Cédric Noger hat auf dem WC von seiner Auszeichnung erfahren: «Ich habe auf dem Handy Nachrichten gelesen»

Cédric Noger ist an der 13. Nacht des Wiler Sports zum Sportler des Jahres 2019 gewählt worden. Die weiteren Ehrungen gingen an Lilli Habisreutinger, das Team Sofia Jokl und Thomas Schönenberger und den Judo-Weltkampfrichter René Brühwiler.

Tim Frei
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Cédric Noger bestritt am Samstag den Weltcup-Riesenslalom in Adelboden. Deshalb konnte der 27-Jährige den Preis tags zuvor im Stadtsaal Wil nicht selber entgegennehmen.

Cédric Noger bestritt am Samstag den Weltcup-Riesenslalom in Adelboden. Deshalb konnte der 27-Jährige den Preis tags zuvor im Stadtsaal Wil nicht selber entgegennehmen.

Anthony Anex, Keystone

Die drei Nominierten für den Preis Wiler Sportler des Jahres 2019 mussten sich lange gedulden. Erst um 22.40 Uhr herrschte im Stadtsaal Klarheit: Der Skirennfahrer Cédric Noger wurde mit 37 Prozent aller Stimmen gewählt. Daniel Bösch, der Zuzwiler Schwinger und gebürtige Kirchberger, erzielte als Zweiter einen Wert von 35 Prozent, die Rollstuhlsportlerin Sandra Graf als Dritte schaffte es auf 28 Prozent.

Noger hat sich den Preis mit einer starken ersten Weltcupsaison im vergangenen Winter verdient. Der Riesenslalomspezialist vom Skiclub Speer Ebnat-Kappel hat sich als erster Wiler für alpine Weltcuprennen qualifiziert. Der vierte Platz in Kranjska Gora, die Teilnahme am Weltcupfinal und der Schweizer Meistertitel waren die Krönung einer überzeugenden Saison.

Noger ist via Skype live zugeschaltet

Das Spezielle an Nogers Auszeichnung: Der Skirennfahrer war am Freitag nicht in Wil gewesen, sondern in Adelboden, wo er tags darauf den Weltcup-Riesenslalom bestritt. Trotzdem konnte das Publikum den 27-Jährigen am Freitag live sehen und hören. Noger war bei seiner Vorstellung via Skype zugeschaltet.

Seine Ehrung gut zwei Stunden später erlebte er nicht mehr live. Grund: Er war bereits am Schlafen, um ideal für das Rennen vorbereitet zu sein. Entgegengenommen wurde der Preis von seinem Vater Luc Kauf, dem Wiler Stadtparlamentarier. Kenntnis von seiner Auszeichnung hatte Noger aber nicht erst am Tag danach sondern bereits in der Nacht. Weil er schlecht schlief, ging er schnell einmal aufs WC. «Dort habe ich auf dem Handy die Nachrichten gelesen und von meinem Glück erfahren», sagt Noger

Cédric Noger krönte die vergangene Saison mit dem vierten Platz beim Riesenslalom in Kranjska Gora, der Teilnahme am Weltcupfinal und dem Schweizer Meistertitel.

Cédric Noger krönte die vergangene Saison mit dem vierten Platz beim Riesenslalom in Kranjska Gora, der Teilnahme am Weltcupfinal und dem Schweizer Meistertitel.

Ralph Ribi

Der Skirennfahrer ist der erste Wintersportler, der an der Nacht des Wiler Sports zum Sportler des Jahres gewählt wurde. «Der Preis ist eine grosse Ehre. Es freut mich, dass meine Leistungen und der Wille, nie aufzugeben, gewürdigt werden», sagt Noger.

Ehrung für die zwei Ju-Jitsuka Thomas Schönenberger und Sofia Jokl war überfällig

Team des Jahres ist das Kampfsportlerduo Sofia Jokl/Thomas Schönenberger. Die beiden Ju-Jitsuka gewannen noch knapper als Noger – mit nur einem Prozentpunkt mehr als das Curlingteam des Rollstuhlclubs St.Gallen-Wil auf Rang zwei. Dahinter folgte auf Rang drei das Frauenteam des FC Wil Breitensport, das vier Prozentpunkte weniger als das Siegerduo erzielte.

Der Triumph der Zürcherin Jokl und des Wilers Schönenberger war überfällig. Ihr Palmarès spricht für sich: sechs WM- und fünf EM-Medaillen, darunter dreimal Gold, zweimal an einer WM, einmal an einer EM. Im vergangenen Jahr je einmal Bronze an Welt- und Europameisterschaften. Schönenberger sagt:

«Da ich mein ganzes Leben in Wil wohne, ist es für mich eine grosse Ehre, hier oben zu stehen und mit Sofia geehrt zu werden.»
Standen an der 13. Nacht des Wiler Sports im Mittelpunkt (von links): Nachwuchssportlerin Lilli Habisreutinger, Luc Kauf, Vater des Wiler Sportler des vergangenen Jahres Cédric Noger, und das Team des Jahres, das Kampfsportler-Duo Sofia Jokl/ Thomas Schönenberger.
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Der Judo-Weltkampfrichter René Brühwiler vom Budsportclub Arashi Yama Wil wurde zum Wiler Sportförderer 2019 ausgezeichnet.
Die beiden Ju-Jitsuka Thomas Schönenberger und Sofia Jokl sind das Team des Jahres 2019.
Die Kunstturnerin Lilli Habisreutinger ist Wiler Nachwuchsportlerin des vergangenen Jahres.

Standen an der 13. Nacht des Wiler Sports im Mittelpunkt (von links): Nachwuchssportlerin Lilli Habisreutinger, Luc Kauf, Vater des Wiler Sportler des vergangenen Jahres Cédric Noger, und das Team des Jahres, das Kampfsportler-Duo Sofia Jokl/ Thomas Schönenberger.

Urs Bucher

Beendet das Erfolgsduo seine Karriere?

Doch schon bald könnte die erfolgreiche Karriere des Duos enden. Vielleicht bereits in ein paar Wochen, denn die fünffachen Schweizer Meister machen sich Gedanken über einen Rücktritt. Ein Entscheid ist noch nicht gefallen. Nächste Woche steht ein Gespräch mit dem Nationaltrainer an. Schönenberger sagt:

«Wir haben fast alles erreicht. Und auch wenn man es uns nicht ansieht: Wir sind nicht mehr die Jüngsten.»

2021 finden in Birmingham die World Games statt, sie sind so etwas wie die Olympischen Spiele für die nicht-olympische Sportarten. Wäre eine mögliche Qualifikation nicht ein Argument für eine Fortsetzung der Karriere? Jokl sagt dazu: «Es wäre schon schön, unsere Laufbahn mit einer weiteren Teilnahme nach 2017 zu beenden.»

Kunstturnerin Lilli Habisreutinger ist ein Versprechen für die Zukunft

Die 15-jährige Lilli Habisreutinger wurde als Nachwuchssportlerin des Jahres 2019 ausgezeichnet. Mit 41 Prozent aller Stimmen setzte sich die Kunstturnerin relativ deutlich durch. Nina Hubmann von der OL Regio Wil wurde Zweite mit einem Wert von 34 Prozent, das U14-Kidscupteam der KTV Wil Leichtathletik erreichte 25 Prozent. Habisreutinger sagt:

«Der Preis ist eine Bestätigung für die tägliche Trainingsarbeit und eine Anerkennung für meine Leistungen.»

Habisreutinger wurde im Sommer 2019 Schweizer Juniorinnen-Meisterin im Mehrkampf. Sie ist die erste Kunstturnerin aus dem Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz in Wil, die es ins Nationalkader nach Magglingen geschafft hat. Es scheint also, dass man sich auch nach der Zeit von Giulia Steingruber keine Sorgen um die Ostschweizer Zukunft machen muss.

René Brühwiler ist Sportförderer 2019

Wie an der 12. Nacht des Wiler Sport vor einem Jahr wurde auch dieses Mal ein Sportförderer ausgezeichnet: der Judo-Weltkampfrichter René Brühwiler aus Rossrüti.

Heute gibt das Ehrenmitglied des Budosportclubs Arashi Yama Wil sein Wissen dem Nachwuchs weiter. Brühwiler lebt fürs Judo und er hat noch einen grossen Traum: Von der japanischen Kampfsportart leben zu können.

Cédric Noger ist Wiler Sportler des Jahres 2019

Der 27-jährige Skirennfahrer Cédric Noger hat sich an der 13. Nacht des Wiler Sports gegen den Schwinger Daniel Bösch und die Rollstuhlsportlerin Sandra Graf durchgesetzt. Die weiteren Ehrungen gingen an die Kunstturnerin Lilli Habisreutinger, das Kampfsportlerduo Sofia Jokl/Thomas Schönenberger und den Judo-Weltkampfrichter René Brühwiler.
Tim Frei