Bürgerbrief vergeben:
Wil hat nun 2649 Ortsbürger

Rund 30 Personen haben am Freitagabend ihren lang ersehnten Bürgerbrief bekommen. Nach einem aufwendigen und zuweilen komplexen Verfahren gehören sie jetzt offiziell zu den 2649 Wiler Ortsbürgern.

Christoph Heer
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Stadtpräsidentin Susanne Hartmann übergibt den neuen Wiler Ortsbürgern den Bürgerbrief. (Bilder: Christoph Heer)

Stadtpräsidentin Susanne Hartmann übergibt den neuen Wiler Ortsbürgern den Bürgerbrief. (Bilder: Christoph Heer)

Es sind Menschen, die gerne in der Stadt Wil leben. Es sind Kinder und Erwachsene, die sich wohl fühlen, hier Wurzeln geschlagen haben und deutlich zum Ausdruck bringen, dass sie längerfristig bleiben wollen. «Ich freue mich, auch dieses Jahr wieder den neuen, nun offiziellen Wiler Bürgerinnen und Bürgern, den Bürgerbrief zu übergeben. Bürger zu sein bedeutet mehr als nur Bewohner zu sein. Wichtig sind in meinen Augen die gelebte Verbundenheit mit einer Stadt und mit dessen Stadtgemeinschaft, sowie das Interesse für die Menschen und Sachen, die diese Stadt ausmachen.»

Norbert Hodel, Präsident der Ortsgemeinde Wil, übergibt den neuen Wiler Ortsbürgern den Bürgerbrief.

Norbert Hodel, Präsident der Ortsgemeinde Wil, übergibt den neuen Wiler Ortsbürgern den Bürgerbrief.

Stadtpräsidentin Susanne Hartmann lässt sich zudem nicht nehmen, die neuen Ortsbürger aufzufordern aktiv am Wiler Stadtleben teilzunehmen. «Nehmt das Engagement für die Stadt wahr, indem ihr euch rege im politischen-, gesellschaftlichen-, wirtschaftlichen und kulturellen Leben einbringt.» Gespannt wird den Worten von Susanne Hartmann, die auch das Amt der Präsidentin des Einbürgerungsrats inne hat, gehorcht. Und das fällt auch der Stadtpräsidentin immer wieder auf. «An solchen Einbürgerungsfeiern sind es wiederkehrend die dankbarsten Zuhörer. Nirgends sonst wird derart interessiert und geduldig zugehört, dafür darf man auch mal dankbar sein und den Herrschaften ein Lob aussprechen.»

Die Geschichte Wils

Auf einem aufschlussreichen Rundgang durch die Wiler Altstadt mit deren Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten – Ruedi Schär, wie gewohnt, als Gruppenführer, Stadtoriginal und bekannterweise als Sympathieträger in Hochform – ist viel Interessantes zu erfahren.

Gespräche im Foyer

Gespräche im Foyer

Mit Stadtarchivar Werner Warth geht es dann auf einer virtuellen Reise in die Vergangenheit der Stadt Wil. Sein Kurzreferat «Vom Bürgerrecht im Alten Wil», riss die vielen folgenschweren Facetten der vergangenen Jahrhunderte an. Dass man einst für lediglich zehn Jahre eingebürgert wurde, nehmen die Zuhörer noch eher regungslos auf. Dass aber –etwa im 15. Jahrhundert – Personen ausgebürgert wurden, weil sie ihre Steuern nicht bezahlten, sorgte für die Schmunzler. «Auch denjenigen, die sich anderweitig ungebührend verhalten haben, wurde es unter Umständen nach Ablauf ihrer zehnjährigen Ortsbürger-Mitgliedschaft verweigert, ihren Titel zu behalten», sagt Werner Warth.

Die Wichtigkeit der Ortsgemeinde

Norbert Hodel, Präsident der Ortsgemeinde Wil, erklärt die Wichtigkeit ihres Schaffens. «Was machen wir überhaupt? Dürfte sich der eine oder andere fragen. Nun, das sind ganz unterschiedliche Aufträge, die wir wahrnehmen. So verwalten wir den Wald rund um Wil mit einem eigenen Forstbetrieb, auch für Rebberg, Stadtmuseum, Stadtarchiv und Tonhalle sind wir zuständig. Und dann sind es auch die Verwaltung von Stiftungen, die wir pflegen.»

Hodel informiert zudem über die Zahlen der Stadt. «Ende 2018 zählt Wil 23757 Einwohner. 2649, also 11,1 Prozent sind Ortsbürger. Die neuen Ortsbürger sind grösstenteils zufrieden mit der Stadt und den hier verfügbaren Angeboten.

Sabine und Oliver Kutsch, seit 19 Jahren in Wil wohnhaft, betonen, wie gut die Angebote für Kinder sind und Corinna Lyner, die bereits seit 24 Jahren in der Stadt lebt, hebt die zentrale Lage Wils, den Weier und die Altstadt positiv hervor.  «Es dürfte aber mehr Gelaterias geben», fügt sie an. Amir Ibrahimi ist 1990 in Wil geboren und lobt die meist friedliche Multikulti-Gesellschaft. «Aber uns jungen Menschen fehlen Clubs und Bars für den Ausgang», sagt er augenzwinkernd.