Bühne am Gleis beginnt im Dunkeln

Morgen abend findet die erste Vorstellung der Saison 2014/15 des Kleinkunstveranstalters statt. Dabei wird ein Sinn, der Sehsinn, ausgeschaltet. Ebenfalls ermöglicht die Bühne am Gleis Kindern, mit der Kleinkunst in Kontakt zu kommen.

Philipp Haag
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Die Darbietung morgen abend bei der Bühne am Gleis spielt sich vorwiegend im Dunkeln ab. (Bild: pd)

Die Darbietung morgen abend bei der Bühne am Gleis spielt sich vorwiegend im Dunkeln ab. (Bild: pd)

WIL. «Eigentlich wollten wir den Aufwand etwas reduzieren und eine Vorstellung weniger anbieten», sagt Michael Fischer, Präsident des Vereins Bühne am Gleis. Doch der Vorstand des Kleinkunstveranstalters hatte derart viele gute Ideen sowie Anfragen von Künstlern, dass es in der Saison 2014/15 gar zu einer Aufführung mehr kommt als in der vergangenen Spielsaison, nämlich sieben Darbietungen (siehe Kasten). Den Anfang machen morgen abend Sandro Schneebeli und Bruno Bieri mit einem Konzert im Dunkeln. Der Raum ist komplett abgedunkelt. Die Zuhörerinnen und Zuhörer werden von zwei blinden Guides an den Platz geführt. In einer Umgebung schwarz wie die Nacht ertönen Klänge von Gitarre, Alphorn oder Örgeli und ein Oberton-Gesang. Der Sehsinn wird ausgeschaltet, die anderen Sinne geschärft. Ein sinnliches Erlebnis, das bestens in die Ausrichtung der Kleinkunstbühne passt: Darbietungen, die eine Brücke bauen, originell und experimentell. Sei es nun vom Musiker zum Zuhörer, indem die sinnliche Wahrnehmung eingeschränkt wird, oder bei den Künstlern selbst, indem sie verschiedene Kunst-Disziplinen mischen.

Auch in der siebten Saison bleibt die Bühne am Gleis ihrer Philosophie treu: Musik, Tanz, Bewegung und Gestaltung verschmelzen zu einer facettenreichen Performance. Fix ins Programm gehört jeweils ein Familienstück. Dieses Mal ist es das Komödianten-Duo «Pas de Deux». Es ermöglicht Kindern auf akrobatische, poetische und musikalische Art mit der Kleinkunst in Kontakt zu kommen und zu sehen, dass Kreativität mit dem Körper, mit Tanz und Musik ausgelebt werden kann.

Zuschauerrekord im 2013/14

Fischer hofft, an den Erfolg der vergangenen Saison anknüpfen zu können. «Wir hatten noch nie so viele Zuschauer.» Vier der sechs Vorstellungen waren ausverkauft. Im Schnitt verfolgten 77 zahlende Besucherinnen und Besucher die Aufführungen. In der Spielzeit 2013/14 waren es 64. Bei Vollbestuhlung haben 90 Personen Platz. Dank der guten Besucherzahlen resultiere ein Gewinn im tiefen vierstelligen Bereich. Dies trotz gestiegener Gagen. Der Anstieg bei der Bezahlung der Künstler bereitet Fischer ein wenig Kopfzerbrechen. Er hat festgestellt, dass die Anspruchshaltung bei einigen Künstlern aus der Kleinkunstszene steigt. War es früher beispielsweise üblich, dass der Künstler das Werbematerial zur Verfügung stellt, wird heute oft verlangt, der Veranstalter müsse dafür aufkommen.

Der Bühne-am-Gleis-Vorstand hat darum reagiert. Er arbeitet nun mit einem Vorvertrag, bei dem die Bedingungen für ein Engagement deklariert sind. «Dies hat sich bewährt», sagt Fischer. Und schreckt nicht ab. Im Gegenteil. Vier der sieben Auftretenden traten bereits einmal auf den Bühne-am-Gleis-Brettern auf.

Ein Glas Wein

Dass die Künstler nach Wil zurückkehren, ist Fischer Beweis, dass sie die Ambiance schätzen. Sie registrieren, dass ein eingespieltes Team am Werk ist, sowohl der Vorstand als auch die Helfenden für Auf-/Abbau, Bar und Künstlerbetreuung, das es geniesst, nach Ende der Vorstellung mit den Künstlern zusammenzusitzen, zu plaudern und ein Glas Wein zu trinken.

Michael Fischer Präsident Verein Bühne am Gleis (Bild: ph)

Michael Fischer Präsident Verein Bühne am Gleis (Bild: ph)