Da helfen, wo andere nicht können: Die Pro Senectute Wil-Toggenburg will sich stärker für sozialen Austausch engagieren

Die Pro Senectute sieht sich als wichtigen Teil der Grundversorgung älterer Menschen. Die Organisation will mit ihren Leistungen eine Ergänzung schaffen. Einen Schwerpunkt setzt sie bei der Beziehungspflege, die mangels Ressourcen oft vernachlässigt werde.

Gianni Amstutz
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Ein Schachkurs ist neu im Angebot der Pro Senectute Wil-Toggenburg. Dieser hält nicht nur geistig fit, sondern fördert soziale Kontakte. (Bild: PD)

Ein Schachkurs ist neu im Angebot der Pro Senectute Wil-Toggenburg. Dieser hält nicht nur geistig fit, sondern fördert soziale Kontakte. (Bild: PD)

Für Institutionen wie die Pro Senectute stellt die zunehmende Überalterung der Gesellschaft eine Herausforderung dar. Im Einzugsgebiet der Regionalstelle Wil-Toggenburg, das sich von Uzwil bis Wildhaus erstreckt, sind rund 20 Prozent der 105000 Einwohner im Pensionsalter. Tendenz steigend. Während der Anteil in Gemeinden rund um die Stadt Wil eher tiefer ist, beträgt er im Oberen Toggenburg gar 26 Prozent.

Ungeachtet der wachsenden Anforderungen zur Sicherstellung der Grundversorgung älterer Menschen bekundet die Pro Senectute keine Mühe, ihr Angebot aufrechtzuerhalten, ja sie hat ihr Kurs- und Begegnungsbereich sogar ausgebaut.

Ergänzung in den Sozialbereichen

Die Pro Senectute verstehe sich als Partner anderer Institutionen, sagt Jean-Pierre Sutter, Präsident des Regionalkomitees. Nur gemeinsam könne man die Grundversorgung betagter Menschen langfristig sicherstellen, zumal dazu nicht nur die Pflege und Betreuung gehöre, sondern der soziale Kontakt nicht unterschätzt werden dürfe.

Die Beziehungspflege sei nur noch beschränkt durch Angehörige, Bekannte oder Nachbarn abgedeckt. Auch Institutionen wie die Spitex könnten mangels Ressourcen nur begrenzt Abhilfe schaffen, sagt Sutter völlig vorwurfsfrei. Sie sei aber zentral, da sozial integrierte Menschen selbstständiger, zufriedener und gesünder blieben.

Einerseits übernimmt die Pro Senectute in den Bereichen Information und Beratung sowie Hilfe und Betreuung Aufgaben und ergänzt so Dienstleistungen der Spitex oder führt diese in Form von Leistungsaufträgen für einzelne Gemeinden aus. Anderseits stellt sie mit ihren Kursen ein Angebot zur Verfügung, das nicht nur zur aktiven Lebensgestaltung beiträgt, sondern im Sozialbereich Leistungen erbringt, die sonst zu kurz kommen würden.

Wie Linda Schmollinger, Leiterin des Bereichs Begegnung aus Austausch, sagt, sind die Angebote darauf ausgerichtet, regelmässige soziale Kontakte zu ermöglichen und sich dabei gleichzeitig geistig und körperlich fit zu halten. Das Angebot reicht von Sprach- und PC-Kursen über die Sturzprävention bis hin zu Theaterkursen. Das Kursangebot werde laufend erweitert und angepasst, sagt Linda Schmollinger.

So sei im vergangenen Jahr beispielsweise «Yoga auf dem Stuhl» ins Programm aufgenommen worden. Dieses Angebot richtet sich an Menschen, die nicht mehr ganz so fit sind und sich trotzdem bewegen möchten. Neben den Kursen bietet Pro Senectute auch Treffs an. Diese seien ungezwungener, da sie ohne Voranmeldung besucht werden könnten, was einem Bedürfnis der Klienten entspreche.

Freiwillige engagieren sich

14 Angestellte mit insgesamt 890 Stellenprozent können den Aufwand unmöglich alleine stemmen. Für das Ressourcenproblem hat die Pro Senectute eine elegante Lösung gefunden. In sogenannten Sozialzeitengagements werden Personen eingesetzt, die für ein kleines Sackgeld Kurse leiten. Häufig sind dies selbst Pensionierte, die so eine Beschäftigung für die Zeit nach der Pension finden und gleichzeitig einen Teil zum Modell der Pro Senectute beitragen. Eine klassische Win-Win-Situation also.

Aktuell bietet die Pro Senectute Wil-Toggenburg ihre Dienstleistungen an den drei Standorten Wil, Wattwil und Uzwil an – und das soll so bleiben. «Auch wenn der Betrieb von drei Standorten kostenintensiv ist, wollen wir daran festhalten», sagt Jean-Pierre Sutter. Für die Pro Senectute sei es essenziell an Ort präsent zu sein, gerade da nicht alle älteren Leute mobil seien. Ziel ist es deshalb, die bisherigen Standorte langfristig weiterzubetreiben, auch wenn sich an jenem in Wattwil infolge von Umbauten Änderungen ergäben und man in Wil auf der Suche nach neuen Räumen sei.

Auf Spenden angewiesen

Finanziell ist die Regionalstelle Wil-Toggenburg solide aufgestellt. 2018 schrieb man bei Einnahmen und Ausgaben von je rund 2,58 Millionen Franken eine rote Null. Rund die Hälfte der Einnahmen stammt dabei von den Nutzern, also den Pensionären selber. Weiter erhält die Organisation Beiträge von Bund und Gemeinden für bestimmte Leistungen. Ein letzter, nicht zu vernachlässigender Teil der Gelder erhält Pro Senectute in Form von Spenden. «Ohne diese stünden wir vor enormen finanziellen Problemen, weshalb wir unseren Gönnern sehr dankbar sind», sagt Jean-Pierre Sutter.