Claudio Altwegg wünscht sich mehr Mut im Wiler Parlament: «Fehler kann man korrigieren, verpassten Fortschritt jedoch nicht wieder aufholen»

Der Präsident der FDP Wil ist eines von neun neu gewählten Parlamentsmitgliedern. Die Arbeit des Parlaments kennt er bestens. Nun freut er sich, die Wiler Politik endlich selber mitzugestalten.

Gianni Amstutz
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Claudio Altwegg hat in seiner jungen Politkarriere schon einiges erreicht.

Claudio Altwegg hat in seiner jungen Politkarriere schon einiges erreicht.

Bild: PD

Claudio Altwegg ist ein politischer Senkrechtstarter. Trotz seines jungen Alters, er ist erst 29 Jahre, hat er politisch schon einiges erreicht. Mit 23 der Parteieintritt bei den Jungfreisinnigen, mit 26 Wahl zum Präsidenten der FDP Wil, mit 28 Wahlkampfleiter der Kreispartei Wil.

Sein politischer Lebenslauf verdeutlicht, dass er sich auf der politischen Bühne wohlfühlt. Seine Wahl ins Stadtparlament war also eigentlich nur die logische Folge. Altwegg selbst sagt:

«Ich habe keine politische Karriere geplant, vieles hat sich einfach so ergeben.»

So zum Beispiel die Bundesratswahl von Karin Keller-Sutter im Dezember 2018. Die Ortspartei Wil, bei der Keller-Sutter ihre ersten Schritte auf der politischen Bühne machte, stand plötzlich im Fokus nationaler Medien.

Sei es bei der Bekanntgabe ihrer Kandidatur oder beim Public Viewing der Bundesratswahl: Claudio Altwegg stand als Präsident der Ortspartei den Medien Rede und Antwort – und hinterliess einen souveränen Eindruck. «Ich suche das Rampenlicht zwar nicht, übernehme aber gerne Verantwortung», sagt er.

Politik spielt auch bei der Arbeit eine Rolle

Was für Altweggs politisches Engagement gilt, kann auch auf seine berufliche Karriere übertragen werden. Nach einer kaufmännischen Lehre, absolvierte er Weiterbildungen zum dipl. Betriebswirtschafter HF, Kursleiter und Ausbilder und ist inzwischen als Leiter Weiterbildung im Familienunternehmen, dem Wios Bildungszentrum, tätig.

Dort unterrichtet Altwegg die Fächer Betriebs- und Volkswirtschaft, Marketing, Kommunikation, Politik und Staatslehre. Eine Kombination, die wie gemacht scheint für einen Politiker. Darauf angesprochen, sagt er:

«Das ist wahrscheinlich etwa die Frage nach dem Huhn und Ei.»

Er habe sich schon seit seiner Jugend mit Politik auseinandergesetzt. Dass sie nun neben einem Hobby auch in seinem Beruf eine Rolle spiele, sei wohl eine Folge davon.

Durch Zufall bei der FDP gelandet

Obwohl er sich schon früh für politische Zusammenhänge zu interessieren begann, landete Claudio Altwegg letztlich eher durch Zufall bei der FDP, genauer gesagt bei den Jungfreisinnigen. Das hatte vor allem damit zu tun, dass er Jannik Schweizer, der heute ebenfalls in der FDP-Fraktion im Parlament politisiert, aus der Schulzeit kannte. So kam es letztlich dazu, dass Altwegg den Jungfreisinnigen beitrat.

Die bürgerlichen Werte und liberale Politik der FDP hätten ihm zwar schon früh zugesagt, doch ohne die persönliche Verbindung zu Jannik Schweizer hätte er eventuell auch bei einer anderen Partei, etwa der CVP, landen können, gibt Altwegg unumwunden zu.

Rückblickend sei sein FDP-Beitritt aber ein Glücksfall gewesen. Mit den Jungfreisinnigen habe man eine sehr aktive Jungpartei, und der Austausch zwischen Parteileitung und Fraktion sei stets konstruktiv.

Auch menschlich habe er sich sofort sehr wohlgefühlt. «Jigme Shitestang und auch Mario Breu haben mich damals sehr gut eingeführt und mir viel Vertrauen entgegengebracht.» Das sei sehr hilfreich gewesen. Zudem könne er sich mit den Positionen der Partei sehr gut identifizieren.

Ein aufmerksamer Beobachter der Wiler Politik

Dass Altwegg das Heu auf derselben Bühne hat wie seine Partei, wurde beispielsweise auch bei der Abstimmung für eine Steuersenkung 2019 deutlich. Der FDP-Präsident kämpfte an vorderster Front für das Referendum – und konnte gemeinsam mit seinen Parteikollegen und der SVP einen Erfolg verbuchen.

Doch nicht nur was die Finanzpolitik angeht, auch sonst ist Altwegg bestens vertraut mit den Themen, welche die Wiler Politik beschäftigen. Schliesslich gehört er zu den wenigen Wilern, die fast bei jeder Sitzung des Stadtparlaments auf der Zuschauertribüne zu finden sind.

Als aufmerksamer Beobachter des Stadtparlaments nahm er dieses als sehr professionell wahr. Aufgefallen sind ihm aber auch, dass Debatten teilweise sehr hitzig, manchmal sogar etwas gehässig geführt worden seien. Eine angeregte Diskussion über Inhalte begrüsse er, solange sie sachlich und respektvoll verlaufe.

An die Arbeit im Parlament herantasten

Durch seine regelmässige Anwesenheit im Parlament sowie den Austausch mit den Fraktionsmitgliedern der FDP bringt Altwegg ein solides Vorwissen an seine erste Sitzung im Januar mit. Trotzdem hat er Respekt vor der Aufgabe.

An die Arbeit in den Kommissionen und im Parlament müsse er sich schliesslich auch noch herantasten. Generell aber freut sich Claudio Altwegg, künftig nicht mehr nur Zuschauer zu sein, sondern selbst an der Debatte teilnehmen zu können.

Für die Arbeit im Parlament wünscht er sich vor allem eines: mehr Mut bei den Entscheidungen.

«Das birgt zwar auch das Risiko, Fehler zu machen, doch Fehler kann man korrigieren, verpassten Fortschritt jedoch nicht wieder aufholen.»

Dieser Artikel ist Teil einer Serie, in der alle neun neu gewählten Mitglieder des Stadtparlaments vorgestellt werden.