Christbaum als Tee entsorgen

Ihre Gnadenfrist läuft in der Regel bis zum Dreikönigstag: Solange sorgen Christbäume in den heimischen Stuben für Festatmosphäre. Dann gehen die Lichter aus, verschwinden die Kugeln im Keller, Glitter und Lametta im Mülleimer.

Andrea Häusler
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Bild: Andrea Häusler

Bild: Andrea Häusler

Ihre Gnadenfrist läuft in der Regel bis zum Dreikönigstag: Solange sorgen Christbäume in den heimischen Stuben für Festatmosphäre. Dann gehen die Lichter aus, verschwinden die Kugeln im Keller, Glitter und Lametta im Mülleimer. Schmucklos bietet die eben erst liebevoll ausgewählte Tanne ein erbärmliches Bild: kraftlos hängen die matt-grünen Äste am Stamm, Nadeln bedecken den Fussboden. Und es meldet sich das schlechte Gewissen. Zwölf bis dreizehn Jahre alt ist die knapp zimmerhohe Nordmanntanne, die nun im Feuerschlund der Kehrichtverbrennungsanlage enden soll.

Der Gedanke nach Alternativen kommt Jahr für Jahr auf: Ein künstlicher Baum? Immerhin: Nach 20 Jahren soll die Ökobilanz besser sein als die des natürlichen Vorbilds. Aber will man das Plastikding aus China denn so lange anschauen? Eine Tanne im Topf, die sich später einpflanzen lässt? Schwierig, auf dem Balkon. Allenfalls eine Miettanne? Knapp hüfthoch verlangte sie nach neuem Baumschmuck, führte ausserdem zum Bruch mit der Familientradition der raumhohen Christbäume. So wird es denn halt doch stets wieder eine Nordmanntanne aus regionalem Anbau vom Händler um die Ecke; und ein Kampf mit dem Gewissen nach dem Dreikönigstag.

Natürlich, wer ein Haus mit Garten bewohnt, kann die nadelnden Äste als Winterschutz oder Abdeckmaterial für Pflanzen endverwerten. Häckseln ist eine Möglichkeit, Kompostieren oder das Trocknen und Verbrennen im Kamin. Fehlt hingegen der private Umschwung, ist Kreativität gefordert. Oder der Zugang zu den sozialen Netzwerken. Hier werden derzeit verblüffende bis skurrile Christbaumverwertungsideen verbreitet. Die zersägten Stämme eigneten sich als Kerzenständer, Untersätze für heisse Speisen oder gar als Knöpfe, heisst es. Wer frei von handwerklichen Talenten ist, kann seinen Christbaum auch einfach verspeisen, wie Sindy S. Grambow in ihrem Buch «Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen!» schreibt. Likör, Hustensirup, Tee, Würze, aber auch Zusätze für Bäder oder Inhalationen liessen sich gewinnen. Gut zu wissen. Endlich. Im nächsten Jahr wird die Weihnachtszeit erstmals entspannt enden: dank einer Tasse Tannentee vom eigenen Christbaum.

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

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