Damals
Polizist Winter öffnet sein Rapportbuch

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Dieser Automobilist erhielt von Polizist Winter den freundlichen Rat, mit seinem verschneiten Deux Chevaux so nicht weiterzufahren.

Dieser Automobilist erhielt von Polizist Winter den freundlichen Rat, mit seinem verschneiten Deux Chevaux so nicht weiterzufahren.

Bild: PD (22. Januar 1971)

Vor 100 Jahren

22. Januar: Wattwil. Auf den nächstens beginnenden Hutmachkurs sei an dieser Stelle in empfehlendem Sinne hingewiesen, da in demselben gezeigt wird, wie aus allen möglichen Resten wieder schöne Hüte und speziell Kinderhüte gemacht werden können. Diese Zeit ist besonders dazu geeignet, da die Preise für Hüte fast unerschwinglich sind, namentlich für kinderreiche Familien.

26. Januar: Untertoggenburg. Vergangenen Mittwoch hatten in Niederuzwil die Jahrgänge 1872 zur Abgabe und 1880 zum Umtausch einzurücken. Indem Letztere dem Landsturm zugeteilt wurden, fand der Umtausch der Waffen statt. Von 52 Gewehrtragenden wurden dann 27 zu einer Busse von 8 Franken verurteilt, für Auffrischen der Gewehre. In Anbetracht der vielen Diensttage, welche diese Mannschaften während der verflossenen Mobilisationsjahre zu leisten hatten, erschien dieses Vorgehen äusserst unangebracht und ist deshalb die Erbitterung bei allen sehr gross.

Vor 50 Jahren

20. Januar: Hemberg. Die Tollwut ist noch keineswegs erloschen, obwohl nur noch ganz spärlich Fuchsspuren im Schnee zu sehen sind. In der vergangenen Woche wurde im Bächli eine Gruppe von Kindern auf dem Schulweg von einem Fuchs angefallen. Einem Knaben gelang es, das Tier mit einem Schlitten abzuwehren. Der Fuchs wurde sodann durch einen herbeigerufenen Jäger erlegt und der Untersuchungsbefund ergab eindeutig Tollwutbefall.

20. Januar: Allerlei. Für die Hausfrau. Prämierte Einfachheit bei der Pfaff 1222. Endlich haben sich die Männer (eine seltene Ausnahme) in die Seele von Frauen versetzt. In jene weiblichen Wesen, die sich zwar gerne hübsche Kleider nähen, sich aber keinen Pfifferling um das Innere der Nähmaschine kümmern möchten. Endlich haben die Techniker bei Pfaff eine Nähmaschine geschaffen, die vor allem einfach zu bedienen ist, auch dann, wenn es um kompliziert aussehende Nähte geht. Die Pfaff 1222, die einzige Haushaltsnähmaschine der Welt mit doppeltem Stofftransport. Im Rahmen des strengen Warentests, den die Modezeitschrift «Für Sie» durchführt, wurde diese Nähmaschine nach allen für den Käufer wesentlichen Gesichtspunkten getestet und geprüft und für gut befunden. Die Anerkennungsurkunde wurde überreicht.

22. Januar: Polizist Winter der Zürcher Kantonspolizei. Für sein Rapportbuch gilt diese Saison so etwas wie «offene Türen». Er möchte seine Erfahrungen an die Strassenbenützer weitergeben und lieber vorher mit ihnen in Kontakt sein, als beim viel unangenehmeren Nachher! Diesen Automobilisten (siehe Bild) hat Polizist Winter kurz angehalten. Er gab ihm freundlich den Rat, nicht so weiterzufahren. Die Sicht, die gute Sicht ist im Winter besonders wichtig. Auch die Lampen müssen frei sein von Schmutz und Schnee. Das gute Licht ist für den Autofahrer in Winternächten und auch an dunklen Tagen lebenswichtig!

Vor 20 Jahren

22. Januar: Wattwil. Eigentlich war die russische Setzmaschine Neotype 2N140 Rossija für eine Druckerei in der DDR bestellt. Die Wende brachte es mit sich, dass diese original-verpackt in Bischofszell landete und im Typorama in Betrieb genommen wurde. Sie ist die modernste Setzmaschine in der Ausstellung im Typorama. Der russische Schriftzug weist auf ihre Herkunft hin, wie auch der Name. 1989 wurde die Maschine in Leningrad gebaut. Wie in der Planwirtschaft üblich, wurden solche Maschinen dann geordert, wenn sie vorhanden waren, auch wenn sie dann jahrelang auf ihren Einsatz warteten. So geschah es auch im Druckhaus von Karl-Marx-Stadt, das die Maschine bestellt hatte. Dann kam die Wende und damit die Umstellung der Druckerei auf westliches Niveau mit Computersatz – die Maschine war von einem Tag auf den anderen veraltet. 170'000 Deutsche Mark hätte sie gekostet, ausgeschrieben wurde sie in einer Fachzeitschrift für 6000 Mark. Der aus Wattwil stammende Paul Wirth, Besitzer des Typoramas, griff zu. Nach mehrjähriger Einlagerung der Maschine konnte sie mit Hilfe einer Betriebsanleitung – eine Bauanleitung war nicht vorhanden – aufgebaut werden. Paul Wirth, er arbeitete in der Buchdruckerei Wattwil AG, und seine Helfer konnten sie in kürzester Zeit zusammenbauen und sie funktionierte auf Anhieb einwandfrei.

25. Januar: Wildhaus. 77 Jugendliche, die einen Beruf bei den SBB erlernen, tummeln sich derzeit auf den Obertoggenburger Skipisten. Sie können im ersten Wintercamp verschiedene Sportarten ausprobieren und dabei erst noch das ganze Skigebiet kennen lernen. Auf dem Gelände beim Übungslift im Oberdorf Wildhaus versuchte sich eine Handvoll junger, mutiger Leute im Telemark-Skifahren. Unter der kundigen Leitung von Iren Rauber machten sie ihre ersten Schwünge in dieser Skisport-Variante. Alle Teilnehmer hatten sichtlich Spass beim etwas ungewohnten Kniefall auf der Piste. Im Gegensatz zu den nördlichen Ländern ist dieser Fahrstil in der Schweiz wenig bekannt, erfährt aber zurzeit einen ungeahnten Aufschwung.

Vor 10 Jahren

24. Januar: Hemberg. Holz aus Hemberg statt Öl aus Libyen. Die Genossenschaft «Holz-Wärmeverbund» lud die Bevölkerung ein zur Besichtigung der neuen Anlage. Seinen Anfang hatte das Projekt vor knapp zehn Jahren, als der Hemberger Jakob Brunner mit der Idee zum Bau einer Holzschnitzelheizung an die Politische Gemeinde herantrat. Ihm war aufgefallen, dass in den örtlichen Wäldern viel Holz ungenutzt liegen blieb und schliesslich verfaulte. «Währenddessen karrt man Öl zu uns hinauf, das ist doch ein Unsinn.» Daraufhin beauftragte die Politische Gemeinde das Ingenieurbüro Züllig von Mosnang mit einer ersten Studie, die ergab, dass eine Holzschnitzelheizung realisierbar sei. Dann aber ging lange nichts mehr, bis schliesslich Private die Sache in die Hand nahmen. Niklaus Glatz und Fritz Hartmann starteten vor rund zwei Jahren zu einem neuen Versuch. Das Projekt musste redimensioniert, die Kosten von 2 Millionen Franken auf 1,6 Millionen Franken gesenkt werden. Nun ging es Schlag auf Schlag. Am 14. Dezember 2009 fand die Gründungsversammlung der «Genossenschaft Holz-Wärmeverbund» statt, deren Präsidium Fritz Hartmann übernahm. Im Mai 2010 war Baubeginn und bereits im Herbst desselben Jahres konnten die ersten Liegenschaften mit Wärme versorgt werden.