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Burgherr gesucht: "Lütisburg"
steht zum Verkauf

Die «Lütisburg» sucht einen neuen Burgherrn. Walter Aerne, der die lange Jahre als Schulhaus genutzte, marode Liegenschaft im Jahr 2010 erworben und anschliessend renoviert hatte, will sich von seinem historischen Bijou trennen.
Andrea Häusler
Die Liegenschaft auf dem Geländesporn über der Thur ist teil der ehemaligen Burganlage der Grafen von Toggenburg. (Bilder: Licht-Immobilien/Claudio Casagrande)

Die Liegenschaft auf dem Geländesporn über der Thur ist teil der ehemaligen Burganlage der Grafen von Toggenburg. (Bilder: Licht-Immobilien/Claudio Casagrande)

Acht Jahre nach dem Verkauf aus dem Besitz der katholischen Kirchgemeinde und vier Jahre nach Abschluss der aufwendigen Renovation des historischen Bauwerks durch den neuen Besitzer Walter Aerne steht die «Lütisburg» erneut zum Verkauf. Die herrschaftliche Liegenschaft hoch über der Thur war in den vergangenen Monaten auf mehreren Immobilienportalen ausgeschrieben. Als «Mehrfamilienhaus» oder «Villa», jedenfalls als «Haus das sehr viele Wünsche erfüllt». Im Speziellen hervorgehoben wird die Lage, der ritterliche Kaminraum im Gewölbekeller und die architektonische Symbiose zwischen traditionellem Erscheinungsbild und modernem Interieur. 8940 Quadratmeter umfasst das Grundstück, davon sind 5817 Quadratmeter Wald.

Ein Liebhaberobjekt

2,95 Millionen Franken soll das Gebäude mit den drei 150 bis 190 Quadratmeter grossen, über einen modernen Glaslift erschlossenen Wohnungen kosten. «Eine realistische Preisvorstellung», sagt Roland P. Lichtensteiger, Inhaber der «Licht Immobilien» in Schönenberg, welche mit dem Verkauf der Liegenschaft betraut ist. Dennoch sind ernsthafte Interessenten eher rar. Daraus macht Lichtensteiger keinen Hehl. Für einen potenziellen Käufer müssten verschiedene Faktoren stimmen, der Preis sei nur einer, macht er klar. Allerdings sei eine «Burg» ohnehin mehr ein Liebhaber- denn ein Renditeobjekt.

Kirche will verzichten, Gemeinde abwarten

Zumindest was die Servitute anbelangt, die auf der «Lütisburg» lasten, scheint man aus Sicht der Verkäuferschaft auf halbwegs gutem Weg zu sein. Der Verwaltungsrat der Katholischen Kirchgemeinde Lütisburg, welche sich 2010 zum Preis von 155000 Franken von dem damals maroden Gebäude getrennt hatte, hat vorderhand intern entschieden, das grundbuchamtlich verbriefte Vorkaufsrecht nicht auszuüben. Dies sagte Verwaltungsratspräsident Walter Steiger auf Anfrage.

Anders die Politische Gemeinde Lütisburg. Der Gemeinderat hat in diesen Tagen beschlossen, das Vorkaufsrecht so lange nicht löschen zu lassen, bis die «Lütisburg» verkauft ist. Nicht deshalb, weil die öffentliche Hand ein Kaufinteresse hätte. Angesichts der Investitionen, die im schulischen Bereich - speziell mit dem geplanten Turnhallenneubau - anstehen, wäre der Erwerb aus finanziellen Gründen mehr als fragwürdig, macht Gemeindepräsidentin Imelda Stadler klar. Jedoch wolle die Gemeinde ihren Einfluss auf die künftige Verwendung des fest mit der Geschichte Lütisburgs verbundenen Gebäudes nicht aufgeben. Umso mehr nicht, als die Renovation - nebst der finanziellen Unterstützung der Denkmalpflege - auch mit einem Beitrag der Gemeinde mitfinanziert worden war. «Das Vorkaufsrecht ermöglicht es uns, solange den Finger drauf zu halten, bis die Käuferschaft bekannt ist», sagt Imelda Stadler.

Verkauf im Stockwerkeigentum

Für die Verkäuferschaft wäre es naheliegenderweise einfacher gewesen, wenn sich die Körperschaften jetzt darauf verständigt hätten, das Vorkaufsrecht nicht auszuüben und den Grundbucheintrag löschen zu lassen. Denn inzwischen ist nicht mehr die Veräusserung des Burggebäudes als Ganzes prioritäres Anliegen. Alternativ ist ein Verkauf der Wohnungen im Stockwerkeigentum vorgesehen. Und der Gewölbekeller? Imelda Stadler könnte sich vorstellen, dessen Erwerb durch die Gemeinde mindestens zu prüfen.

Über die Gründe für den Verkauf kann nur spekuliert werden. Burg-Eigentümer Walter Aerne war während der vergangenen Tage auf keiner der eingetragenen Telefon- und Handynummern erreichbar. Fakt ist, dass der gelernte Zimmermann die Renovierung mit viel Herzblut und persönlichem Arbeitseinsatz angegangen, die Herkulesaufgabe jedoch ihren Tribut gefordert hatte: Erst kamen die Probleme im persönlichen Umfeld, dann folgte der Burnout. Dem Vernehmen nach soll der beschränkte Nutzungs- und Entwicklungsspielraum, den die unter Heimatschutz stehende Liegenschaft zulässt, den Verkaufsentscheid mitbeeinflusst haben. Der Verkaufspreis entspricht übrigens in etwa jener Summe, welche Aerne in das Objekt investiert hatte.

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