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Cäcilia Koller wünscht sich eine offenere Kirche - und pilgerte dafür 1200 Kilometer zum Papst nach Rom

Cäcilia Koller ist als Teil einer achtköpfigen Gruppe von St. Gallen nach Rom gepilgert, um für die Rechte der Frauen in die Kirche einzutreten. Heute wird in Wil zum ersten Mal ein Dokumentarfilm über die Reise gezeigt.
Gianni Amstutz
Cäcilia Koller (rechts) auf ihrem Weg zum Papst, wo sie und ihre Gruppe für die Rechte der Frauen in der Kirche eintreten wollten. (Bild: PD)

Cäcilia Koller (rechts) auf ihrem Weg zum Papst, wo sie und ihre Gruppe für die Rechte der Frauen in der Kirche eintreten wollten. (Bild: PD)

«In der Bibel heisst es, dass Gott alle Menschen nach seinem Abbild geschaffen hat und dass der Geist Gottes in uns allen wohnt. Da macht es für mich keinen Sinn, Frauen und Männer unterschiedlich zu behandeln.» Cäcilia Kollers Meinung in Bezug auf Frauenrechte ist deutlich. Die Wiler Katechetin hofft auf einen Wandel in der katholischen Kirche, wie er in den vergangenen Jahrzehnten in der Gesellschaft und auf politischer Ebene bereits stattgefunden hat.

Papst hat keine Zeit, die Pilger zu empfangen

Das hat sie dazu motiviert, während zweier Monate im Jahr 2016 mit einer Gruppe von sieben Frauen und einem Mann nach Rom zu pilgern, um sich beim Papst für die Frauenrechte stark zu machen. Denn das Pilgern zum Papst, um sich für ein Anliegen stark zu machen, hat in der katholischen Kirche eine lange Tradition. So pilgerten beispielsweise Franz von Assisi oder Katharina von Siena zum Papst und setzten sich für Reformen in der Kirche ein. Wie bei ihren Vorgängern blieben auch bei der Gruppe von Cäcilia Koller die kritischen Stimmen nicht aus.

Zu einem Treffen mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche kam es schliesslich nicht. «Unsere Briefe, die wir ihm geschrieben haben, kamen gar nie bis zu ihm», sagt Cäcilia Koller. Stattdessen habe man wenige Tage vor dem Eintreffen in Rom einen standardisiertes Schreiben erhalten, in dem es hiess, dass der Papst leider keine Zeit habe.

Der anfänglichen Enttäuschung wich aber schnell die Freude darüber, die 1200 Kilometer von St. Gallen bis nach Rom geschafft zu haben – und das allen Unwegsamkeiten zum Trotz. Gerade das kalt-nasse Wetter habe anfangs an den Kräften gezehrt. Auch Blasen an den Füssen hätten das Pilgern gen Rom erschwert. Doch Aufgeben war für Cäcilia Koller und die anderen Pilger nie eine Option.

In Rom angekommen, feierte die Gruppe einen Gottesdienst mit 500 Unterstützern. Auch die Bischöfe Markus Büchel aus St. Gallen und Felix Gmür aus Basel nahmen an der Messe teil. Diese Unterstützung des Bistums sei für die Gruppe ein schönes Zeichen gewesen, sagt Cäcilia Koller.

Doch was bleibt nach der Reise, ausser schöne Erlebnisse und Begegnungen, an die sich Cäcilia Koller gerne zurückerinnert und nette Gesten seitens einiger Kirchenvertreter? Konkrete Veränderungen in der Frauenfrage konnte die Gruppe keine bewirken. Nichtsdestotrotz hat Cäcilia Koller ihre Teilnahme an der Pilgerreise nie bereut. Sie hofft jedoch, dass sich die katholische Kirche weiterentwickelt. Dabei geht es ihr nicht nur um die Frauenrechte. Auch den Umgang mit Homosexuellen oder Geschiedenen sowie das Pflichtzölibat empfindet sie als herzlos. «Gott ist bestimmt gütiger und barmherziger als wir Menschen ihn uns vorstellen», sagt sie. Diese Traditionen stammten aus einer patriarchalischen Gesellschaft und gründeten nicht auf dem Evangelium. Dazu zählt sie auch die Priesterweihe, welche den Männern vorbehalten ist. «Im Lukasevangelium heisst es, für Gott ist nichts unmöglich. Wer das wirklich glaubt, sollte Gott auch die Möglichkeit nicht nehmen, dass er eine Frau zur Priesterin berufen könnte.»

Was nach der Pilgerreise ebenfalls bleibt, ist ein zweistündiger Dokumentarfilm. Studenten der Zürcher Hochschule der Künste begleiteten die Frauen während fünf Tagen auf ihrem Weg nach Rom. Heute Abend um 19.30 Uhr wird der Film im Cinewil erstmals in Cäcilia Kollers Heimatstadt gezeigt, mit der Möglichkeit zum Fragen. Zudem wird ein Buch über die Pilgerreise erhältlich sein.

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