CUPSIEGER
Obwohl der FC Wil als aktuellster Ostschweizer Titelträger abgelöst würde: So freut man sich in Wil auf den Cupfinal

Im Jahr 2004 wurde der FC Wil in Basel Cupsieger. Seither ist keine Trophäe mehr in die Ostschweiz gewandert. Das könnte sich nun ändern. Wie man in Wil mit dem «grossen Bruder» mitfiebert.

Simon Dudle
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So geht Cupsieg: Die Wiler Spieler feiern im Basler «Joggeli» den grössten Erfolg der Klubgeschichte.

So geht Cupsieg: Die Wiler Spieler feiern im Basler «Joggeli» den grössten Erfolg der Klubgeschichte.

Bild: Keystone (12. April 2004)

Die Fieberkurve hinsichtlich des Cupfinals steigt und steigt. Nicht nur in der Kantonshauptstadt, sondern auch in Wil und Umgebung. Verbunden mit ein wenig Wehmut. Denn am Sonntag könnte es passieren, dass der aktuellste Ostschweizer Pokalgewinner des hiesigen Fussballs nicht mehr der FC Wil ist.

Am Ostermontag des Jahres 2004 war es in Basel St. Jakob. Der FC Wil, gerade vom ukrainischen Investor Igor Belanov durchgeschüttelt und nahe an den Abgrund getrieben, stand im Cupfinal – nach einem 2:1-Erfolg auf dem St. Galler Espenmoos. Gegen die Grasshoppers als deutlicher Aussenseiter angetreten, liessen sich die Wiler auch von einem zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand nicht aus der Ruhe bringen. Zwei Penaltytore von Fabinho sorgten für den grössten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Es war bis heute das letzte Mal, dass ein Extrazug Wil-Fans transportierte. Es war bis heute das letzte Mal, dass auf dem Hofplatz Tausende Fans Wiler Fussballern zujubelten. Stolz wurde der Pott tags darauf durch die Stadt getragen.

Geblieben ist folgende Gegebenheit: Der FC Wil ist der einzige Schweizer Fussballklub, der alle seine Cupfinal-Teilnahmen positiv gestaltet hat.

Nur eine Momentaufnahme: Das spezielle Cupfinal-Bier war in Wil schon nach wenigen Tagen vergriffen.

Nur eine Momentaufnahme: Das spezielle Cupfinal-Bier war in Wil schon nach wenigen Tagen vergriffen.

Bild: PD

Auch der FC Wil drückt dem FCSG die Daumen

Am Sonntag könnten diese Erinnerungen ein weiteres Stück verblassen. Dann nämlich, wenn der FC St. Gallen aus Bern Wankdorf die Trophäe mit nach Hause nimmt. Dann würde doch tatsächlich die epochale Veränderung eintreten, dass die Kantonshauptstädter mehr Cupsiege als die Wiler auf dem Konto hätten. Ein Grund, deshalb die schwarz-weissen Luganesi zu unterstützen? Mitnichten. Benjamin Fust, Geschäftsführer des FC Wil, sagt: «Es freut uns, wenn unser Partnerverein erfolgreich ist. Wir drücken dem FCSG für den Cupfinal die Daumen und hoffen, dass der Kübel wieder in die Ostschweiz kommt.»

Das Cupfinal-Bier war schnell ausverkauft

Christof Widmer, betreibt in Wil einen Bierladen.

Christof Widmer, betreibt in Wil einen Bierladen.

Bild: Urs Bucher

Auch sonst freut man sich in Wil auf den Cupfinal. Zum Beispiel Christof Widmer, der an der Unteren Bahnhofstrasse Bierspezialitäten verkauft. Kurz nach dem St. Galler Sieg im Halbfinal nahm er das Cupfinal-Bier in das Sortiment. Nach wenigen Tagen war es ausverkauft.

Jigme Shitsetsang, Stadtrat Wil und Kantonsrat St.Gallen

Jigme Shitsetsang, Stadtrat Wil und Kantonsrat St.Gallen

Bild: PD

Auch der Wiler Stadt- und Kantonsrat Jigme Shitsetsang, bekennender Fussballfan, freut sich auf den Cupfinal. Gestern liess er via Facebook verlauten: «Ein ganz spezieller Blick aus dem Kantonsratssaal. Die riesige Vorfreude auf den Cupfinal ist deutlich spür- und sichtbar.» Er spielte auf die grossen Buchstaben F, C, S und G an, welche in einer Nacht- und Nebelaktion auf der Klosterwiese angebracht worden waren und seit Freitag auf den Cupfinal einstimmen. «Hopp St. Gallen, Hopp Wil, Hopp Ostschweiz», sagt er.

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