Corona
Start mit angezogener Handbremse: Das Wiler Impfzentrum öffnet bald, aber vorerst nur einen Tag pro Woche

Auf dem Wiler Agrar Areal wird am 7. April eines von vier Coronaimpfzentren im Kanton St.Gallen seinen Betrieb aufnehmen. Bis zu 1400 Personen pro Tag sollen dort geimpft werden ‒ sofern genügend Impfstoff vorhanden ist. Am Gründonnerstag fand ein Testlauf statt.

Lara Wüest
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Rundgang durch das Wiler Impfzentrum. Vor dem offiziellen Start wird am Nachmittag des Gründonnerstags bereits geimpft.

Rundgang durch das Wiler Impfzentrum. Vor dem offiziellen Start wird am Nachmittag des Gründonnerstags bereits geimpft.

Bild: Tobias Garcia

Halb zwei am Gründonnerstagnachmittag. Es ist ungewöhnlich warm, die Sonne brennt auf den rissigen Asphalt vor einem Gebäude im Agrar Areal in Wil, wo einst Hürlimann seine Traktoren herstellte. Eine kurze Menschenschlange mit vielen grauen Haarschöpfen steht vor der Eingangstür, darüber hängt ein kleines Plakat. Eingang Impfzentrum steht da in grünen und schwarzen Buchstaben. Hört man sich bei den Wartenden um, klingt es oft ähnlich: Froh seien sie, dass sie endlich geimpft würden.

Die Schlange vor dem Impfzentrum sollte nicht zu lang werden, damit das Ansteckungsrisiko klein bleibt.

Die Schlange vor dem Impfzentrum sollte nicht zu lang werden, damit das Ansteckungsrisiko klein bleibt.

Bild: Tobias Garcia

Das Wiler Impfzentrum ist eigentlich noch zu, am 7. April wird es offiziell den Betrieb aufnehmen. Ab dann werden hier zuerst die über 75-Jährigen geimpft, bald darauf auch die über 65-Jährigen. Vorerst allerdings nur an einem Tag pro Woche. Denn noch ist der Impfstoff knapp. Impftag ist in Wil vorerst der Montag.

Karin Faisst, Präventivmedizinerin und Leiterin des St.Galler Amts für Gesundheitsvorsorge

Karin Faisst, Präventivmedizinerin und Leiterin des St.Galler Amts für Gesundheitsvorsorge

Bild: Tobias Garcia

An diesem Nachmittag vor Ostern findet ein Testlauf statt. Die St.Galler Impfchefin Karin Faisst, die kurz vor dem Testlauf, auch begleitet vom Wiler Stadtpräsidenten Hans Mäder, durch die Impfräume führt, sagt: «Die Herausforderung ist, dass sich vor dem Eingang keine Menschentraube bildet.» Es brauche einen guten Fluss.

1400 Personen pro Tag

Das Impfzentrum liegt im ersten Stock eines Gebäudes im Wiler Industriegebiet. Vom Bahnhof ist es in wenigen Minuten zu Fuss erreichbar. Für Autofahrer gibt es Parkplätze. Im Verlauf des Nachmittags fahren zahlreiche Autos vor. Wenn alles nach Plan läuft, werden an diesem Testtag bis am Abend 330 Personen ihre erste Dosis des Pfizer/Biontech-Impfstoffs erhalten haben.

Das Wiler Impfzentrum: Am 7. April geht es mit Impfen los.

Das Wiler Impfzentrum: Am 7. April geht es mit Impfen los.

Bild: Tobias Garcia

Kapazität hätte es aber für weitaus mehr: Bis 1400 Personen pro Tag können im Wiler Impfzentrum geimpft werden. Das sind 40 Personen in 15 Minuten. Allerdings wird das erst möglich sein, wenn genügend Impfstoff vorhanden ist. Wann das sein wird? Auf diese Frage zuckt Faisst mit den Schultern. Denn der Impfstoff ist noch immer ein knappes Gut, und Faisst weiss aus Erfahrung, dass sich bei den Lieferungen kurzfristig viel ändern kann.

Einst die Räume einer Freikirche

Im April soll der Kanton, so ist es vorgesehen, weitere 80'000 Impfdosen vom Bund erhalten. Die eine Hälfte geht an die vier Impfzentren, die andere an die Hausärzte. Für den Mai hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) noch mehr Dosen angekündigt, 130'000 bis 140'000 sollen es dann sein. Doch an welchem Tag der begehrte Stoff im Kanton ankommt, weiss Faisst noch nicht. «Das macht für uns die Planung schwierig», sagt sie. Dem gegenüber steht ein grosses Interesse in der Bevölkerung: 35'000 Personen haben sich bisher auf der Website des Kantons für eine Impfung im Impfzentrum angemeldet, rund 20 Prozent davon für jenes in Wil.

Bereits vor der Eingangstür des Wiler Impfzentrums müssen Impfwillige ein erstes Mal den QR-Code, den sie bei der Anmeldung erhalten haben, und ihren Ausweis zeigen. Und dann noch ein weiteres Mal, wenn sie das Gebäude betreten haben. Erst danach gelangen sie in den Raum, in dem sie den langersehnten Piks erhalten. Über dessen Eingang steht in blau-gelber Schrift «Zentrum Speer, Freie Christengemeinde Wil». Ein Überbleibsel aus der Zeit, als in den Räumen eine Freikirche eingemietet war. Wo früher gebetet wurde, werden die Menschen nun gegen Corona geimpft.

In der Schatzkammer

Vor den Impfkabinen: Eine Ärztin erklärt, wie das Impfen ablaufen soll.

Vor den Impfkabinen: Eine Ärztin erklärt, wie das Impfen ablaufen soll.

Bild: Tobias Garcia

Der Impfraum selbst ist mit viele weissen Trennwänden unterteilt. Zwei Impfstrassen führen in die sechs Impfkabinen. Drei liegen auf der linken Seite des Raumes, drei auf der rechten. Die Impfung selbst geht ganz rasch, nach wenigen Sekunden ist es vorbei. 15 Minuten müssen die Geimpften danach aber zur Überwachung noch bleiben, bevor sie das Impfzentrum selbstständig verlassen können. Zahlreiche schwarze Stühle mit viel Abstand wurden dazu hinter den Impfkabinen aufgestellt.

Zwischen den Impfkabinen befindet sich ein kleiner, fensterloser Raum. «Die Schatzkammer» nennt ihn Karin Faisst. Kurz vor dem Impfstart am Nachmittag des Gründonnerstags bereiten dort acht Frauen und ein Mann in blauen Arbeitskitteln die ersten Impfdosen vor. Die Stimmung ist ausgelassen, fast ein wenig aufgeregt. Das mobile Impfteam kann es kaum erwarten, dass mit Wil nun auch das letzte St.Galler Impfzentrum eingeweiht wird.

Mit geübten Handgriffen bereitet das mobile Impfteam die Impfungen für den Testlauf in Wil vor.

Mit geübten Handgriffen bereitet das mobile Impfteam die Impfungen für den Testlauf in Wil vor.

Bild: Tobias Garcia