Burgaus berühmter Feriengast

FLAWIL. Jörg Schneider ist kürzlich im Alter von 80 Jahren an seiner schweren Krebserkrankung gestorben. Der Volksschauspieler ist bekannt bis in die Kinderzimmer – als Kasperli. Bekannt war er auch im Weiler Burgau – als Feriengast.

Zita Meienhofer
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Jörg Schneider stand den jungen Burgauern Angela Häfele, Lucien Pfründer und Timo Isenegger (von links) für das Interview Red und Antwort. (Bild: Ruth Gurtner)

Jörg Schneider stand den jungen Burgauern Angela Häfele, Lucien Pfründer und Timo Isenegger (von links) für das Interview Red und Antwort. (Bild: Ruth Gurtner)

FLAWIL. Auf eine einsame Insel würde er ein iPad, ein langes Verlängerungskabel übers Meer und ein Zelt mitnehmen. Nie tun würde er Bungee Jumping, sparsam ist er nicht, eitel auch nicht und furchtsam auch nicht, dafür jedoch mässig tapfer und hilfsbereit. Unordnung ärgert ihn. Er mag Ordnung im Beruf, bei den Requisiten und auch zu Hause. Das waren einige Antworten des am vergangenen Wochenende verstorbenen Schauspielers Jörg Schneider. Befragt wurde er von den verantwortlichen Redaktoren des «Burgauer Chäsblättli», Angela Häfele, Timo Isenegger, Lucien Pfründer und Ruth Gurtner. Die Ostschweizer trafen Jörg Schneider mit seinen zwei Hunden im vergangenen Jahr im Café Mandarin beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich.

Für Interview sofort eingewilligt

Warum nur wollten sich die Burgauer mit Jörg Schneider unterhalten? Nicht einfach deshalb, weil sie fasziniert von der Person hinter dem Kasperli waren. Sie wollten den Schauspieler, Autor und Übersetzer in ihrem Blatt haben, weil er sich in den Sechziger- und Siebzigerjahren während mehr als zehn Jahren regelmässig im Weiler Burgau aufhielt. Er hatte dort, in einem Bauernhaus im Aastock, einen Hausteil als Ferienwohnung gemietet. «Wir haben ihn für dieses Gespräch angefragt», erklärt Ruth Gurtner, «er hat sofort eingewilligt, obwohl er eigentlich für Interviews dieser Art nicht mehr zur Verfügung stand.» Die Burgau schien Jörg Schneider fasziniert zu haben.

Auf die Burgau stiess der Schauspieler durch ein Inserat, in dem er eine Ferienwohnung in einem Bauernhaus suchte. Paul Brunner, dem das Haus im Aastock gehört, der damals aber Käser in Niederwil war, las dies und nahm mit dem Inserenten Kontakt auf. Dass es Jörg Schneider, der Schauspieler war, merkte er erst später.

In bester Erinnerung

Während Schneiders Zeit in der Burgau, wo er, seine Frau Romy und sein Sohn Urs sich oft aufhielten, pflegte er einen regen Kontakt mit Paul Brunner, besuchte ihn auch regelmässig in der Käserei in Niederwil, bevor er nach Zürich zurückfuhr. «Unser Verhältnis war sehr gut», sagt Paul Brunner. Schneider sei einer der ersten gewesen, die ihm damals, als seine Frau gestorben sei, brieflich kondoliert habe. Der Kontakt flachte jedoch in den vergangenen Jahren ab.

Die Aufenthalte von Jörg Schneider im Weiler Burgau sind älteren Einwohnern in bester Erinnerung. So sass der Schauspieler abends gerne im Restaurant Toggenburg – oft wurde er von seinen Schauspielkollegen Paul Bühlmann, Inigo Gallo oder Ines Torelli begleitet. Das Zimmer im obersten Stock im Aastock sei das «Bühli»-Zimmer gewesen, erinnert sich Paul Brunner. Es war stets für Paul Bühlmann reserviert. Wenn Schneider in der Burgau weilte, sei es immer sehr lustig zu und her gegangen. Während des Tages wurden die Schauspieler beobachtet, wie sie über die Wiesen liefen und ihre Rollen einstudierten.

Er liebte den Humor

Humor liebte Schneider über alles und war überzeugt, dass jeder Mensch Humor haben und auch über sich selber lachen können sollte. Grossen Wert – beruflich wie privat – legte er auf eine friedliche, harmonische Stimmung. Er liebte seine Arbeit und war glücklich, dass sein Hobby auch sein Beruf war. Vom Weiler Burgau ist ihm das schöne Bauernhaus in Erinnerung geblieben, aber auch das Rathaus. Die Aufenthalte in der Burgau schien er genossen zu haben, freute sich über die nette Nachbarschaft sowie über die freundlichen Kontakte. Das liess er im Interview verlauten.

Und, da ist nochmals etwas, was Jörg Schneider am Weiler in der Ostschweiz so sehr mochte. Den Tilsiterkäse aus der Käserei Isenegger. Einen «Burgauerkäse» nahm der Schauspieler nach jedem Aufenthalt mit nach Zürich. Schneider weilte nicht nur mit seinen Kollegen in der Gemeinde Flawil, sondern auch mit seiner Frau Romy, mit der er 52 Jahre verheiratet war, und mit seinem Sohn Urs, der 2010 im Alter von 46 Jahren starb. Romy Schneider verbrachte oft, wenn ihr Mann auf Tournée war, die Zeit in der Ostschweiz. Sie liebte die Malerei und verzierte die Läden von Paul Brunners Pergola mit Bauernmalerei.

Und da war eben dann auch der Kasperli. Jene Figur, die Schneider bekannt und berühmt machte, die jedoch oft vergessen liess, welch brillanter Schauspieler, Autor und Übersetzer er war.