BÜTSCHWIL
Haarbänder aus dem Toggenburg: Zwei Kantischülerinnen gründen ein Unternehmen und liefern schon nach Kanada

Die Bütschwilerin Anna Keller betreibt mit der Rheintalerin Isabella Bauer das Unternehmen Anbell und produziert Haaraccessoires. Das Spezielle daran: Die Toggenburgerin ist gerade einmal 18-jährig und besucht noch die Kantonsschule Wattwil.

Felicitas Markoff
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Kantischülerin und Unternehmerin: Anna Keller tanzt auf zwei Hochzeiten.

Kantischülerin und Unternehmerin: Anna Keller tanzt auf zwei Hochzeiten.

Bild: Felicitas Markoff

Es war im April 2019, als Anna Keller und Isabelle Bauer aus alten Kleidern und Reststoffen ihren ersten Scrunchy nähten. Nach stundenlangen Tüfteln und Ausprobieren war er Tatsache. Ein Scrunchy ist ein Haargummi, der aus einem Stoffband besteht und in ein Gummiband eingenäht ist. Das Modeaccessoire wird meist von jungen Frauen im Haar oder am Handgelenk getragen.

Ein ganz normales Modeprodukt also? Nein. Denn Anna Keller ist gerade einmal 18 Jahre alt, besucht die Kantonsschule in Wattwil und schliesst diese im Sommer ab. Sie hat sich entschieden, ihre Maturaarbeit dem eigenen Unternehmen zu widmen. Sie untersuchte und analysierte, wie sie mit dem Vertrieb von Scrunchys Geld verdienen kann. Anhand des etablierten Konzepts und Businessmodell Canvas (BMC) wurden die Schwachstellen lokalisiert und Entwicklungsmöglichkeiten sowie Lösungsansätze erarbeitet und aufgezeigt.

Das Konzept schafft eine einheitliche Sprache, unterstützt die Gestaltung einer Geschäftsidee und strukturiert sie in neun Bausteine. Zu den vier zentralsten Bausteinen gehören die Kunden, das Angebot, die Infrastruktur sowie die finanzielle Überlebensfähigkeit.

Ein «Scrunchy» und die junge Unternehmerin Anna Keller.

Ein «Scrunchy» und die junge Unternehmerin Anna Keller.

Bild: Felicitas Markoff

Zürcher Werkstatt schneidet zu

Die Kantischülerin stammt aus einer Unternehmerfamilie. Sie sagt:

«Das Business hat mein ganzes Sein geprägt. Mein Wunsch nach unternehmerischem Schaffen war schon immer da.»

Schon lange wollte Anna Keller etwas mit Häkeln machen. Von der App Pinterest hat sie sich inspirieren lassen.

Anbell, wie das Unternehmen heisst, bestimmt mittlerweile den Alltag der Bütschwilerin – und ihr Unternehmen wird immer grösser. Die Handarbeit für den Scrunchys wird zeitintensiver, auch wenn die Produktionszeit eines Haarbandes von 20 auf 3,5 Minuten reduziert werden konnte. Deshalb werden helfende Hände gesucht. Mit der Werkstatt «Marktlücke» in Zürich Altstetten sind sie fündig geworden. Die Werkstatt beliefert ihr Unternehmen mit zugeschnittenen Stoffen und Gummibändern.

Verkauf zuerst via Social Media

Der Verkauf der Scrunchys war anfänglich über Instagram erfolgt. Jede Kundenbestellung musste manuell bearbeitet werden. Um effizienter zu werden, haben die Gründerinnen nach einem Jahr ihre eigene Website aufgeschaltet. Auch in mehreren Läden können die Produkte angeschaut und erworben werden.

Die Produktion der Haaraccessoires findet auch im Keller der Eltern der Unternehmensgründerin statt.

Die Produktion der Haaraccessoires findet auch im Keller der Eltern der Unternehmensgründerin statt.

Bild: Felicitas Markoff

Kamen die Kundenanfragen zuerst aus der näheren Umgebung, hat sich der Kundenstamm mittlerweile geografisch vergrössert. Das Unternehmen liefert Produkte nach Kanada, England, Spanien, Deutschland oder Österreich. Mit den Einkünften ihrer Produkte ist die Toggenburgerin aus Bütschwil zufrieden. Pro Monat werden ungefähr 50 bis 100 Produkte verkauft.

Die Scrunchy-Sammlung von Anna Keller.

Die Scrunchy-Sammlung von Anna Keller.

Bild: Felicitas Markoff

Auch während des Studiums Unternehmerin

Für die Zukunft hat Anna Keller bereits Pläne: In Planung ist der Scrunchy mit Innentasche. Er kann im Alltag sowohl als Haargummi als auch als kleine Tasche verwendet werden. Die Unternehmerin plant auch einen Hugey Scrunchy, geeignet für Frauen, die gerne Sport treiben. Zusätzlich sollen Ohrringe kreiert werden. Anna Keller überlegt auch, mit einer Stickerei zusammenzuarbeiten, damit sie Stickereien im Scrunchy-Design auf Kleidung nähen kann.

Aber auch das andere Leben geht weiter. Zurzeit bereitet sich Anna Keller neben den Tätigkeiten im Unternehmen auf den «Numerus clausus»-Test vor, um Medizin studieren zu können. Auch während des Studiums will sie das Unternehmen weiterführen.