Coronakrise
Städteverband rechnet mit steigenden Sozialhilfezahlen: In Wil ist kein unüblicher Anstieg feststellbar – zumindest bisher

Mit einer Verzögerung zur steigenden Arbeitslosigkeit infolge der Coronakrise gibt es eine Zunahme der Sozialhilfezahlen. Auch die Sozialen Dienste der Stadt Wil rechnen mit einer Erhöhung.

Gianni Amstutz
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Die Stadt Wil rechnet mit einer Zunahme der Anmeldungen für Sozialhilfe aufgrund der Coronakrise.

Die Stadt Wil rechnet mit einer Zunahme der Anmeldungen für Sozialhilfe aufgrund der Coronakrise.

Bild: Christian Beutler / Keystone

Der Schweizerische Städteverband schlägt Alarm. «Bei der Sozialhilfe ist das Ende der Krise nicht absehbar», heisst es bereits im Titel des Berichts. Die Folgen der Pandemie für die Sozialen Dienste der Städte hielten sich bisher zwar in Grenzen, die wahre Prüfung stehe aber noch bevor, so die These des Berichts.

Während es im vergangenen Jahr nur wenige Neuanmeldungen auf der Sozialhilfe gegeben habe, steige die Zahl seit Jahresbeginn. Der Grund: Die unterstützenden Massnahmen von Bund und Kanton sowie die Arbeitslosenversicherung haben einen Grossteil der Not abfedern können. Nun aber mache sich die steigende Arbeitslosenquote mit einer Verzögerung bemerkbar.

Das sei systembedingt üblich, sagt Marc Bilger, Departementsleiter Gesellschaft und Soziales der Stadt Wil. Personen, die ihre Arbeitsstelle im ersten Arbeitsmarkt verlieren, hätten – wenn sie denn lange genug im ersten Arbeitsmarkt gearbeitet haben – Anrecht auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung. Solange sie Taggelder beziehen, seien sie in der Regel nicht auf Sozialhilfe angewiesen. Nach Ablauf der Rahmenfrist werden die Personen ausgesteuert. «Verfügen sie dann über kein Vermögen, sind sie unter Umständen auf Sozialhilfe angewiesen.»

Anstieg ist saisonal bedingt

Der Anstieg der Fallzahlen, welcher in anderen Gemeinden beobachtet wird, blieb in Wil aber bisher aus. Zwar sei auch hier seit Anfang Jahr eine Zunahme festzustellen, diese bewege sich allerdings in einer Grössenordnung, wie sie in anderen Jahren zu verzeichnen war, sagt Bilger. Dies dürfte allerdings eher als saisonal bedingt anzusehen sein.

«Insgesamt liegen die Fallzahlen aktuell sogar noch leicht unter dem Niveau der Vorjahre.»

Treffen die Alarmzeichen des Berichts des Städteverbands auf Wil also überhaupt nicht zu? Mitnichten. Die Komplexität der Fälle und der Beratungsbedarf haben aufgrund von Problemen in verschiedenen Bereichen (familiär, Krankheit, Umgang mit den Sozialversicherungen) zu einer erheblichen Mehrbelastung der Sozialhilfe geführt.

«Bezogen auf Sozialhilfe noch mitten in der Krise»

Zudem geht auch Marc Bilger davon aus, dass wir «bezogen auf die Sozialhilfe noch mitten in der Krise sind», wie es im Bericht des Städteverbands heisst. Bilger sagt:

«Es ist davon auszugehen, dass auch in Wil die Anzahl der Sozialhilfebeziehenden zunehmen wird, sobald die Wirkung der Verlängerung der vorgelagerten Systeme nachlässt.»

Dies dürfte in der zweiten Hälfte 2021 beziehungsweise ab 2022 der Fall sein.

Doch nicht nur die erwarteten zusätzlichen Anmeldungen in die Sozialhilfe haben einen Effekt auf die Erhöhung der Fallzahlen. Es ist auch schwieriger geworden, Personen aus der Sozialhilfe zurück in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Im ersten Halbjahr 2021 hätten in Wil rund vier Prozent weniger Fälle abgeschlossen werden als im ersten Halbjahr 2020 – also zu Beginn der Pandemie, sagt Marc Bilger.

Im Vergleich mit 2019 habe sich die Zahl der Ablösungen sogar um zwölf Prozent verringert. «Auch in Wil muss also festgestellt werden, dass es schwieriger geworden ist, Personen wieder von der Sozialhilfe abzulösen.»

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