Chancen am Laufmeter vergeben: Ineffiziente Uzwiler scheitern im Cup an Freienbach

Der FC Uzwil verliert das Cup-Qualifikationsspiel zweier Teams aus der 2. Liga interregional zu Hause mit 1:2 gegen Freienbach. Nebst der fehlenden Kaltschnäuzigkeit im Abschluss kam auch noch Pech dazu, wurde doch ein Uzwiler Treffer aberkannt, weil der Schiedsrichter den Ball berührt hatte.

Berto Besio
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Uzwil-Verteidiger Michel Lanker (im blau-schwarzen Trikot) gibt im Kopfball-Zweikampf mit einem Freienbacher alles.

Uzwil-Verteidiger Michel Lanker (im blau-schwarzen Trikot) gibt im Kopfball-Zweikampf mit einem Freienbacher alles.

Bilder: Michel Canonica (Henau, 15. August 2020)

Nach einer unterhaltsamen ersten Spielhälfte lagen die Uzwiler im Cupspiel gegen Freienbach mit zwei Toren im Rückstand – nicht zuletzt wegen ungenügender Chancenverwertung. Der sehenswerte Führungstreffer der Gäste entstand nach einem leichtfertigen Ballverlust des Heimteams im Mittelfeld. Verteidiger Alessio Stumpo nutzte den Freiraum geschickt und drosch den Ball in der 20. Minute aus ansehnlicher Distanz ins Lattenkreuz. Torhüter Timon Waldvogel war chancenlos.

In der Spielphase zuvor schien Uzwil dem Führungstreffer eher näher zu sein. Die Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit überstanden die Gäste schliesslich mit etwas Glück und einem hellwachen und aufmerksamen Torhüter. Einen Freistoss von Kristian Nushi hätte Captain Ifraim Alija per Kopf beinahe zum Ausgleich verwertet, doch Freienbach-Goalie Reto Mühlemann wehrte via Latte zum Corner ab.

Der Uzwiler Mittelstürmer Orcun Cengiz ist nach einer weiteren vergebenen Chance fassungslos.

Der Uzwiler Mittelstürmer Orcun Cengiz ist nach einer weiteren vergebenen Chance fassungslos.

Den anschliessenden Eckball erreichte der aufgerückte Verteidiger Michel Lanker ebenfalls mit dem Kopf. Dieses Mal war es Nikolaj Gavric, der in extremis auf der Torlinie klärte. Nur Minuten später vergab der wirblige Orcun Cengiz die wohl beste Möglichkeit. Von Lanker geschickt freigespielt verfehlte der Stürmer freistehend das Tor um Haaresbreite.

Weil Schiedsrichter den Ball berührte: Uzwiler Tor aberkannt

Als Uzwils Anhänger kurz vor der Pause bereits über die zum Teil leichtfertig vergebenen Möglichkeiten zum Ausgleich haderten, kassierte das Heimteam in der Nachspielzeit völlig unerwartet einen weiteren Treffer. Nach einer Kopfballabwehr von Sandro Studer landete der Prellball vor den Füssen von Norbert Frrokaj, der die Gelegenheit eiskalt ausnutzte.

Während den Anfangsminuten der zweiten Hälfte sahen die 340 Zuschauer ein ausgeglichenes Spielgeschehen mit wenig aufregenden Torszenen. Das Signal für eine Uzwiler Druckperiode kam von Yanis Uetz. Der Offensivspieler erreichte ein Steilpass vor dem herauseilenden Gästetorhüter, überlistete diesen geschickt, scheiterte jedoch knapp mit seinem Abschlussversuch.

Der pfeilschnelle Yanis Uetz (am Ball) leitete die Uzwiler Druckperiode in der zweiten Halbzeit ein.
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Orcun Cengiz war einer der auffälligsten Akteure in der Offensive des Heimteams.
Michel Lanker (Nummer 2) wäre kurz vor Schluss beinahe der Ausgleich gelungen.
Uzwil-Mittelfeldspieler Mattia Sbocchi gibt einen Schuss ab.
Uzwils Kristian Nushi versucht eine Schussabgabe eines Freienbachers zu blocken.

Der pfeilschnelle Yanis Uetz (am Ball) leitete die Uzwiler Druckperiode in der zweiten Halbzeit ein.

Michel Canonica

Dario Koller, anschliessend für Uetz ins Spiel gekommen, schoss eine Minute nach seiner Einwechslung nach einem mustergültigen Angriff den vermeintlichen Anschlusstreffer. Nachdem der Schiedsrichter vorerst zur Mitte gezeigt hatte, annullierte er das Tor nachträglich aus regeltechnischen Gründen: Der Referee soll vor Kollers Abschluss unabsichtlich den Ball berührt haben.

Anschlusstreffer per Penalty kommt zu spät

Auch nach dieser ärgerlichen Szene strebten die Uzwiler unverdrossen das 1:2 an, sodass Freienbachs Goalie gefordert war. In der 75. Minute war es erneut ein Schuss von Cengiz, der zum Corner gelenkt wurde. Zwei Minuten vor Spielende gelang Zoltan Farkas nach einem Handselfmeter endlich das 1:2. Nur eine Minute später verpasste der nun stürmende Lanker den Ausgleich ganz knapp.

Unterschiedlicher könnte die Gemütslage nach Schlusspfiff nicht sein: Während die Freienbacher (in Weiss) über den Einzug in die letzte Cup-Qualifikationsrunde jubeln, sprechen die hängenden Köpfe der Uzwiler Bände.

Unterschiedlicher könnte die Gemütslage nach Schlusspfiff nicht sein: Während die Freienbacher (in Weiss) über den Einzug in die letzte Cup-Qualifikationsrunde jubeln, sprechen die hängenden Köpfe der Uzwiler Bände.

Trainer Armando Müller kann seinen Spielern keinen Vorwurf machen. Sie haben mit grossem Willen gekämpft, zahlreiche Chancen herausgespielt, nie aufgegeben und insgesamt eine sehr gute Leistung gezeigt. Die Uzwiler wissen nun, woran sie bis zum Saisonstart vom Samstag arbeiten müssen: an der Effizienz. Der Traum von der Teilnahme an der Hauptrunde des Schweizer Cups 2020/21 ist mit der Niederlage gegen Freienbach jedoch beendet.

Uzwil – Freienbach 1:2 (0:2)
Sportplatz Rüti, Henau – 340 Zuschauer – SR: Imboden.
Tore: 20. Stumpo 0:1. 45. Frrokaj 0:2. 88. Farkas (Handselfmeter) 1:2.
Uzwil: Waldvogel; Hasler (76. Ranisavljevic), Studer (85. Marku), Alija, Lanker; Gülünay, Sbocchi (69. Ebrahim); Uetz (58. Koller), Nushi, Farkas; Cengiz.
Bemerkungen: Uzwil ohne Anderes (nicht im Aufgebot), Asani (Ferien), Knöpfel (rekonvaleszent), Lanzendorfer und Stillhart (beide verletzt).

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Tim Frei