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Buchstäblich steinreich

Hans Altorfer sammelt Mineralien. Der Präsident der Mineralienfreunde Wil und Umgebung sieht darin viel mehr als Steine.
Nicola Ryser
Funkeln um die Wette: Hans Altorfer präsentiert seine Mineraliensammlung. In der Hand: ein gelber Gips aus Peru. Bilder: Nicola RyserFunkeln um die Wette: Hans Altorfer präsentiert seine Mineraliensammlung. In der Hand: ein gelber Gips aus Peru. Bilder: Nicola Ryser
Klein angefangen: Ein Azurit war der erste Stein in Altorfers Sammlung.Klein angefangen: Ein Azurit war der erste Stein in Altorfers Sammlung.
Farbliches Potpourri: Jedes Gestein ist einzigartig.Farbliches Potpourri: Jedes Gestein ist einzigartig.
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Buchstäblich steinreich

Die ganze Welt befindet sich im Keller von Hans Altorfer. Oder zumindest ein Bruchteil davon. Dicht aneinandergereiht funkeln sie um die Gunst des Betrachters, füllen jede Ecke, jede Vitrine, jedes Gestell. Ihre Farben variieren beinahe ins Unermessliche: von Azurblau über Orange und Pink bis Gelb und Schwarz. Sie stammen aus Brasilien, Namibia, Sibirien, Australien – oder vom Säntis.

«Eigentlich muss ich gar nicht reisen, um die Welt zu entdecken. Das kann ich schon in meinem Keller tun.»

Es ist unübersehbar: Mineralien sammeln, das ist die Leidenschaft von Hans Altorfer – und eine seiner Welten.

Seit 45 Jahren begeistert sich der pensionierte Materialwissenschafter für Gips, Malachit, Quarz, Fluorit und Tausende weitere Gesteinsarten und deren Konglomerate. Begonnen hat die Passion, als der Sirnacher eine Mineralienausstellung besuchte: «Mich faszinierte schon immer die Natur, vor allem der anorganische Teil. Als ich mir dann erstmals einen Mineralienstein gekauft habe, einen Azurit, war es um mich geschehen.» Seither ist seine Sammlung stetig gewachsen – und wertvoll geworden. «So kann ein Stein schon mal über 1000 Franken kosten.» Seine Mineralien aus aller Welt besorgt sich Altorfer meist an grösseren Messen.

Von der Einzigartigkeit bis zur Symbiose mit der Natur

Beim Betrachten der Sammlung drängt sich dem Laien jedoch unwillkürlich die Frage auf: Warum sammelt man überhaupt Mineralien? Diese Frage bekommt Altorfer oft zu hören. Seine Antwort darauf: «Es sind mehrere Aspekte, die faszinieren: die Einzigartigkeit der Mineralien, die Ästhetik bezüglich Farbe und Form, die geometrische Perfektion oder schlicht deren symbiotische Verbindung zur Natur und zur Entstehung der Erde.» Schon früh in der Geschichte hätten sich die Menschen für Mineralien interessiert, hätten daraus Schmuck hergestellt. Später habe man die Vielseitigkeit der Gesteine entdeckt, die Wissenschaft habe geholfen, deren Entstehung zu verstehen und die verschiedenen Arten zu charakterisieren.

«In der Mineralogie sind etliche andere Wissenschaften involviert, von der Kristallografie über die Chemie und Geologie bis zur Geografie. Man lernt tatsächlich die Welt und deren Länder kennen – und vor allem die Fundorte, deren Angaben für eine Sammlung sehr wichtig sind.»

Mineralien zu sammeln sei zudem ein einzigartiges Hobby. Wortwörtlich: «Da kein einziges Stück auf dieser Welt die gleiche makroskopische Form wie das andere besitzt, hat auch niemand die gleichen Steine wie ein anderer Sammler. Das bietet natürlich unendliche Möglichkeiten, eine eigene Sammlung anzulegen. Beispielsweise kann man sich nur auf Bergkristalle oder Calcit fokussieren.»

Das Interesse nimmt sukzessive ab

Altorfer ist nicht der einzige Sammler. Seit 1975 ist er Mitglied des Vereins Mineralienfreunde Wil und Umgebung, seit 1985 gar dessen Präsident. Sinn und Zweck des Vereins ist es nebst dem gegenseitigen Austausch, das Wissen über Mineralien zu fördern, unter anderem durch Veranstaltungen wie Vorträge oder die kommende Mineralienbörse am Wochenende in Wil (siehe Hinweis). Doch Altorfer stellt fest: Das Interesse schwindet. Waren früher noch viele Familien an solche Börsen gegangen, sei das heute nicht mehr der Fall. Der Grund:

«Bereits bei den Eltern fehlt Fundamentalwissen über die Natur und Erdgeschichte. Und somit kann auch keine Faszination entstehen.»

Der Trend sei auch im Verein zu spüren. Waren es vor sieben Jahren 74 Mitglieder, sind es heuer noch 54. Und so ergehe es den meisten Mineralienvereinen in der Schweiz. «Die Alten sterben weg, die Jungen sammeln in unserer Wegwerfgesellschaft nichts mehr. Zu gross sind das alternative Angebot und die Ablenkung durch das Internet. Das tut weh.» Und so teilt Altorfer seine Passion mit weniger Leuten als früher. Nichtsdestotrotz: Seine steinreiche Sammlung wächst weiter an. Zirka 7500 Mineralienarten existieren auf der Erde. Wie viele Altorfer davon bereits im Besitz hat, weiss er jedoch nicht:

«Ich habe aufgehört zu zählen.»

Hinweis

Die 48. Mineralienbörse findet am Samstag von 13 bis 17 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr im Wiler Stadtsaal statt. Eintritt: ab 16 Jahren 5 Franken.

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