Chorprojekt hat sich gewandelt

Was vor einem Jahr als Projekt für Arbeitslose unter dem Namen «Zwischentöne» lanciert worden ist, hat sich inzwischen gewandelt und heisst «Singtisch». Eingeladen dazu ist, wer alleine ist, arbeitslos oder einfach Lust hat.

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niederuzwil. Jeden zweiten Mittwochmorgen um 10 Uhr treffen sich eine Handvoll Frauen und manchmal zusätzlich ein oder zwei Männer im Pfarreizentrum Niederuzwil zum gemeinsamen Singen. Die Kirchenmusikerin Esther Wild hat jeweils einfache Lieder vorbereitet, die schnell zweistimmig gesungen werden können oder im Kanon. Anschliessend kochen und essen die Teilnehmenden gemeinsam.

Wenig Zulauf erfahren

Obwohl das Projekt vor über einem Jahr breit bekannt gemacht worden war und für Menschen ohne Arbeit im Raum Wil-Uzwil-Flawil-Gossau und Umgebung gedacht gewesen war, hat es nie grossen Zulauf erfahren. Das Ziel des Chorprojekts war, Menschen einen Schritt aus ihrer Isolation zu ermöglichen, eine Struktur, ein Ziel und einen Fixpunkt zu geben, beim Singen entspannen, gemeinsam etwas erleben und miteinander etwas an die Hand nehmen zu können. «Neues entstehen lassen», war ebenfalls ein erklärtes Ziel gewesen.

Frist bis Ende März

Inzwischen ist ein neuer Name entstanden, mit dem weitere Personen angesprochen werden, doch der grosse Zuspruch bleibt immer noch aus. «Bis Ende März haben wir uns nochmals eine Frist gesetzt», sagt der Initiant und Projektleiter Kari Bürgler, Diakonie-Animator in der Seelsorgeeinheit Uzwil.

Wir brauchen andere Menschen», sagt eine Teilnehmerin am letzten Anlass im alten Jahr. «Ich habe mich überwunden und mache nun die Erfahrung, dass ich etwas kann, was ich mir vorher nicht zugetraut hätte», sagt eine weitere Frau. «Es geht mir schlecht, wenn ich komme, und es geht mir gut, wenn ich gehe», stellt eine dritte lakonisch fest.

Gastfreundschaft

Die Teilnehmenden sind sich einig, dass ihnen die Treffen gut tun, dass sie einen Aufsteller bedeuten und Erholung, obwohl gekocht und der Abwasch gemacht werden muss. Sie seien offen für andere Menschen, die hereinschauen dürften, um sich unverbindlich eine Meinung zu bilden. Es brauche weder Vorkenntnisse noch eine Verpflichtung. Die Atmosphäre ist von Offenheit und Gastfreundschaft geprägt; das wird beim Besuch spürbar. «Es muss weitergehen», fleht eine alleinstehende Frau, die sich an den Treffen aufbaut. Aus dem Alltag ausbrechen, neue Bekanntschaften machen, singen, kochen und miteinander ins Gespräch kommen ist das einfache Rezept des «Singtisches».

Ab 12. Januar findet er wieder jeden zweiten Mittwoch im Pfarreizentrum Niederuzwil statt. Das Treffen dauert von 10 bis 13 Uhr. Für das Mittagessen wird ein kleiner Unkostenbeitrag eingezogen. Die Anmeldung nimmt Kari Bürgler unter der Telefonnummer 079 340 49 54 entgegen. Er erteilt auch Auskunft.

«Gut aufgehoben»

Verena Zimmermann ist auf Arbeitssuche, hat nur noch eine 20-Prozent-Stelle. Sie ist selber im Sozialbereich tätig und seit Anfang an beim Projekt «Singtisch» dabei, das einst «Zwischentöne» hiess. Sie selber singt fürs Leben gerne und ist einerseits deshalb dabei und andererseits findet sie, dass solche Projekte unterstützt werden sollten. «Als Arbeitslose hat man endlos Zeit, und die Zeit selber zu strukturieren ist schwierig. Es ist deshalb gut, einen Termin, ein Ziel zu haben. Wenn Arbeitslose nicht mit diesem Angebot erreicht werden können, womit denn sonst?», stellt sie die Frage, die niemand beantworten kann. Eine weitere Frau, die auf Arbeitssuche ist, findet sich in diesem Rahmen «gut aufgehoben». Einander tragen, sich aufgehoben fühlen, Kontakte schaffen, Schritte aus der Isolation machen ist das, was mit einer Teilnahme möglich ist. «Kommt und schaut herein», wendet sich eine der regelmässigen Teilnehmerinnen an die Menschen, die irgendwo alleine sitzen und Mühe haben, sich selber zu organisieren. (ibe.)

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