Corona-Ausbruch in Flawiler Wohn- und Pflegeheim: 28 Bewohnende und 13 Mitarbeitende sind positiv – bereits vier Todesfälle – ab sofort Besuchsverbot

Im Wohn- und Pflegeheim Flawil sind 41 Personen positiv auf Covid-19 getestet worden. 27 Personen mit Symptomen befinden sich in Isolation, vier sind bereits an der Infektion gestorben. Nach dem folgenschweren Ausbruch im Seniorenzentrum Sonnmatt in Uzwil hat es nun auch die Institution der Nachbargemeinde getroffen.

Andrea Häusler
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Das WHP Flawil hat vier Todesfälle und 41 positiv getestete Personen zu beklagen. 27 Personen mit Covid-Symptomen sind in Isolation.

Das WHP Flawil hat vier Todesfälle und 41 positiv getestete Personen zu beklagen. 27 Personen mit Covid-Symptomen sind in Isolation.

Bild: Sandra Ardizzone

Die erste Coronawelle hatte das Wohn- und Pflegeheim (WPH) Flawil noch gut überstanden. Erst vor kurzem hiess es: Alle sind gesund. «Die Situation hat sich nun, trotz der konsequenten Umsetzung des Schutzkonzeptes und Einhaltung der entsprechenden Massnahmen, negativ verändert», heisst es in einer Mitteilung des WPH. «28 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 13 Mitarbeitende wurden positiv auf das Virus getestet.» Sie befinden sich in Isolation. Gleiches gilt für 14 Bewohnende, die Symptome aufweisen, jedoch noch auf die definitiven Testergebnisse warten. Vier Personen sind an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. «Hochbetagte Menschen», wie Heimleiter Paul Seifert sagt, ohne das Alter der Betroffenen nennen zu wollen. Der Zustand der Erkrankten sein unterschiedlich, die Verläufe reichten von mild bis schwer. Einzelne seien auf eigenen Wunsch in Spitalpflege verbracht worden.

Besuchsverbot bis 18. Dezember

Laut Seifert gehe es jetzt primär darum, die Infektionskette zu unterbrechen. «Als erste Massnahme wurde das Verpflegungssystem umgestellt.» Um eine Durchmischung zu verhindern, werde nun in den Zimmern gegessen. Wobei die Einschränkungen für Gesunde geringer sind. «Sie dürfen und sollen sich bewegen können», sagt Paul Seifert.

Das Flawiler Wohn- und Pflegeheim ist weitgehend Sperrzone. Das Bistro ist geschlossen, Veranstaltungen finden keine statt.

Das Flawiler Wohn- und Pflegeheim ist weitgehend Sperrzone. Das Bistro ist geschlossen, Veranstaltungen finden keine statt.

Bild: Mario Fuchs

Einschneidend für die ohnehin unter dem eingeschränkten sozialen Leben leidenden und aufgrund der Ereignisse emotional belasteten Bewohnerinnen und Bewohner ist das ab sofort und voraussichtlich bis zum 18. Dezember geltende Besuchsverbot. Dieses betrifft auch die Pflegewohnungen im Haus 5egg am Bahnhofplatz. Obwohl zwischen den beiden Standorten kein personeller Austausch stattfindet und es dort bis dato keine Ansteckungen gibt, wie der Heimleiter sagt.

Alle Massnahmen wurden übrigens in enger Zusammenarbeit mit dem Kantonsarztamt eingeführt.

Externe Fachleute zur Entlastung

Starr ist das Regelgerüst allerdings nicht. Ausnahmen seien nach Absprache möglich, sagt Paul Seifert und nennt ein Beispiel: «Wenn sich der Allgemeinzustand einer Person rapide verschlechtert und bei Sterbenden sind Besuche gleichwohl möglich.»

Bis auf weiteres bleibt auch das Bistro geschlossen – für Bewohner, wie auch für Besucher.

Trotz der angespannten Lage ist die Betreuung der 114 Bewohner sichergestellt, wird seitens der Heimleitung betont. Paul Seifert sagt:

«Nicht arbeitsfähiges Personal wird durch externe Fachkräfte ersetzt, welches auch zur tageweisen Entlastung eingesetzt wird.»

Denn die aktuelle Situation gehe nicht spurlos an den 157 Mitarbeitenden des WPH vorüber, sagt Seifert und spricht den erhöhten Gesprächsbedarf der Bewohnerinnen und Bewohner aufgrund der fehlenden sozialen Kontakte an. «Entsprechend wichtig ist es, alles für das Wohlbefinden unserer Mitarbeitenden zu tun.»

Alters- und Pflegeheime stark betroffen

Die Coronafälle in Alters- und Pflegeinstitutionen häufen sich. Das Bütschwiler «Solino» war beispielsweise betroffen, aber auch mehrere Einrichtungen der Thurvita AG. Erst Ende vergangener Woche kommunizierte das Seniorenzentrum Uzwil die traurige Bilanz eines Ausbruchs in den Häusern «Sonnmatt» und «Marienfried»: Innerhalb von drei Wochen starben 22 der 140 Bewohnerinnen und Bewohner an Covid-19. Das Altersspektrum der Verstorbenen reichte von 85 bis über 100 Jahre. Inzwischen hat sich die Situation entspannt. Die Isolation ist aufgehoben, Besuche und Spaziergänge im Freien sind wieder möglich.