Coronavirus: Nun ist auch das Bütschwiler Altersheim Solino betroffen +++ 17 Menschen im Seniorenzentrum in Uzwil verstorben

Mittlerweile hat es ein drittes Heim in der Region Wil-Toggenburg schwer getroffen. Zudem kam es in weiteren Einrichtungen der Thurvita AG in Wil zu Ausbrüchen.

Lara Wüest
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Bereits drei Altersheime in der Region Wil-Toggenburg traf die Coronapandemie hart.

Bereits drei Altersheime in der Region Wil-Toggenburg traf die Coronapandemie hart.

Bild: Sandra Ardizzone

Die Coronazahlen im Toggenburg sind eigentlich wieder am Sinken. Doch ausgerechnet jetzt kommt es in einem Altersheim in der Region zu einem Ausbruch: im Seniorenzentrum Solino in Bütschwil. Am Mittwoch fiel ein erster Test einer Bewohnerin positiv aus.

Seither ist die Zahl der Infizierten auf sieben gestiegen, bei weiteren fünf Bewohnenden hegt das Altersheim den Verdacht, dass sie sich ebenfalls angesteckt haben könnten, weil sie Symptome aufweisen. Ob es bei den knapp 100 Bewohnenden noch zu weiteren Ansteckungen kam, kann derzeit niemand abschätzen. «Die Dynamik bei Corona ist schwer vorhersehbar», sagt Markus Brändle. Er ist der Leiter des Seniorenzentrums. Noch gebe es keine Signale zur Entwarnung.

Besuchsverbot bis Ende November

Um die Situation zu entschärfen, hat das Solino nun einen «harten, aber befristeten Lockdown verordnet», wie Brändle sagt. Positiv Getestete seien in Isolation. Wer Kontakt mit einer infizierten Person gehabt habe, aber keine Symptome aufweise, befände sich in Quarantäne. Bis am 30. November gilt im Solino ein generelles Besuchsverbot. Allerdings mit Ausnahmen etwa für angemeldete Besucher im geschützten Besucherraum oder bei besonderen Situationen.

Auffallend ist, dass aktuell mehr Angestellte als Bewohner infiziert sind. Bei 14 von 130 Mitarbeitenden fiel der Test bisher positiv aus. Gemäss Brändle gibt es aber keinen Beleg, dass das Virus durch sie ins Haus gekommen ist. Er sagt:

«Wir haben stets alle Schutzmassnahmen ergriffen.»

Noch gibt es im Solino keine schweren Verläufe, zu Todesfällen kam es bisher nicht.

17 Todesfälle, zwei Personen in kritischem Zustand in Uzwil

Anders sieht die Situation im Seniorenzentrum Uzwil aus. In den vergangenen drei Wochen sind dort 17 Menschen verstorben. Bereits Anfang November kam es zu einem schweren Corona-Ausbruch. Insgesamt waren in den zwei Standorten Sonnmatt und Marienfried über 60 Personen infiziert.

Aktuell seien noch 20 Bewohnenden am Virus erkrankt, wie der Uzwiler Gemeindepräsident Lucas Keel sagt. Er ist auch der Präsident der Heimkommission. Zwei von diesen 20 Personen sind in kritischem Zustand.

Dass im Heim so viele Menschen gestorben sind, liegt gemäss Keel daran, dass es sich beim Seniorenzentrum Uzwil um eine Pflegeinstitution handelt. Er sagt:

«Die meisten Menschen bei uns waren schon vor dem Corona-Ausbruch gesundheitlich angeschlagen.»

Sie seien denn auch nicht am, sondern mit dem Virus gestorben.

Auf dem Weg zum Normalbetrieb

Noch besteht im Seniorenzentrum ein Besuchsverbot, noch ist die Normalität nicht zurückgekehrt. Man sei aber auf dem Weg zurück zum Normalbetrieb, sagt Keel. «Der Peak ist überschritten.» Auf den Stationen, die keine positiven Fälle mehr haben, können sich die Bewohnenden wieder frei bewegen. Wie das Virus ins Heim gelang ist, weiss man nicht. Keel sagt:

«Wir verdächtigen niemanden und wollen auch niemanden an den Pranger stellen.»

Ein Corona-Ausbruch trifft die Bewohner eines Heimes häufig schwer. Doch nicht nur sie. Auch die Angehörigen machen oft eine schwierige Zeit durch. «Dass sie die Bewohner nicht mehr besuchen durften, war für sie nicht leicht», sagt Keel. «Doch wir mussten die Schutzinteressen der Gemeinschaft über die Interessen der Individuen stellen.»

Neun Personen im Sonnenhof verstorben

Auch im Alterszentrum Sonnenhof in Wil gab es weitere Todesfälle zu beklagen. Inzwischen sind dort neun Personen an Corona gestorben. Dies teilte die Thurvita, die Betreiberin des Sonnenhofes, am Freitag mit. Im Alterszentrum kam es vor vier Wochen zu einem schweren Ausbruch. Insgesamt steckte sich ein Drittel der Bewohner an. Die Mehrheit der Infizierten erholt sich gemäss Thurvita aber gut.

Inzwischen ist es aber auch in anderen Thurvita-Einrichtungen, im Pflegezentrum Fürstenau und in der Pflegewohnung Bergholz, zu Coronafällen gekommen. Bislang habe es bei Thurvita-Bewohnenden insgesamt 72 Infizierungen gegeben, heisst es in der Mitteilung weiter. Zu den neun Todesfällen im Sonnenhof sei ein weiterer dazugekommen.