Das «Alte» soll das Neue werden

Rund zwölf Jahre sind seit der Zusammenlegung der Ortsgemeinden Sirnach, Wiezikon, Busswil und Horben im Jahr 1997 vergangen. Etwas wurde bis heute allerdings noch nicht geregelt: das gemeinsame Wappen.

Bettina Bellmont
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Flaggen mit dem Sirnacher Wappen kamen bereits an der Wufa zum Einsatz. (Archivbild: Andrea Brülisauer)

Flaggen mit dem Sirnacher Wappen kamen bereits an der Wufa zum Einsatz. (Archivbild: Andrea Brülisauer)

Sirnach. Das gelbe Wappen der damaligen Munizipal- und Ortsgemeinde Sirnach ziert ein roter Querbalken, auf dem drei weisse Muscheln prangen. Muscheln? Was haben Muscheln mit Sirnach tun, einer Gemeinde im südlichen Hinterthurgau, im Lande der Tannenzapfen? Seit der Gründung des Klosters Fischingen im Jahr 1139 führt der Pilgerweg von Konstanz über Sirnach und Fischingen nach Einsiedeln. Pilger trugen damals als Zeichen ihrer Pilgerschaft angenähte Muscheln an den Kleidern. Nicht ohne Grund zieren diese das «alte» Sirnacher Wappen.

Der Gemeinderat von Sirnach beantragt nun, dieses Wappen an der nächsten Gemeindeversammlung im Mai zum offiziellen Wappen der Politischen Gemeinde zu erklären.

Fahnenplätze in den Dörfern

Die Wappen der ehemaligen Ortsgemeinden Wiezikon, Busswil und Horben sollen aber weiterhin existieren. Kurt Baumann, Gemeindeammann von Sirnach, betonte gegenüber der Wiler Zeitung: «Alle Wappen haben eine Geschichte und eine Bedeutung, die wir erhalten wollen.

» Eine Vermischung der verschiedenen Wappen zu einem neugestaltetem Wappen stand daher für ihn ausser Frage. «Das <alte> Sirnacher Wappen ist geradezu als gemeinsames Wappen prädestiniert», ist Baumann überzeugt. Es sei aber auch wichtig, dass die Weiler ihre Fahnen weiterhin hissen dürften. Deshalb beabsichtige der Gemeinderat, im neu zu schaffenden Fahnenreglement der Politischen Gemeinde auch die Verwendung der Wappen der alten Ortsgemeinden zu regeln.

In allen Dörfern soll daher ein Fahnenplatz mit vier Masten für die Schweizer Fahne, die Kantonsfahne, die «neue» Gemeindefahne und die Fahne der jeweiligen Ortsgemeinde entstehen.

Auch im Zentrum von Sirnach möchte der Gemeinderat solch einen Platz errichten. «Wo genau wissen wir noch nicht», erklärt Kurt Baumann. Mögliche Orte seien aber der Parkplatz Q20 oder auf der Hochwacht.

Keine «Doktorarbeit»

Mit der Festlegung des neuen Wappens soll auch ein Fahnenreglement geschaffen werden. «Wir machen hier aber keine Doktorarbeit», schränkt Baumann ein, der weiss, wie kompliziert das Thema werden könne. Man werde sich daher am bereits vorhandenen Reglement der Schweizer Armee orientieren. Das genaue Konzept müsse aber noch erarbeitet werden. Vorerst wurde ein Kredit von rund 35 000 Franken für die Schaffung des Reglements sowie den Erwerb von Flaggen genehmigt. «Die Beflaggung hätten wir in diesem Jahr sowieso erneuern müssen», fügt Kurt Baumann an.

Diese würden den rund 15 Sirnacher Flaggen ähneln, die an der Wufa im vergangenen September zum Einsatz kamen.

Freie Entscheidung

Bereits 2001 habe das Staatsarchiv des Kantons Thurgau auf die Schaffung eines Wappens gepocht. Kurt Baumann erklärt: «Damals wollte man nichts überstürzen; man war als junge Gemeinde mit dringlicheren Dingen wie der Kommunalplanung beschäftigt.» Ob jetzt Sirnach eine der letzten Gemeinden im Kanton Thurgau ist, die sich für ein Wappen entschliesst? Staatsarchivar André Salathé ist sich da nicht so sicher.

«Meiner eigenen Einschätzung nach wäre es zumindest möglich», vermutet er und fügt an: «Wir nehmen, was kommt.» Das Staatsarchiv werde nicht eingreifen, auch wenn ein Wappen nicht den heraldischen Regeln entsprechen sollte. «Das liegt völlig im Ermessen der Gemeinden.»