Dank Talent, Wille und Eigenmotivation

Das Fussballtalent Manuel Keller startete bei der U17-Mannschaft des Future Champs Ostschweiz (FCO) voll durch. Um ein Haar wäre es nie zu dieser Karriere gekommen. Zuerst sah es nicht so aus, als schaffe er den Sprung in eine U-Mannschaft.

Oliver Fried
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FUSSBALL. Manuel Keller ist ein Ausnahmetalent. Kaum ist er bei der U17-Mannschaft des FCO - dem Talent-Pool des FC St. Gallen und des FC Wil - mit dabei, wird er schon voll eingesetzt. Mit Erfolg: In vier Meisterschaftsspielen erzielte er zwei Tore. «Ich traue ihm zu, dass wir noch von ihm hören werden», sagt David Fall, ehemaliger Fussballprofi, Technischer Leiter beim Thurgauer Fussballverband (TFV) und Trainer an der Bürgler Sport-Tagesschule. «Eine Zeit lang habe ich selbst nicht mehr daran geglaubt, dass ich es schaffe», sagt der junge Spieler. «Umso mehr habe ich mich gefreut, dass es doch noch geklappt hat. Ich war überglücklich, und es gab mir den Mut, nie aufzugeben.» David Fall bestätigt: «Manuel Keller hat sehr viel Willen und Eigenmotivation gezeigt. Und er hat Talent.» Für solche Talente wurde 2014 der Thurgauer Talentweg geschaffen. Mit diesem Angebot schafft der Fussballverband, in enger Zusammenarbeit mit den Vereinen und der Bürgler Sport-Tagesschule, eine Art «doppelten Boden». Nachwuchsspieler, die nach den ersten regulären Sichtungen durch die Scouts der U-Mannschaften nicht unterkommen - aber viel Talent haben - erhalten so weitere Chancen auf eine Aufnahme in eine U15-, U16- oder U17-Mannschaft.

«Nicht selten macht die Physis den jungen Spielern einen Strich durch die Rechnung», erklärt David Fall. «Und dies ist oft nur eine Momentaufnahme.» Tatsächlich kommt es immer wieder vor, dass Spieler zum Zeitpunkt der Sichtung starke Knieschmerzen haben. Bedingt durch das Wachstum. «In diesem Alter passiert viel in den jungen Körpern. Auch sind die einen oft schon zwei Köpfe grösser als die anderen. Da fällt es den Kleineren natürlich schwer, sich durchzusetzen. Obwohl sie sehr viel Potenzial haben», weiss Fall. Durch den Talentweg gewinnen diese Spieler Zeit. «Das ist manchmal alles, was es braucht», weiss der Trainer.

So war das auch bei Manuel Keller. Sein Talent wurde rasch offensichtlich. 2009 wurde er in die Auswahl des Teams Thurgau aufgenommen. Bis 2014 kickte er dort sehr erfolgreich - für eine Aufnahme in die U16 hat es aber nicht gereicht. «Doch wir haben alle an ihn geglaubt», sagt David Fall. «Manuel Keller ist ein äusserst cleverer Spieler. Technisch war er längst fit. Wir mussten nur warten, bis seine Physis nachzieht.» Mit dem Thurgauer Talentweg der Bürgler Sport-Tagesschule ist es heute möglich, solche Talente zu retten. Talente, die dem Fussball früher verloren gegangen wären. Das ist nicht nur für viele hoffnungsvolle Spieler eine gute Nachricht, sondern auch für die Vereine.

Zwischenzeitlich hat Manuel Keller in Kreuzlingen eine Lehre als Maurer begonnen. Auch nach seiner Aufnahme in die U17 des FC St. Gallen/Wil führt er diese weiter. Trotz Hoffnungen auf eine Fussballkarriere setzt er auf sein zweites Standbein, einen gelernten Beruf.

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