Christliches Rechnen

Seitenblick

Simon Dudle
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Der Weihnachtsmarathon ist einmal mehr überstanden, das Festessen längst verdaut. Die Geburt Jesu wurde wie üblich üppig und ausgiebig gefeiert. Natürlich am 25. Dezember, wie einem die Bibel gelehrt hat. Wirklich? Ein Datum für die Geburt Jesu sucht man nämlich vergebens, auch beim pflichtbewussten mehrmaligen Lesen.

Es gibt sogar Hinweise, dass dieses bedeutende Ereignis weder am 25. Dezember noch im Winter stattgefunden haben kann. Da wäre zum Beispiel die Sache mit der Volkszählung, welche kurz vor der Geburt Jesu angeordnet worden war. Alle Menschen mussten in ihre Heimatstadt zurückkehren, um sich bei der Zählung eintragen zu lassen. Manch einer war gut und gerne eine Woche unterwegs. Unvorstellbar, dass Kaiser Augustus riskierte, das ohnehin schon aufmüpfige Volk noch mehr gegen sich aufzubringen, indem er es mitten im Winter auf Reisen schickte.

Auch die Schafe stehen quer in der Landschaft. Gemäss der Bibel weilten die Schafshirten während der Geburt Jesu draussen im Freien und hielten in der Nacht Wache über ihre Herde. Allerdings dürfte es so gewesen sein, dass diese Hirten «nur» zwischen Ende März und Mitte November draussen waren und im Winter in Ställen hausten.

Wurde also der Weihnachts-marathon vergebens absolviert? Natürlich nicht. Der Grund, wieso am 25. Dezember gefeiert wird, ist aber bis heute nicht abschliessend bekannt. Wahrscheinlich liegen heidnische Bräuche zugrunde. Zum Beispiel das Geburtstagsfest des römischen Sonnengottes, welches durch das Weihnachtsfest verdrängt werden sollte. Man feierte am 25. Dezember die «Wiedergeburt der Sonne», da die Tageslichtdauer fortan wieder zunahm.

Übermorgen steht nun Silvester an. Und schon wieder wird es kompliziert. Denn ein Jahr null kennt die traditionelle christliche Zeitrechnung nicht. Es gibt das Jahr eins vor Christus und das Jahr eins nach Christus. Anders sieht es bei der modernen Jahreszählung der Astronomen aus. Egal, Hauptsache das Essen am Silvesterabend mundet genau so wie jenes am Weihnachtstag.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

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