Cornel Egger hat den längsten Atem

Welcher Gemeindepräsident ist am längsten im Amt? Cornel Egger, Oberuzwil, seit 1991. Nach einem Vierteljahrhundert ist nächstes Jahr wohl noch nicht Schluss, und mindestens eine Legislatur soll noch dazukommen. Bezüglich Vakanz beim Schulpräsidium weist Egger Vorwürfe zurück.

Simon Dudle
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Cornel Egger Seit 1991 Gemeindepräsident von Oberuzwil (Bild: pd)

Cornel Egger Seit 1991 Gemeindepräsident von Oberuzwil (Bild: pd)

REGION. Genau vier Präsidenten von Gemeinden der Region Wil sind noch aus dem letzten Jahrhundert – was den Amtsantritt betrifft. Seit 1999 leitet Kurt Baumann in Sirnach die Geschicke, schon zwei Jahre länger Niklaus Hollenstein jene Niederbürens. Bereits seit 1993 ist Christoph Häne Gemeindepräsident Kirchbergs und seit 1991 Cornel Egger in Oberuzwil (siehe Grafik).

An der Spitze dieser Rangliste ist einer, der bei seinem Amtsantritt vor 24 Jahren gesagt hatte, dass er nicht bis zu seiner Pensionierung Gemeindepräsident von Oberuzwil sein werde. Nun, als 54-Jähriger, würde er diese Aussage nicht mehr unterschreiben. «Man weiss ja nie, was die Zukunft bringt. Im Moment sieht es aber so aus, als würde ich bei den Gemeinderatswahlen im nächsten September wieder antreten», sagt Egger. Die Arbeit mache ihm noch immer Freude, und er könne sich nach wie vor gut mit ihr identifizieren. Egger spricht von einem «vielfältigen Job», bei dem es Routinearbeit nur in gewissen Sachfragen gebe.

Blickt Egger auf die Anfänge zu Beginn der 1990er-Jahre zurück, so sind die technischen Veränderungen die markanteste Anpassung. «Damals hatten wir noch keine Smartphones im Einsatz und gerade mal zwei Computer und einzelne Monitore, die mit dem St. Galler Verwaltungsrechenzentrum verbunden waren. Das E-Mail habe einen Quantensprung bedeutet – mit Vor- und Nachteilen. «Die Leute erwarten heute möglichst sofort eine Antwort in hoher Qualität. Um dies zu erfüllen, müssten wir einen ganz anderen Personalbestand haben.»

Bezüglich Sachgeschäfte war für den Bichwiler die Einführung der Einheitsgemeinde ein Meilenstein, auch wenn diese nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne gegangen ist. Bichwil war ausgeschert und eigenständig geblieben, allerdings nur für vier Jahre. «Im ersten Moment war ich enttäuscht, dass es nur eine Einheitsgemeinde light gab. Dann aber positiv überrascht, wie schnell die Schule Bichwil doch den Antrag gestellt hat, dabei sein zu wollen», sagt Egger.

«Ein gewisses Vakuum»

Auch dieses Jahr sorgt die Oberuzwiler Schule wieder für Gesprächsstoff, da Schulpräsidentin Silvia Mahrle von ihrem Amt zurückgetreten ist und dabei Vorwürfe an den Gemeinderat gerichtet hat. Dieser würde die Probleme nur verdrängen statt lösen. Gemeindepräsident Egger entgegnet: «Von Verdrängung kann keine Rede sein. Wir führen unsere Schulen weitsichtig. Mussten Projekte im Schulbereich aufgeschoben werden, erfolgte dies einstimmig, also im Einvernehmen mit dem Schulpräsidium.» Der Gemeinderat habe vor einem Jahr auch die finanziellen Mittel bewilligt, damit eine Fachperson zur Klärung und Bereinigung der anstehenden Konflikte im Schulbereich beigezogen werden konnte, sagt Egger. Immer wieder ist die Frage zu hören, ob es den im Jahr 2011 eingeführten Leiter Volksschule überhaupt braucht. «Die Vakanzen nach dem Austritt des ersten Leiters Volksschule und eines Schulleiters haben leider zu einem gewissen Vakuum in der Schulführung geführt. Das neue Führungsmodell wird sich für unsere Gemeindegrösse in Zukunft bewähren, sofern es umsichtig gelebt wird. Und davon bin ich überzeugt», so Egger.

Nicht ohne Stolz darf er auf die Entwicklung der Finanzen zurückblicken. Beim Amtsantritt profitierte Oberuzwil noch vom kantonalen Finanzausgleich. «Unser Ziel war damals, auf das Niveau Uzwils zu kommen», sagt Egger. Heute liegt Oberuzwil 13 Prozentpunkte darunter. «Statt zu fragen, was wir besser manchen als Uzwil, könnte man auch fragen, was schlechter läuft als im Steuerparadies Zuzwil. Unsere Anpassungen nach unten waren gut überlegt.»

84 Jahre Erfahrung weg

Bald schon wird Cornel Egger der mit Abstand dienstälteste Gemeindepräsident der Region sein. Denn die Nummer zwei, Christoph Häne, hat seinen Rücktritt per Ende Legislatur 2016 angekündet (Wiler Zeitung vom 22. Oktober).

Am drittlängsten im Amt ist Niederbürens Gemeindepräsident Niklaus Hollenstein. Der nun 60-Jährige hat bereits vor geraumer Zeit angekündet, 2016 für eine letzte Legislatur zu kandidieren und danach in den Ruhestand zu wechseln. Genau wie Egger betrachtet es auch Hollenstein als Vorteil, wenn man schon einige Jahre Erfahrung mitbringt. «Routinearbeit gibt es in diesem Beruf nahezu keine, da sich die Gesellschaft ständig verändert und Herausforderungen nachhaltig zu bearbeiten sind», sagt Hollenstein.

Blickt man auf die Tabelle mit den Amtsjahren der Gemeindepräsidenten, so stellt man fest, dass im südlichen Thurgau, wo im März die Amtsträger für die nächste Legislatur gewählt wurden, eine Verjüngung stattgefunden hat. Mit Hanspeter Gantenbein (Wuppenau), Clemens Dahinden (Bettwiesen), Robert Meyer (Eschlikon), Benno Storchenegger (Wängi) und Bruno Lüscher (Aadorf) sind 84 Amtsjahre abhanden gekommen.

Christoph Häne Seit 1993 Gemeindepräsident von Kirchberg (Bild: Simon Dudle)

Christoph Häne Seit 1993 Gemeindepräsident von Kirchberg (Bild: Simon Dudle)

Niklaus Hollenstein Seit 1997 Gemeindepräsident von Niederbüren (Bild: pd)

Niklaus Hollenstein Seit 1997 Gemeindepräsident von Niederbüren (Bild: pd)

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