Chef lässt die Lernenden Chef sein

Am Freitag erhält Albert Baumann, CEO der Micarna, den Hans-Huber-Preis für die Förderung des Berufsnachwuchses. Der 55-Jährige über die Lernenden-Firma «Mazubi», vernetztes Denken und das Image von Berufen in der Fleischbranche.

Ursula Ammann
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Albert Baumann ist seit bald zehn Jahren CEO der Micarna. Noch heute könne er von seiner Ausbildung zum Metzger profitieren, sagt er. (Bild: Ursula Ammann)

Albert Baumann ist seit bald zehn Jahren CEO der Micarna. Noch heute könne er von seiner Ausbildung zum Metzger profitieren, sagt er. (Bild: Ursula Ammann)

BAZENHEID. Auch er fing einmal als Metzgerlehrling an: Albert Baumann, seit bald zehn Jahren Unternehmensleiter des Fleischverarbeiters Micarna. Den Direktorenposten teilt er sich freiwillig – ja sogar willentlich – mit seinen Lernenden. Diese führen im Rahmen des Projekts «Mazubi» (siehe Kasten) selbständig eine virtuelle Firma innerhalb der Micarna. Die Idee zu diesem Projekt stammt von Albert Baumann. In seiner Ausbildungszeit habe er erlebt, dass man sich lediglich auf das Handwerkliche und das Fachliche konzentriert habe. Das vernetzte Denken über die ganze Wertschöpfungskette hinaus – vom lebendigen Tier bis zur Vermarktung des Fleisches – sei dem Berufsnachwuchs damals aber wenig vermittelt worden. Dieses Denken zu fördern, ist eines der Ziele seiner Lernenden-Firma «Mazubi».

«Mazubi» ist auch der Hauptgrund, weshalb Albert Baumann nun mit dem Hans-Huber-Anerkennungspreis für die Förderung des Berufsnachwuchses ausgezeichnet wird. Am Freitag findet die Verleihung in Heerbrugg statt. Diesen Preis nehme zwar er entgegen, sagt Baumann, dies aber stellvertretend für alle, die in ihrer täglichen Arbeit mit den Lernenden zusammenarbeiten und damit ebenfalls einen Verdienst daran hätten.

Verändertes Berufsbild

Die Micarna hat die Zahl der Lernenden in den vergangenen acht Jahren beinahe vervierfacht – auf 113 Lernende im Jahr 2014. Darunter befinden sich neben angehenden Fleischfachleuten auch Köche, Logistiker und viele mehr. Um so zuzulegen, musste das Unternehmen unter anderem kräftig Werbung machen für das eigene Lehrlingswesen. Besonders die Fleischbranche leidet nach wie vor unter einem Nachwuchsmangel, welchem nicht zuletzt auch Imageprobleme zugrunde liegen. «Bei dieser Branche denken sofort alle an blutverschmierte Schürzen», sagt Baumann. Das Berufsbild habe sich aber völlig verändert. «Das Schlachten wird mittlerweile nur noch von einigen Spezialisten ausgeführt», erklärt der 55-Jährige. Angehende Fleischfachleute – so lautet die neue Berufsbezeichnung für Metzgerinnen und Metzger – können sich auch auf die Zerlegung und Veredelung von Fleisch konzentrieren. Weiter gibt es die Detailhandelsfachleute Branche Fleischwirtschaft, die hauptsächlich für den Verkauf von Fleischprodukten zuständig sind.

Schon zur Lehrzeit von Albert Baumann unterschied man zwischen dem Metzger A, der schlachtet, und dem Metzger B, der das Fleisch zerlegt und weiterverarbeitet. Er habe damals alles lernen wollen, sagt Albert Baumann. Auch das Schlachten. Es gehöre zum Fleischkonsum dazu, wessen sich auch der Konsument bewusst sein müsse.

Individuelle Laufbahnplanung

Zur Förderung des Berufsnachwuchses fasst Albert Baumann nun auch weitere Projekte ins Auge. Dabei geht es vor allem um die individuelle Laufbahnplanung der Lernenden. «Fleischfachleute haben alle Türen offen», sagt Baumann. In seiner Tätigkeit als Unternehmensleiter der Micarna könne er noch heute von seiner Ausbildung zum Metzger profitieren. «Ich würde alles nochmal gleich machen.»

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