Daniel Baumgartner ganz oben: Vor dem Höhepunkt seiner politischen Karriere

Bildungs-, Sozial- und Familienpolitik, Gesundheits- und Verkehrspolitik: Dies sind Daniel Baumgartner wichtige Anliegen. Für diese setzt sich der Flawiler Sozialdemokrat seit über zehn Jahren als Kantonsrat ein. Heute steht seine Wahl zum Präsidenten des Parlaments an.

Andrea Häusler
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Daniel Baumgartner, Vizepräsident des Kantonsrats, steht vor der Wahl zum höchsten St. Galler. (Bild: PD)

Daniel Baumgartner, Vizepräsident des Kantonsrats, steht vor der Wahl zum höchsten St. Galler. (Bild: PD)

Daniel Baumgartner sitzt in seinem Büro im Parterregeschoss der Heilpädagogischen Schule Flawil: legeres Hemd, lässige Hose. So, wie er in den Funktion des Vizepräsidenten des Kantonsrat nie aufgetreten wäre, wie er sagt.

Ein Perfektionist

Der 65-Jährige ist Perfektionist, einer, der nichts dem Zufall überlässt. Dazu gehört die Wahl der jeweils passenden Kleidung genauso wie die Vorbereitung auf die Sitzungen des Kantonsrats oder eben die heutige Wahl Ratspräsidenten, die als sicher gilt. 93 von 120 Stimmen hatte er bei seiner Wahl zum Vizepräsidenten erhalten. Diese dürften ihm neuerlich sicher sein. Dennoch gibt sich der gebürtige Solothurner, der seit 32 Jahren in Flawil lebt, zurückhaltend: «Es ist und bleibt eine Wahl.»

Minutiöse Vorbereitung

Nichtsdestotrotz wäre Baumgartner nicht Baumgartner, wenn er sich den Inhalt der Rede zum Amtsantritt nicht längst zurechtgelegt hätte. Deren Strukturen schlummern zwischen Mindmaps zu verschiedenen beruflichen und politischen Projekten in einem Notizbuch, die fertig formulierten Ansprachen auf der Festplatte seines Computers. Dort, wo auch die drehbuchartigen Manuskripte zu den traktandierten Geschäften der Junisession liegen. «Die minutiöse Vorbereitung gibt mir Sicherheit – egal was passiert», sagt Daniel Baumgartner. Sicherheit, die hat er in seinem Amtsjahr als Vizepräsident auch als Sitzungsleiter im Kantonsrat und Repräsentant des Kantons gewonnen. Zum einen seien alle politischen Vorstösse Sache des Vize, zum andern habe er an den Präsidiumssitzungen teilnehmen und die Abläufe kennen lernen dürfen. «Ich wurde stets sehr gut informiert und von Beginn weg einbezogen», sagt er.

Wertschätzung für Ratsmitglieder aller Parteien

Daniel Baumgartner freut sich auf die neue Aufgabe, empfindet es als grosse Ehre, als vierter Flawiler das kantonale Parlament präsidieren zu dürfen. Dass die Parteiarbeit an der Basis nun bereits das zweite Amtsjahr auf Eis liegen wird, stört den überzeugten Sozialdemokraten nicht. «Wenn man das Amt anstrebt, weiss man, dass das Parteibuch und die politische Gesinnung eine Auszeit haben», sagt er. «Ich bin zwar von der SP-Fraktion nominiert, repräsentiere aber das vom Volk gewählte Parlament.» Als Präsident werde seine Haltung deshalb möglichst neutral sein, geprägt von Toleranz, Respekt, Wertschätzung und Würde gegenüber jeder Partei und jeder Meinung.

«Reich wird man nicht»

30000 Franken verdient der jeweils höchste St. Galler bzw. die höchste St. Gallerin im Jahr. Ein ordentlicher Batzen. Dennoch sagt Daniel Baumgartner: «Reich wird man nicht.» Zumal der zeitliche Aufwand erheblich sei: «Zwischen 180 und 240 Auftritte sind während der Amtszeit zu leisten – bezahlt werden ausschliesslich die Fahrspesen.

Nachfolgerin heisst Helena Reisch

Sich für das Amt die nötige Zeit zu nehmen, wird Daniel Baumgartner leicht fallen. Denn Ende dieses Monats wird er, nach über dreissig Jahren an der HPS Flawil, ordentlich pensioniert. Jedoch bleibt er der Institution bis Ende des Schuljahrs erhalten, bevor dann Helena Reisch, Vizedirektorin der Schule Schloss Kefikon, seine Funktion übernehmen wird. «Das Timing hätte perfekter nicht sein können», sagt Baumgartner. «Ich habe das Sonderpädagogikkonzept und den Neubau der HPS bis zu dessen Fertigstellung begleiten dürfen.» Ohne diese – oder zumindest eine – Entlastung vom Berufsalltag wäre die Bewältigung des Pensums eines Kantonsratspräsidenten kaum möglich, weiss Daniel Baumgartner. «In einem Betrieb mit 80 bis 90 Angestellten und 146 Kindern die Hälfte der Zeit abwesend zu sein, wäre nicht verantwortbar. Dabei hat er den Zeitplan überhaupt nicht beeinflusst: «Die Reihenfolge der Präsidiumsbesetzung bestimmt der Kantonsrat.»

Die ehrenvolle Herausforderung mag das weinende Auge beim Abschied von der HPS ein wenig trocknen. Wie wird der Institutionsleiter verabschiedet? «Ein Fest ist nicht geplant. Schön wäre es aber, wenn die Schülerinnen und Schüler morgen Nachmittag beim offiziellen Empfang mit Bevölkerungsapéro in Flawil dabei wären.»

Hinweis

Die Junisession des Kantonsrats beginnt heute um 14.15 Uhr. Als fünftes Traktandum erfolgt die Wahl des Präsidenten für die Amtsdauer 2019/2020.