Das Bauprojekt spürt Gegenwind

Vier geplante Neubauten an der Konstanzerstrasse sind zwei Liegenschaftsbesitzern ein Dorn im Auge. Sie machen geltend, dass die Bestimmungen der Ortsbildschutzzone nicht eingehalten seien. Der Ball liegt derzeit beim Stadtrat.

Silvan Meile
Drucken
Teilen
Die Vier Neubauten sind in der Ortsbildschutzzone auf dem Gelände zur Oberen Weierwise geplant. (Bild: zVg)

Die Vier Neubauten sind in der Ortsbildschutzzone auf dem Gelände zur Oberen Weierwise geplant. (Bild: zVg)

WIL. Die Konstanzerstrasse liegt in der Ortsbildschutzzone. Doch die Idylle trügt. Vier längliche Wohnblöcke aus Sichtbeton sollen ins Quartier gebaut werden. Einige ansässige Hausbesitzer trauten deshalb ihren Augen nicht, als sie sahen, was in der noch unbebauten Bauzone geplant ist. Vor allem jene, die in der Vergangenheit schon einmal ein Baugesuch zur Sanierung oder zum Umbau ihrer Liegenschaft stellten und dieses mit Verweis auf den Ortsbildschutz nicht bewilligt erhielten. «Wir sind nicht generell gegen eine Überbauung», betonen die Anstösser Christoph Tobler und Manuela Schönenberger Cox, «aber wir erwarten Gleichbehandlung und ein korrektes Verfahren». Denn vor einigen Jahren sei beispielsweise ein geplanter kleiner Anbau an die Nachbarliegenschaft von Tobler als «untragbar» bezeichnet worden. Er zerstöre den «erhaltenswerten Gesamtcharakter» des geschützten Strassenzuges. So habe jedenfalls die damalige ablehnende Begründung des dreiköpfigen Architekten-Kollegiums gelautet, das den Stadtrat, gemäss eigenem Reglement, als unabhängiges Fachgremium in seiner Beurteilung von Bauvorhaben unterstützen soll. Ein Jahr später sei am selben Haus auch der Einbau eines Dachfensters und eines Balkons unter dem Aspekt des Ortsbildschutzes abgelehnt worden.

Ins Ortsbild einfügen

In derselben Ortsbildschutzzone und in unmittelbarer Nähe der besagten Liegenschaft sollen nun die vier zwischen 25 und 35 Meter langen Neubauten aus Sichtbeton entstehen. Einer direkt an der Konstanzerstrasse 50, wo eine bestehende Liegenschaft abgerissen wird, drei auf dem bisher unverbauten Geländeplateau gegen die Grünfläche der Oberen Weierwise. Hier sieht das Architekten-Kollegium die länglichen Neubauten offensichtlich als gut in das Ortsbild eingefügt. Denn genau diese Voraussetzung schreibt das Baureglement der Stadt für Bauten in diesem Gebiet vor. Sie hätten sich bezüglich Massstab, Gliederung, Materialwahl und Farbgebung gut ins Ortsbild einzufügen, heisst es im Baureglement.

Diesen Punkt sahen Tobler und Schönenberger hingegen nicht als erfüllt. Sie erhoben Einsprache gegen den Gestaltungsplan und wollen wissen, inwiefern die geplanten Neubauten die Voraussetzungen gemäss Baureglement erfüllen und sich ins Ortsbild einfügen. «Die bestehenden zweigeschossigen Häuser, vor allem auf der Seite Weierwise, haben Fassadenlängen von um die zehn Meter, grosszügige Abstände und Giebeldächer. Wie sollen sich da dreigeschossige Beton-Blöcke mit doppelt und dreifach so langen Fassaden einfügen?», wundern sich die Einsprecher.

Unbefangenes Kollegium?

Architektur ist wohl immer Geschmackssache – vielleicht gilt selbiges auch für den Ortsbildschutz? Mehr als nur einen schalen Beigeschmack habe die Geschichte dennoch, wie Christoph Tobler und Manuela Schönenberger Cox betonen: Die vier geplanten Neubauten gingen einst als Siegerprojekt aus einem privaten Wettbewerb auf Einladung der Bauherrschaft hervor. Dagegen sei selbstverständlich nichts einzuwenden. Im Verfahren habe sich nun aber ergeben, dass der Bericht der prominent besetzten Wettbewerbsjury sich wortwörtlich als Beurteilungsbericht des Architekten-Kollegiums wiederfindet. Es liege deshalb die Vermutung nahe, dass der «unabhängige» Expertenbericht des Architekten-Kollegiums, der dem Stadtrat als Grundlage für die Bewilligung des Gestaltungsplans diente, in Tat und Wahrheit aus der Feder der von den Bauherren beauftragten Jurymitglieder stammt. Ferner mussten die Einsprecher entdecken, dass das Architekten-Kollegium nicht unbefangen zu sein scheint, wie es das Reglement vorschreibt. Denn eines seiner Mitglieder sass gemäss vorliegendem Jurybericht bereits in der privaten Wettbewerbsjury des Bauherrn. Dieser – beraten und vertreten vom Büro eines ehemaligen Bausekretärs und eines ehemaligen Stadtschreibers der Stadt Wil – macht laut Tobler und Schönenberger allerdings geltend, «die zuständigen Behörden» hätten die Zusammensetzung der Jury und des Architekten-Kollegiums gekannt. Stadtrat Marcus Zunzer, Vorsteher des Departementes Bau, Umwelt und Verkehr, äussert sich – wie auch die Vertretung der Bauherrschaft – mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht zum Fall. Zunzer macht aber deutlich, dass die Einsitznahme eines Mitglieds aus dem Architekten-Kollegium in der Jury eines privat durchgeführten Architektenwettbewerbs «üblich und sogar erwünscht» sei. Damit habe die Stadt von Beginn eines Projekts ein Mitspracherecht und ein Bindeglied zur Bauherrschaft. Dass sich ein Jurybericht nicht von einem Bericht des Architekten-Kollegiums unterscheidet, sei ebenfalls üblich, da dieses gemäss Reglement keine Nachjurierung von Wettbewerben gemäss SIA-Ordnung durchführe.

Nächster Entscheid nach Ostern

Die Einsprachen der Anwohner, die Gleichbehandlung verlangen, wurden von der Stadt abgelehnt. Der Fall liegt nun beim kantonalen Baudepartement. «Wir sind der Meinung, dass es keinen Entscheid des Baudepartementes oder des Verwaltungsgerichtes braucht, denn jetzt ist klar, dass dem Stadtrat seinerzeit kein unabhängiger Fachbericht vorlag», so Tobler und Schönenberger. «Wir erwarten vom Stadtrat, dass er die Sache von sich aus in Ordnung bringt und ein neues, korrektes Verfahren aufgleist. Fehler können passieren; man sollte sie aber von sich aus korrigieren und nicht warten, bis man <von oben> dazu gezwungen wird.» Der Ball liegt nun gemäss Informationen der Einsprecher beim Stadtrat, der – mittlerweile in neuer Zusammensetzung – über das Wiedererwägungsgesuch nach Ostern zu befinden habe.

Aktuelle Nachrichten