Caroline Bartholet blickt auf die ersten Wochen als Gemeindepräsidentin von Niederbüren zurück: «Ich mache viele Überstunden»

Seit bald drei Monaten amtet Caroline Bartholet als Gemeindepräsidentin von Niederbüren.

Interview: Tobias Söldi
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Nach einem turbulenten Wahlkampf ist die FDP-Politikerin Caroline Bartholet am 19. Mai zur Gemeindepräsident von Niederbüren gewählt worden.

Nach einem turbulenten Wahlkampf ist die FDP-Politikerin Caroline Bartholet am 19. Mai zur Gemeindepräsident von Niederbüren gewählt worden.

Bild: Tobias Söldi

Caroline Bartholet, vor Ihrer Wahl sagten Sie über das Gemeindepräsidium von Niederbüren: «Das ist genau meine Stelle.» Gilt das noch?

Ja. Die Aufgabe ist sehr spannend, die Themen sind vielseitig und ich komme mit vielen Leuten in Kontakt. Es fühlt sich gar nicht an wie Arbeit. Zurzeit ist es wirklich mein Traumjob.

Die Ausgangslage bei Ihrem Amtsantritt aber war nicht optimal. Der Wahlkampf war unruhig, Sie wurden knapp gewählt. Hatten Sie in den ersten Monaten mit Gegenwind zu kämpfen?

Nein. Ich bin herzlich aufgenommen worden. Der Wahlkampf ist längst vorbei, und ich schaue positiv in die Zukunft.

Hatten Sie ein mulmiges Gefühl vor Amtsantritt?

Ein mulmiges Gefühl hatte ich vielmehr wegen der Aufgabe, die auf mich zukam. Schliesslich kam ich an einen neuen Ort in ein neues Team.

Womit haben Sie sich bis jetzt beschäftigt?

Ein riesiges Thema ist die Ortsplanung. Kurz vor meinem Amtsantritt sind die Unterlagen aus der Vorprüfung durch das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation zurückgekommen. Die Ortsplanung wird auch 2020 etwas vom Wichtigsten sein. Der Gemeinderat lädt die Bevölkerung dazu am 23. Januar zu einem Infoanlass ein, um herauszufinden, wie Niederbüren in Zukunft aussehen soll.

Sind Sie schon überall sattelfest?

Ich bin mich immer noch am Einarbeiten. Es gibt viele alltägliche Geschäfte, in die ich mich einlesen muss. Ich mache zurzeit viele Überstunden.

Und zusätzlich sitzen Sie im Kantonsrat. Wird es Ihnen nie zuviel?

Nein. Im Gegenteil: Ich profitiere als Gemeindepräsidentin sehr von der Arbeit als Kantonsrätin.

Inwiefern?

Ein Beispiel ist das neue Gesetz über die Hundesteuer – mein erstes Gesetz, seit ich im Kantonsrat bin. Am Ende muss es auf Gemeindeebene umgesetzt werden. Als Gemeindepräsidentin wusste ich also bereits, um was es geht. Genauso ist es beim Thema Ortsplanung, wo ich im Kantonsrat Mitglied der vorberatenden Kommission über den Nachtrag zum Planungs- und Baugesetz bin.

Nach drei Monaten im Amt: Welches sind die grössten Baustellen in Niederbüren?

Neben der Ortsplanung sicher die Digitalisierung. Nicht alle Aussenhöfe haben eine stabile Internetverbindung. Auch die Website wollen wir auffrischen. Sie genügt den heutigen Anforderungen nicht mehr.

Welches ist der Stand in Sachen Netzabdeckung?

Wir haben Gespräche mit zwei Anbietern geführt, die im Januar weitergehen. Ich musste aber feststellen, dass es einfach nicht so schnell geht. Ausserdem sind damit grosse Kosten für die Gemeinde verbunden.

Und bei der Website?

Die ist Teil des Budgets 2020. Im April wollen wir starten.

Als Oberuzwilerin sind Sie neu im Dorf. Wie haben Sie Niederbüren und seine Bewohner erlebt?

Ich bin offen empfangen worden und fühle mich hier wohl. Aber natürlich braucht es Zeit. Zu sagen, ich sei hier schon total integriert, wäre vermessen. Was ich bereits festgestellt habe, ist, dass die Niederbürer wirklich stolz sind auf ihre Gemeinde.

Sind die beiden Gemeinden Niederbüren und Oberuzwil vergleichbar?

Niederbüren ist ländlicher, die Verwaltung kleiner. Mir ist auch aufgefallen, dass hier das «Du» gilt, in Oberuzwil hingegen das «Sie» geläufiger ist.

Noch wohnen Sie in Oberuzwil. Wann ziehen Sie um?

Bis am 31. Dezember 2020 werde ich in Oberuzwil bleiben, was vom kantonalen Amt für Gemeinden so bewilligt worden ist. Danach werde ich nach Niederbüren ziehen.

Was unterscheidet die Arbeit als Gemeindepräsidentin von jener als Gemeinderätin?

Ich bin viel tiefer in den Geschäften drin. Gleichzeitig ist die Arbeit noch vielseitiger, weil ich übergreifend und nicht bloss in einem Ressort tätig bin. Dafür trage ich aber auch mehr Verantwortung und muss gegen Aussen hinstehen. Das bedeutet auch, unangenehme Gespräche zu führen. Ich merke aber, dass ich aus Oberuzwil einen gut gefüllten Rucksack mitbringe.

Eine Ihrer Ideen war ein offenes Gemeindehaus mit Gesprächsstunden. Haben Sie dies umgesetzt?

Die Leute können jederzeit vorbeikommen, um über ihre Anliegen zu sprechen. Wenn jemand da ist, ist das Gemeindehaus offen. Im Herbst 2020 wird es zudem einen Workshop mit der Bevölkerung geben, um die Legislaturziele zu erarbeiten. Solche Mitwirkungsanlässe sind extrem gefragt.

Wie soll sich Niederbüren entwickeln?

Was meiner Meinung nach auf jeden Fall verstärkt werden muss, ist die regionale Zusammenarbeit. Wir sind zum Beispiel neben Uznach als einzige Gemeinde im Kanton nicht Mitglied eines regionalen Führungsstabes. Niederbüren ist zudem Mitglied bei Agglo St.Gallen, nicht aber bei Regio Wil. Dabei geht es auch um strategische Entscheide, wohin sich die Gemeinde ausrichtet: Richtung Wil oder eher Richtung Gossau/St.Gallen.