneten neuen Lokalitäten gefunden werden konnten.
Philipp Stutz
Das Centro Italiano war seit 1988 an Uzwils Bahnhofstrasse beheimatet. (Bilder: Philipp Stutz)

Das Centro Italiano war seit 1988 an Uzwils Bahnhofstrasse beheimatet. (Bilder: Philipp Stutz)

Im Zentrum Uzwils ist eine Neuüberbauung geplant. Dazu hat die in Flawil domizilierte W & L Immo AG drei Liegenschaften erworben. Unter ihnen das Restaurant Harmonie, das der Brauerei Schützengarten gehörte. Auch die gleich nebenan liegenden Gebäude an der Bahnhofstrasse 92 und 94, zuvor im Besitz von Christoph Mühlebach und der Familie Niedermann, gingen an den neuen Eigentümer über. In jenen Räumen befanden sich das Centro Italiano und der Verein Agrupación de Trabajadores de Uzwil (Ateu).

Gebäude muss Neuüberbauung weichen

Dem Verwaltungsrat der W & L Immobilien AG gehören Anton Weibel und Daniel Loser an. «Ein Investor ist mit der Planung einer Neuüberbauung beschäftigt», sagt Daniel Loser. Dazu stehe man in Kontakt mit den zuständigen Behörden der Gemeinde und des Kantons. Die W & L Immo AG ist Grundeigentümerin. Ob sie das Projekt mitrealisieren wird, steht zurzeit noch nicht fest. Bei positivem Verlauf soll noch in diesem Jahr mit den Abbrucharbeiten begonnen werden.

Ein Hauch von Italianità mitten in Uzwil

Bei unserem Besuch sind viele Italiener und Schweizer im Restaurant zugegen. Manche von ihnen sind Doppelbürger. Es ist der letzte Abend im Lokal, und das muss gefeiert werden. Mit Wein, Bruschetta und Pizza. Orazio Cillo lebt seit 1967 in der Schweiz. Aufgewachsen ist er in der Nähe von Rom. «Das Centro und dessen Besucher sind für mich wie eine grosse Familie», sagt Cillo. Dass der Club das Lokal verlassen muss, bedauert er. Zumal noch kein Ersatz in Aussicht steht.

Giovanni Ceraulo ist für das Centro verantwortlich. «Wir sehen uns nach einem neuen Lokal um, doch entschieden ist noch nichts», sagt er. Eventuell werde man ein Jahr pausieren müssen. «Doch wir hoffen fest, dass es weitergeht.»

Wirtin Antonietta Fonseca inmitten ihrer Gäste. Trotz Abschied vom Clublokal ist die Stimmung ausgelassen.

Wirtin Antonietta Fonseca inmitten ihrer Gäste. Trotz Abschied vom Clublokal ist die Stimmung ausgelassen.

Der Lärmpegel im Lokal ist hoch, Gespräche sind deshalb nur schwer zu führen. «Das ist noch gar nichts», lacht Salvatore Bruno. «Sie sollten mal herkommen, wenn wir am Jassen sind. Dann geht die Post ab.» Bruno stammt aus Sizilien. Aus Bronte, einer kleineren Stadt am nordwestlichen Hang des Ätna. Die Gemeinde, die zur Provinz Catania gehört, ist bekannt für ihre Vielzahl von Pistazienbäumen. Sie wird denn auch «La Città del Pistacchio» genannt. Bruno zeigt stolz Bilder seines Heimatortes. Früher hatte er beim Restaurant Löwen in Niederuzwil eine eigene Schuhmacherei geführt. Später verdiente er sich als Taxifahrer sein Auskommen. Mittlerweile ist er pensioniert. Und er lobt das familiäre Ambiente im Centro.

Pizza und Fussball der Serie A

Lasagne, Spaghetti, Fisch und Fleisch: Alles wird frisch zubereitet und zu moderaten Preisen aufgetischt. In der Küche hantiert Antonietta Fonseca mit Töpfen und Pfannen. Alle schwärmen von ihren Kochkünsten. Sie sei mit Liebe am Werk, loben die Gäste. Ihr zur Seite steht Giuseppe, der wie seine Frau aus Napoli stammt und während seiner Freizeit als Pizzaiolo wirkt. Er reicht den Gästen eine riesige Pizza, die auf einem drehbaren Teller serviert wird.

Sonja Bruno war regelmässig im Centro zu Gast. Neben ihr Wirt Giuseppe Fonseca und Luigi Piccolo.

Sonja Bruno war regelmässig im Centro zu Gast. Neben ihr Wirt Giuseppe Fonseca und Luigi Piccolo.

Im Stimmengewirr dominieren Italienisch und Deutsch. Über den Fernseher flimmert eine Sportveranstaltung. Fussball der italienischen Serie A: Napoli gegen Sampdoria. Der Gastgeber führt 2:0. «Es sind meist die gleichen Leute hier», sagt Sonja Bruno, die mit ihrem Freund Luigi Piccolo gekommen ist. «Wir fühlen uns wohl», sagt die Büroangestellte, die in der Schweiz aufgewachsen und wie ihr Freund bestens integriert ist. Auch Claudia und Fabian Eigenmann aus Jonschwil sind zum Abschiedsapéro erschienen. «Wir sind hier immer willkommen», sagen sie. Im Centro scheint alles wie in einer eigenen Welt – mitten in Uzwil.

Centro Italiano

Das Centro Italiano wurde im Jahr 1988 von vier Uzwiler Vereinen gegründet. Dabei waren die Colonia Libera, Associazione Siciliani, Associazione Campani und L.I.E. (Lavoratori Italiani Emigrati). Letzterer Verein war auch im Fussball aktiv. Das Lokal wurde zu einem Treffpunkt in der Freizeit und diente sozialen Kontakten. Hier wurde sowohl die italienische Gemeinschaft als auch die schweizerische und multinationale Kultur gepflegt. Regelmässig stand ein Delegierter des Konsulats zur Verfügung, der sich für die italienische Gemeinschaft mit den Auflagen und Formalitäten der Gesetze befasste. Das Centro Ita-liano diente weiter als Aufklärungsstelle für die italienische Gemeinschaft und befasste sich mit den schweizerischen Sozialversicherungen wie etwa AHV und BVG. (stu)

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