Caritas noch unter eigenen Erwartungen

Für jene Menschen, die unter dem Existenzminimum oder nur knapp darüber leben, öffnete in Wil die schweizweit 24. Lebensmittelfiliale der Caritas. Derzeit besuchen diese rund 45 Personen täglich. Berechtigt dazu wären aber weit mehr.

Silvan Meile
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Der Wiler Caritas-Markt hat täglich geöffnet. (Archivbild: sme.)

Der Wiler Caritas-Markt hat täglich geöffnet. (Archivbild: sme.)

Seit der Eröffnung des Wiler Caritas-Markts steige zwar die Zahl der Ladenbesucher stetig an, sagt Filialleiterin Rita Borner. Das Ziel von durchschnittlich 60 Einkaufenden habe man im Lebensmittelgeschäft für Bedürftige aber noch nicht erreicht. Waren es nach der Eröffnung Ende April rund 30 Personen, so sind es nun ein halbes Jahr später immerhin bereits rund 45 Einkaufende pro Tag. Zwischen 80 bis 100 Kunden täglich sind aber nötig, damit der Markt wirtschaftlich selbsttragend funktioniert. Für Rita Bolt, Kommunikationsbeauftragte von Caritas St. Gallen/Appenzell, noch kein Grund zur Beunruhigung. «Die Filiale in Wil ist noch immer in der Aufbauphase», sagt sie. Bis Ende 2013 will man das Ziel von 60 Personen pro Tag aber erreicht haben.

1500 Menschen in Wil betroffen

Berechtigte Caritas-Kunden gibt es genug. Gemäss Suzanne Naef, Leiterin der Sozialen Dienste der Stadt Wil, sind rund acht Prozent beziehungsweise knapp 1500 Personen in Wil von Armut oder Working Poor (Erwerbsarmut) betroffen. Sie haben somit Anrecht auf einen Caritas-Ausweis, der sie zum Einkaufen im Caritas-Markt berechtigt. Die Anzahl potenzieller Kunden ist aber noch viel grösser. Denn sie kommen aus allen Gemeinden der Region. Weshalb trotz der grossen Anzahl berechtigter Personen vergleichsweise eher wenige den Weg zum Markt finden, führte Filialleiterin Borner darauf zurück, dass sie ihn nicht kennen. Denn der Standort an der Bronschhoferstrasse 16b ist versteckt und derzeit aufgrund der Baustelle beim «Freihof» erschwert zugänglich. Ausserdem sei wohl für viele Menschen die Hemmschwelle zu gross.

Neue Kunden aus dem Thurgau

Einen leichten Anstieg an Kunden verzeichne die Wiler Filiale seit der Schliessung des Caritas-Marktes in Weinfelden, dem einzigen im Kanton Thurgau. Einige der ehemaligen Kunden von dort kommen nun nach Wil. «Wichtig ist für uns lediglich, dass unsere Kunden einen gültigen Caritas-Ausweis vorweisen», sagt Borner. Schliesslich soll im Caritas-Markt nur einkaufen, wer wirklich bedürftig ist, wo man herkommt, ist egal. Das ist nicht zuletzt auch im Sinne der Grossverteiler, die als Lieferanten-Partner eine soziale Verantwortung wahrnehmen und die Caritas-Märkte regelmässig mit kostenloser Ware oder unter Verrechnung eines symbolischen Preises beliefern. Sie sollen nicht konkurrenziert werden. Vielmehr konkurrenziert der Wiler Caritas-Markt sich selber. Denn im Eingangsbereich des Filiale steht neu eine Hinweistafel, die auf besonders günstige Aktionen sämtlicher grossen Detaillisten hinweist. «Wir wollen einfach das Beste für unsere Kunden», sagt Rita Borner.

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