Chillen ist nicht grillen

Seitenblick

Urs Bänziger
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Mit Aftershave hat es begonnen. Bei den Jungen ist das duftende Wässerchen nach der Rasur inzwischen tabu. Dafür kennen sie keine Tabus, was die Anwendung von englischen Wörtern und Ausdrücken angeht. Fragen die Grosseltern ihre Enkelkinder, wie sie ihre Ferien verbracht haben, lautet die Antwort oftmals: «Chillen». Nein, liebe Grosseltern: Chillen hat nichts mit Grillen zu tun. Es ist das moderne Wort fürs Nichtstun und das Leben geniessen.

«Sale» ist auch so ein englisches Unwort. Mittlerweile gibt es ja auch «Presale». Zu übersetzen braucht man diese beiden Wörter nicht. Jeder kennt sie, die roten Schilder in den Schaufenstern mit den grossen Prozentzeichen. Aber wer sich trotzdem die Mühe macht, und in der deutschen Sprache den Sinn beziehungsweise den Unsinn dieser Wörter sucht, der stösst an Grenzen: Vorverkauf zu was? Zum Schlussverkauf?

Schuld an diesen überhandnehmenden Anglizismen sind hauptsächlich die Marketing- und Werbestrategen. Für sie scheint die deutsche Sprache ein rotes Tuch zu sein. Einige Beispiele gefällig: Anti-Aging, Cross-Selling, Fake, Give-Aways, Full-Service, Just-in-Time, Kick-Off, Lifestyle, Hotline, Indoor, Human-Resources… Das Alphabet der deutschen Sprache liesse sich problemlos bis zum letzten Buchstaben mit englischen Modewörtern aufzählen.

Inzwischen hinterfragt die Werbung ihre sprachlichen Ausschweifungen. Sie ist sich nicht mehr sicher, ob ihre mit Anglizismen übersäten Botschaften auch tatsächlich beim Zielpublikum ankommen. Die Feuerwehr in Zuzwil glaubt indes immer noch an die Anziehungskraft englischer Wörter: Mit einem Transparent an der Strasse ist sie auf der Suche nach «Firefighters».

Zugegeben: Die englische Bezeichnung liest sich viel spannender als die deutsche. Es ist ein Lockruf nach Abenteuer. Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau tönt weit weniger spektakulär. Dafür entspricht das deutsche Wort mehr der Realität einer Landfeuerwehr. Denn die braucht engagierte, verlässliche Leute und keine Abenteurer.

Urs Bänziger

urs.baenziger@wilerzeitung.ch