Bühler erhöht Wochenarbeitszeit

Ab dem 16. Februar arbeiten die rund 2500 in der Schweiz Beschäftigten des Uzwiler Technologiekonzerns fünf Stunden länger zum selben Lohn. Damit will die Firma die Arbeitsplätze schützen und dem starken Franken trotzen.

Hans Suter
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Ungewöhnliche Massnahme, grosses Echo: Personalchef Christof Oswald (links) stand den Medien gestern Red und Antwort. (Bild: Hans Suter)

Ungewöhnliche Massnahme, grosses Echo: Personalchef Christof Oswald (links) stand den Medien gestern Red und Antwort. (Bild: Hans Suter)

UZWIL. «Währungsbedingt haben wir eigentlich nur die Wahl zwischen weniger Lohn und mehr arbeiten», sagt Bühler-Personalchef Christof Oswald. Geschäftsleitung und Personalkommission hätten sich in «fairen, von Respekt getragenen Verhandlungen» darauf geeinigt, die Wochenarbeitszeit für die Dauer von sieben Monaten von 40 auf 45 Stunden zu erhöhen. Der Vorwurf von Gewerkschaftsseite, eine solche Massnahme sei rechtswidrig, weist Oswald entschieden zurück. «Der Gesamtarbeitsvertrag lässt es zu, Sonderregelungen für die Dauer von bis zu 15 Monaten zu vereinbaren. Wir gehen heute davon aus, dass sieben Monate reichen.»

Ausschlaggebende Gründe

98 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen im Ausland. Durch die Veränderung der Wechselkurses rechnet Bühler mit einer kurzfristigen Erhöhung der Kosten von 80 bis 90 Millionen Franken. Das entspricht 3,5 bis 3,9 Prozent des Konzernumsatzes von 2,3 Mrd. Franken. Christof Oswald präzisiert jedoch: «600 Mio. Franken des Umsatzes sind direkt betroffen. Folglich entsprechen die 80 bis 90 Mio. Franken einem Anteil von sogar fast 15 Prozent.»

Starkes Zeichen an den Markt

Etwa die Hälfte dieser Einbusse an Konkurrenzfähigkeit soll durch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit um 12,5 Prozent von 40 auf 45 Stunden kompensiert werden. Gemessen an den Personalkosten von 360 Mio. Franken ergibt dies 45 Mio. Franken. «Das ist ein starkes Zeichen an den Markt», sagt Personalchef Christof Oswald. «Dass sich die Mitarbeitenden mit dieser Sofortmassnahme aktiv zur Sicherung der Arbeitsplätze einsetzen, dürfte in einigen Ländern mit Bewunderung registriert werden.» Auch CEO Calvin Grieder ist beeindruckt von der Opferbereitschaft der Beschäftigten. In einer Medienmitteilung liess er sich gestern mit den Worten zitieren: «Ich bin stolz auf unsere Mitarbeitenden, dass wir uns so schnell auf diesen Beitrag zur Sicherstellung unserer Wettbewerbsfähigkeit einigen konnten.» Dafür erhält die Belegschaft im Gegenzug Garantien.

Keine Kündigungen

Für die Laufzeit von sieben Monaten wird das Unternehmen keine Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen aussprechen. In dieser Zeit werden aber auch keine Einstellungen vorgenommen, und auf eine Lohnrunde wird in diesem Jahr verzichtet. Sollte sich der Franken abschwächen, werden die Massnahmen indes gelockert. «Stabilisiert sich der Franken während dreier Wochen bei 1.08 zum Euro, werden wir die Wochenarbeitszeit auf 42 Stunden reduzieren, liegt er während dreier Wochen bei 1.15, reduzieren wir wieder auf die üblichen 40 Stunden», sagt Christof Oswald. Nicht gestrichen wird hingegen das Erfolgsmodell. «Arbeiten wir erfolgreich, erhalten die Mitarbeitenden eine Prämie von fünf bis zehn Prozent des Jahresgehalts.»

Mit SNB-Massnahme gerechnet

Die Aufhebung des Frankenmindestkurses zum Euro durch die SNB vor drei Wochen kam für Bühler nur vom unmittelbaren Zeitpunkt her überraschend. «Wir wussten, dass dieser Schritt irgendwann erfolgen wird und haben uns entsprechend abgesichert.» Details zu den Zahlen wird es an der Bilanzmedienkonferenz geben, die am nächsten Dienstag in Zürich stattfindet.

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