BUNDESFEIERN
Viele Festrednerinnen in der Region Wil – kantonale SP-Präsidentin erntet Jubel in Zuzwil

Bei den Bundesfeiern in Niederglatt, Bazenheid und Zuzwil hielten Frauen die Festansprache – und kamen auf das Jubiläum 50 Jahre Frauenstimmrecht zu sprechen.

Simon Dudle, Larissa Flammer
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Andrea Scheck, die Präsidentin der SP St.Gallen, im Zuzwiler Pfarreiheim.

Andrea Scheck, die Präsidentin der SP St.Gallen, im Zuzwiler Pfarreiheim.

Bild: Larissa Flammer

Es sind überdurchschnittlich viele Frauen, die landauf landab an den diesjährigen 1.-August-Feiern in den Festzelten am Rednerpult stehen. Hintergrund ist das Frauenstimmrecht, das vor genau 50 Jahren auf nationaler Ebene verankert worden ist.

Als SP-Präsidentin an eine Bundesfeier eingeladen zu werden, sei ungewohnt, sagte Andrea Scheck am Sonntagmittag in Zuzwil. Doch als Organisator Rolf Tihanyi ihr gesagt habe, das Thema sei das Frauenstimmrecht, habe sie sofort zugesagt.

Es seien ja die Werte Gerechtigkeit, Gleichheit und Solidarität, die das Schweizer Volk am 1. August feiere. Mit dieser Aussage erntete Scheck spontanen Zwischenapplaus und zustimmende Rufe. Mehrere Personen von ausserhalb der Gemeinde waren wegen der Festrednerin an die Zuzwiler Feier gekommen. Scheck ist zwar erst seit Juni dieses Jahres Präsidentin der Kantonalpartei, aber bereits seit über zehn Jahren politisch aktiv – unter anderem als Aktivistin an Klima- und Frauenstreiks.

Begleitet von der Ferienmusik Lenggenwil sagen die Anwesenden den Schweizerpsalm.

Begleitet von der Ferienmusik Lenggenwil sagen die Anwesenden den Schweizerpsalm.

Bild: Larissa Flammer

Trotzdem war das Pfarreiheim nicht voll besetzt. «Rufen Sie jemanden an, wir haben noch Platz, Essen und Getränke», sagte Organisator Rolf Tihanyi bei der Begrüssung. Der Stimmung in Zuzwil taten die leeren Plätze keinen Abbruch. Die Ferienmusik Lenggenwil, die nach dem Schweizerpsalm die Gäste mit Stücken aus ihrem Repertoire unterhielt, animierte gar ein Paar zum Tanzen. Vor der Feier im Pfarreiheim führten Christhard Birkner und Didier Mungilingi in der Kirche durch einen ökumenischen Gottesdienst zum Nationalfeiertag.

«Veränderung gehen langsam vonstatten»

Beim ehemaligen Schulhaus in Niederglatt, wo sich bereits am Samstagabend die Oberuzwilerinnen und Oberuzwiler zu ihrer Bundesfeier trafen, sprach Festrednerin Heidi Baer-Looser über die Herausforderungen in den Bereichen Familie, Beruf und Gesellschaft, welche einst wie heute zu meistern waren und sind.

Die Oberuzwiler Juristin Heidi Baer-Looser sprach in Niederglatt über die Herausforderungen in den Bereichen Familie, Beruf und Gesellschaft.

Die Oberuzwiler Juristin Heidi Baer-Looser sprach in Niederglatt über die Herausforderungen in den Bereichen Familie, Beruf und Gesellschaft.

Bild: Simon Dudle

Die in Oberuzwil wohnhafte Juristin und einstige Richterin am Kreisgericht Wil sagte: «Die Frauen müssen sich wehren, damit wichtige Themen aufs Parkett kommen.» Der Staat solle mehr investieren in die Frühbetreuung von Kindern. Heidi Baer-Looser ergänzte:

«Alles in allem bin ich aber stolz auf die Schweiz. Veränderungen gehen zwar sehr langsam vonstatten. Dafür gibt es auch praktisch keine Schwankungen.»
Die Feier der Gemeinde Oberuzwil in Niederglatt zog einiges an Publikum an.

Die Feier der Gemeinde Oberuzwil in Niederglatt zog einiges an Publikum an.

Bild: Simon Dudle

Imelda Stadler sieht noch immer Handlungsbedarf

Ein paar Kilometer weiter, bei der Bundesfeier in Bazenheid, kam auch Kantonsrätin Imelda Stadler auf das Thema 50 Jahre Frauenstimmrecht zu sprechen.

Auch das Festzelt in Bazenheid war gut gefüllt.

Auch das Festzelt in Bazenheid war gut gefüllt.

Bild: Simon Dudle

Am Ort, wo sie aufgewachsen ist, sagte die amtierende Gemeindepräsidentin von Lütisburg: «Beim Frauenstimmrecht hinkte die Schweiz extrem hinterher. Viele Länder waren in dieser Beziehung viel weiter. Aber es gibt auch diverse Länder, die sind noch heute weit entfernt.» In Sachen Gleichberechtigung bestehe nach wie vor Handlungsbedarf, zum Beispiel bei der noch immer nicht überall vorhandenen Lohngleichheit.

Festrednerin und Kantonsrätin Imelda Stadler.

Festrednerin und Kantonsrätin Imelda Stadler.

Bild: PD

Die Kantonsrätin verwies in ihrer Rede aus aktuellem Anlass auch auf die Olympischen Spiele, wo erst ab 1934 Frauen zugelassen waren. Imelda Stadler sagte in Anlehnung an den Slogan des FC Bazenheid, der als Organisator der Bundesfeier auftrat:

«Egal ob Frau oder Mann, jung oder alt, Schweizer oder Ausländer: Wir müssen fair miteinander umgehen.»

Viel Nachholbedarf beim Feiern

Nicht nur in Bazenheid und Niederglatt wurde am Vorabend des 1. Augusts gefeiert, getanzt, gejodelt und Feuerwerk gezündet. Auch in Bettenau, Niederbüren, Münchwilen und Nesslau traf man sich schon am 31. Juli. Andere Gemeinden, vor allem die grösseren, haben aufgrund der Coronasituation auf die Durchführung einer Feier verzichtet. Der Augenschein in Niederglatt und Bazenheid zeigt: Der Andrang war rege und das jeweilige Festzelt gut gefüllt. Es scheint in Sachen Feiern einiges an Nachholbedarf zu geben.

Ein zehnminütiges Feuerwerk gehört traditionell zur Bundesfeier in Bazenheid. So auch dieses Jahr.

Ein zehnminütiges Feuerwerk gehört traditionell zur Bundesfeier in Bazenheid. So auch dieses Jahr.

Bild: Simon Dudle

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