Chance für eine vielfältige Kirche

Bis 30. November können sich die Kirchbürger der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinden Lütisburg und Unteres Toggenburg zum Zusammenschlussvertrag vernehmen lassen. Am Mittwoch wurde informiert.

Cecilia Hess-Lombriser
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Veronika Longatti, externe Beraterin, Fitz Roth, Präsident der Kirchenvorsteherschaft Lütisburg, und Pfarrer Fabian Kuhn (von links). (Bilder: Cecilia Hess-Lombriser)

Veronika Longatti, externe Beraterin, Fitz Roth, Präsident der Kirchenvorsteherschaft Lütisburg, und Pfarrer Fabian Kuhn (von links). (Bilder: Cecilia Hess-Lombriser)

LÜTISBURG. Eine weitere Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde ist auf dem Weg, sich mit einer anderen zusammenzuschliessen. 2013 hatte die Synode beschlossen, dass Kirchgemeinden unter 1000 Mitgliedern künftig keine Gelder aus dem Finanzausgleich mehr beanspruchen können. Lütisburg hatte damals 503 Mitglieder. Jetzt sind es noch 491, wie Fritz Roth informierte. Er ist seit Sommer 2014 Präsident der Kirchenvorsteherschaft Lütisburg. Gemeinsam mit Veronika Longatti, der externen Beraterin und Prozessbegleiterin, und Fabian Kuhn, dem neuen Pfarrer von Lütisburg, informierte er rund ein Dutzend interessierte Gemeindemitglieder.

«Zukunft wird gesichert»

«Beide sind bereit füreinander», signalisierte Fritz Roth die positive Haltung der beiden Kirchenvorsteherschaften, die in diesem Jahr intensiv miteinander gearbeitet haben. Personalressourcen, Aufgabenaufteilung, gegenseitige Vertretung und den Ausbau der bestehenden Zusammenarbeit nannte Veronika Longatti als weitere Gründe, sich zusammenzuschliessen. «Die Zukunft wird gesichert.» Der Zusammenschluss berge viele Chancen. Ein Team habe mehr Talente und Fähigkeiten, es entstünden neue Ideen, eine grössere, breitere und vielfältigere Gemeinschaft und mit der grösseren Infrastruktur könne der passende Ort für Veranstaltungen gefunden werden. Die Identitätsabnahme in einzelnen Gemeindeteilen könne eine Herausforderung sein. «Es gibt eine zweifache Identität», machte sie bewusst. Einzelne örtliche Traditionen könnten verloren gehen und mittelfristig könnte es weniger Gottesdienste vor Ort geben. Insgesamt gebe es mehr Informationsbedarf und das Gebilde könnte schwerfälliger werden. «Es wird nicht gleich sein, wie es schon immer war», fasste sie andererseits die Risiken der erweiterten Kirchgemeinde zusammen. Fritz Roth erläuterte die Botschaft zum Zusammenschlussvertrag, der schriftlich vorliegt.

Abstimmung im März

Der bisherige Name Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Unteres Toggenburg wird bleiben. Lütisburg gehört dann einfach dazu. Es werde wohl noch mehr Freiwillige brauchen, weil die Kirchenvorsteherschaft, die heute vor Ort gewisse Aufgaben übernimmt, für das ganze Gebiet mit insgesamt knapp 1800 Mitgliedern zuständig sein werde. Wie die Gemeindeteile vertreten sein sollen, sei noch auszuhandeln, sagte Roth. Nebst dem Präsidium sollen mindestens sechs gewählte Mitglieder und die gewählten Pfarrpersonen vertreten sein. Pfarrer Fabian Kuhn erläuterte die Arbeit der Seelsorger und die Diakonie-Aufgaben und gab bekannt, welche Gottesdienste bereits ab 2016 gemeinsam gefeiert werden. Er betonte, dass es wichtig sei, die Gottesdienste regelmässig anzubieten, der Aufwand und der Ertrag müssten hingegen stimmen. Er sprach auch von möglichen Experimenten in einem grösseren Gebilde. «Die Vernetzung und regionale Zusammenarbeit wird intensiviert.» Fritz Roth informierte weiter über die Organisation der Kirchgemeinde und die Finanzen. Alle Synodalen werden bis Ende der Amtsdauer bleiben und danach werde es wohl weniger geben. Das Sekretariat in Bütschwil wird auch Arbeiten von Lütisburg übernehmen. Der Steuereinzug bleibe wie bis anhin. «Der Zusammenschluss geschieht nicht aus Spargründen», machte er bewusst. Die Lage der Kantonalkirche sei gut, sie senke sogar den Steuersatz von 30 auf 28 Prozent für Ausgleichsgemeinden. Bis 30. November können sich die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger zum Entwurf des Zusammenschlussvertrages vernehmen lassen. Am 20. März wird über den Vertrag abgestimmt und wenn er angenommen wird, erfolgen im Oktober 2016 die Gründungsversammlung und die Wahl der neuen Mitglieder der Kirchenvorsteherschaft. Ab 2017 würde die erweiterte Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Unteres Toggenburg ihre Arbeit aufnehmen.

Auf Stärken bauen

Wichtig für den gelingenden Weg sei, so Veronika Longatti, dass die Kirchenvorsteherschaften die Verantwortung übernähmen und die Übergänge gut organisierten. Eine gute Information und Diskussionen seien wichtig und die Möglichkeit, dass sich die Kirchbürger einbringen könnten. «Bauen Sie auf Stärken und Erfahrungen», riet sie. Und Fritz Roth seinerseits: «Wir empfehlen Ihnen diesen Weg.»