Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Damit Wünsche betagter Menschen in Erfüllung gehen: Studenten der Sozialen Arbeit realisieren Projekt in Wil

Fünf Studenten der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule St. Gallen haben sich zum Ziel gesetzt, in Wil ein Projekt aufzubauen. Mit ihm sollen Herzenswünsche von betagten Menschen erfüllt werden.
Gianni Amstutz
Naomi Lüdtke (links) und Michelle Hirschi erfüllen Rainer Haller den Wunsch einer eigenen Ausstellung. (Bild: PD)

Naomi Lüdtke (links) und Michelle Hirschi erfüllen Rainer Haller den Wunsch einer eigenen Ausstellung. (Bild: PD)

Eine theoretische Forschungsfrage anhand von Literatur oder Statistiken zu bearbeiten, kam für Michelle Hirschi, Sven Keller und drei weitere Mitstudierende nicht in Frage. Sie wollten im Rahmen eines Praxisprojekts im Fachbereich Soziale Arbeit an der Fachhochschule St. Gallen (FHS) etwas schaffen, das Menschen direkt weiterhilft.

Die Idee: Betagten Personen in Alters- oder Pflegeheimen, die finanziell oder sozial einen schwierigen Stand haben, sollen Herzenswünsche erfüllt werden. Das Projekt existiert bereits in St. Gallen und im Toggenburg. Sven Keller hat es in einem Praktikum kennengelernt und war dabei selbst als Wunscherfüller tätig. Er schlug den Verantwortlichen von «Geheime Wünsche» vor, das Projekt in einer weiteren Region aufzubauen und zu etablieren. So hat es sich die Gruppe innerhalb ihres Praxisprojekts an der FHS nun zum Ziel gesetzt, auch in Wil Wünsche von betagten Menschen Realität werden zu lassen.

«Dazu braucht es einerseits Freiwillige, die als Wunscherfüllende wirken wollen, andererseits müssen auch Wünschende gefunden werden», sagt Sven Keller. Und das ist schwieriger, als man annehmen könnte.

Eigene Ausstellung anstatt Konzertbesuch

«Die ältere Generation ist sich aufgrund der Entbehrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht gewohnt, ihre Wünsche zu äussern», sagt Michelle Hirschi. Deshalb ist die Gruppe beim «Aufspüren» der Wünsche auf Hilfe des Pflegepersonals in den Alters- und Pflegeheimen angewiesen. Die Heime können sich in Absprache mit den Wünschenden an die Projektgruppe wenden. In einem oder mehreren Treffen lernen sich die wünschende und die wunscherfüllende Person kennen. «Im Gespräch kommen oft ganz andere Wünsche zum Vorschein, als ursprünglich angenommen», sagt Sven Keller. Die Projektgruppe weiss dies aus eigener Erfahrung.

«Wir wurden informiert, dass ein Mann namens Rainer Haller gerne einmal in ein Konzert gehen würde.» In den Gesprächen mit ihm, dem Wünschenden, habe sich dann aber herausgestellt, dass dies nicht sein sehnlichster Wunsch sei. «Als wir ihn das erste Mal getroffen haben, hat er uns alle seine selbstgemalten Bilder gezeigt», erzählt Michelle Hirschi. Und als sie ihn beim zweiten Treffen auf den Konzertwunsch angesprochen habe, sei die Freude eher verhalten gewesen.

Stattdessen wollte Rainer Haller lieber über seine Bilder sprechen. «Schnell wurde uns klar, dass dies seine Leidenschaft ist.» Schliesslich offenbarte Haller, dass er seine Bilder gerne öffentlich ausstellen würde. Kurzerhand organisierten die Wunscherfüllenden eine Ausstellung im Saal der Dompfarrei St. Gallen. Dabei konnten sogar fünf Werke verkauft werden.

Wünsche sind eher bescheiden als utopisch

Dieser Wunsch zeigt beispielhaft, wie das Projekt funktioniert. «Man muss in den Gesprächen offen sein», sagt Sven Keller. Denn oft erfahre man nur durch gutes Zuhören und indem man auf die Person eingehe, was sich diese wirklich wünsche. Ausserdem verdeutlicht es, dass die meisten Wünsche bescheiden und nicht utopische Träume sind.

«Oft ist bereits der soziale Kontakt in den Gesprächen bereichernd», sagt Michelle Hirschi. Das gelte für beide Seiten. «Die Freude von Rainer Haller zu sehen, hat mir persönlich viel gegeben», sagt sie und ergänzt: «Das Projekt ist für mich eine Herzensangelegenheit und weit mehr als reine Pflichterfüllung für ein Modul an der Fachhochschule.»

Das Praxisprojekt an der FHS ist auf ein halbes Jahr beschränkt. Deshalb ist es nicht das Ziel der Projektgruppe, möglichst viele Wünsche zu erfüllen. Stattdessen suchen sie freiwillige Wunscherfüllende und bereiten sie in einer Einführungsveranstaltung auf ihre spannende Aufgabe vor. Zudem wollen sie die Strukturen schaffen, auf denen das Projekt gedeihen kann.

«Wir hoffen, dass sich das Projekt ‹Geheime Wünsche› in Wil etabliert und auch weiter besteht, nachdem wir unser Praxisprojekt beendet haben», sagt Keller. Die Vision von Geheime Wünsche ist es, sich über das ganze Gebiet der Kantone St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden auszubreiten. Nebst den Wunscherfüllenden braucht es engagierte Personen, die langfristig die Koordination und Organisation des Projekts übernehmen würden. Solche Personen zu finden, das ist der grosse Wunsch der Mitglieder der Projektgruppe.

Hinweis
Kontakt für Freiwillige oder Wünschende: Rebecca Moser, 077 482 94 68 oder rebecca.moser@fhstudents.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.