Das Böse bleibt unergründlich

OBERUZWIL. Die ökumenischen Bildungsabende der katholischen und reformierten Kirchgemeinden Oberuzwil setzen sich in diesem Jahr mit dem Thema «Das Böse» auseinander. Schon beim ersten Referat wurde klar: Es gibt keine abschliessende Antwort für das Böse.

Bettina Bellmont
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Referent Andreas Hunziker (Bild: Bettina Bellmont)

Referent Andreas Hunziker (Bild: Bettina Bellmont)

Was ist das Böse? Warum geschieht es? Und warum lässt Gott das Böse zu? Die ökumenischen Bildungsabende der katholischen und reformierten Kirchgemeinden Oberuzwil widmen sich unter dem Motto «Jenseits von gut …» diesem «nicht ganz einfachen Thema, das aber gerade deshalb beschäftigt», begründete Pfarrer René Schärer die Themenwahl.

Auch der Referent des ersten Bildungsabends, Andreas Hunziker vom theologischen Institut in Zürich, musste gleich zu Beginn einräumen: «Ich kann keine abschliessenden Antworten liefern». Aus seiner Perspektive als Mensch, der versuche, ein Christ zu sein, könne er nur als Individuum einen persönlichen Weg suchen, mit dem Bösen umzugehen. Hunziker orientierte sich in seinen mit vielen praktischen Beispielen gespickten Ausführungen an der dreiteiligen Definition des Philosophen G. W. Leibniz. Das moralische Böse bezeichnet dabei jene Untaten und Frevel, die Menschen einander antun können.

Das metaphysische Böse

Dies unterscheidet es vom natürlichen Bösen – Naturkatastrophen oder plötzliche Krankheiten – dadurch, dass der Mensch nicht verantwortlich gemacht werden kann. Die dritte – vielleicht am schwierigsten fassbare Unterscheidung – bezeichnet das metaphysische Böse; entstanden aus der Idee, dass die von Gott geschaffene Schöpfung nicht vollständig vollkommen sein kann; ansonsten wäre sie gottgleich und hätte sich selbst schaffen können.

Bei der Auseinandersetzung mit dem Bösen stellen sich mehr Fragen als Antworten. Allem voran jene berühmte Theodizee-Frage, warum Gott das Böse zulässt, wenn er doch gut und allmächtig ist. Jeder Erklärungsversuch basiere im Grunde auf zwei Möglichkeiten: Entweder Gottes Allmächtigkeit oder Güte wird eingeschränkt oder das Verständnis von Böse und Leiden wird angepasst. «Diese Frage ist eigentlich ein Privileg der Glaubenden», erklärte Hunziker. Atheisten hätten dieses Problem schlicht nicht, allerdings baue ein Glaubender – egal welcher Religion – auf Hoffnung, auf eine Verheissung, die den Umgang mit dem Bösen erträglicher macht. Jemandem zu sagen, dass sein Leid aber nicht so schlimm sei und bald vorbei gehe, habe aber meist den gegenteiligen Effekt. «Böses und Leiden ist immer etwas, das jemanden persönlich betrifft.

Nur wer vom Blitz getroffen wird, leidet. Für andere kann es ein schönes Naturschauspiel sein.» Doch gerade die Fähigkeit, Leiden ernst zu nehmen und nicht zu verneinen, zeichne einen guten Christen aus.

Sinnzerstörend

Ist das Böse eine Prüfung Gottes, ein Weg zur Besserung? Kann aus Bösem Gutes entstehen? Hat Gott sich zurückgezogen? Kann es sein, dass die Schöpfung immer noch fortdauert? Im Gespräch mit den Zuhörerinnen und Zuhörern konnte Andreas Hunziker nur betonen, was er aus theologischer Perspektive für wenig plausibel hält. Etwa das Böse in Form eines Teufels als ein gottgleicher Gegenspieler. Oder die Idee, dass jedes Leiden am Ende immer einen Sinn hat. «Ich weigere mich solchen Schreckenstaten wie dem Holocaust einen Sinn geben zu wollen», sagte der Theologe. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Jeder Erklärungsversuch trägt irgendetwas Wahres in sich, erfasst aber nie «das ganze Böse». Die Frage, wie mit dem Bösen umzugehen ist, müsse daher jeder für sich selbst beantworten.

Nächste Termine: Das Böse aus ethischer Sicht, Mittwoch, 25. März, 20 Uhr, katholische Unterkirche Oberuzwil Das Böse aus psychologischer Sicht, Dienstag, 31. März, 20 Uhr, evangelisches Kirchgemeindehaus Oberuzwil