Buchhändler sind sich uneinig

REGION. Am 11. März stimmt die Schweiz über die Wiedereinführung der Buchpreisbindung ab. Bei den Buchhändlern in der Region Wil scheiden sich in dieser Frage die Geister: Die einen sehen die Buchpreisbindung als Segen, die anderen als Fluch.

Ursula Ammann
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Fluch oder Segen? Die Buchpreisbindung sorgt auch regional für Diskussionsstoff. (Bild: ua.)

Fluch oder Segen? Die Buchpreisbindung sorgt auch regional für Diskussionsstoff. (Bild: ua.)

Mit der Buchpreisbindung soll jedes Buch einen fixen Preis erhalten, der für alle Verkäufer verbindlich ist. Für die Befürworter ist die Buchpreisbindung ein Mittel, die «Buchvielfalt zu sichern und den Discounter-Einheitsbrei zu verhindern.» Dem widerspricht der Wiler Buchhändler Natal Müller als entschiedener Gegner der Buchpreisbindung: «Seit die Buchpreisbindung nicht mehr existiert, ist die Vielfalt in unserem Sortiment sogar gestiegen», sagt er. Dadurch, dass er von einigen Büchern dank freier Preisgestaltung grössere Mengen verkaufe, könne er die weniger bekannten Werke quersubventionieren.

«Rechnen lernen»

Vor zehn Jahren eröffnete Natal Müller zusammen mit seiner Frau den Buchladen Ad hoc in Wil. Das Konzept dabei war: mit dem Laden Präsenz markieren, mit einem Online-Handel dem technologischen Fortschritt gerecht werden und mit Grosskunden konsumschwache Zeiten abdecken. Gerade das Geschäft mit den Grosskunden wie Bibliotheken und Schulen laufe seit der Aufhebung der Buchpreisbindung besser, denn man habe nun die Möglichkeit, den Preis als Marketinginstrument zu nutzen. Müller appelliert an kleinere Buchhandlungen, sich als Unternehmen auch mit Preispolitik zu befassen. «Lesen können alle Buchhändler gut, aber viele müssen noch lernen, zu rechnen.»

Gleich lange Spiesse schaffen

Wenn die Buchpreisbindung wieder eingeführt werde, ziehe es die Kunden einfach ins nahe gelegene Konstanz, ist Müller überzeugt. Und auch er selbst würde bei einem Ja nach Deutschland gehen, zumindest mit seinem Onlinehandel. «Ich will mit gleich langen Spiessen kämpfen wie Amazon.»

Auswirkungen zeitversetzt

Die Buchhandlung Vulkan, ebenfalls in Wil, existiert schon seit nunmehr 25 Jahren. Sie ist eine von neun Filialen der Buchshopping AG. Andreas Grob, Verwaltungsratspräsident der Buchshopping AG, setzt sich für die Buchpreisbindung ein. Damit sei es möglich, die Preise tief zu halten, sagt Grob. Weiter kann die Vielfalt in der Buchproduktion gesichert werden sowie das breite Buchhandelsnetz – insbesondere Buchhandlungen auf dem Lande – erhalten bleiben. Für die Buchhandlung Vulkan hat sich das Geschäft mit den Bestsellern, die bei Ex Libris um die Ecke teils viel günstiger angeboten werden, seit der Aufhebung der Buchpreisbindung verschlechtert. Das werde sich noch verschärfen, sagt Andreas Grob. «Generell ist es so, dass es nach der Aufhebung einer Buchpreisbindung rund sechs bis sieben Jahre dauert, bis deren Auswirkungen auf dem gesamten Markt sichtbar sind.»

Die Ex Libris AG mit Filialen in Wil und Uzwil sieht in der Buchpreisbindung keinen Nutzen für den Buchhandel. Im Gegenteil: «Die Buchpreisbindung ist das falsche Mittel, sich als stationärer Buchhändler in einem rasant verändernden Buchmarkt zu behaupten», sagt Roger Huber von Ex-Libris-Medienstelle.

Sich auf Stärken besinnen

«Ja zum Buch mit Buchpreisbindung» steht im Schaufenster der Buchhandlung von Guido Besio in Sirnach. Vor sechs Jahren hat er hier seinen Laden eröffnet. Am gleichen Tag wurde die Buchpreisbindung abgeschafft. Zwei Jahre später habe eine Kollegin ihr Geschäft aufgegeben, denn gegen den Grossverteiler im gleichen Dorf sei sie nicht angekommen. «Auch mein Geschäft stagniert», sagt Besio. Viele Leute zögen es vor, bei Ex Libris zu bestellen, wo Bestseller und Neuerscheinungen bis zu 20 Prozent billiger angeboten werden.

Roger Huber von Ex Libris sagt, es gehe Ex Libris nicht darum, sich mit kleineren Buchhandlungen aus der Region Wil und Uzwil zu vergleichen: «Die Stärken des regionalen Buchhandels sind persönliche Beratung, Fachkompetenz, guter Service, regionale Sortimente und ein hoher Stammkundenanteil.» Damit könne und wolle Ex Libris nicht konkurrenzieren. «Die Buchhändler müssen sich auf ihre Stärken besinnen», fügt Roher Huber an.

Bestseller versus Fachliteratur

«Mit dem neuen Gesetz hätten auch die kleineren Buchhandlungen auf dem Land eine Chance, denn es kommt nicht mehr darauf an, ob man das Buch in Wil oder Sirnach kauft», sagt Guido Besio. Dann nimmt er ein Buch aus dem Regal, dessen Titel so anmutet, als würde er seiner Hoffnung für die kommende Abstimmung Ausdruck verleihen: «Alles wird besser» – ein Fotoband von Hans Steiner. Dieses Buch verkauft Guido Besio zehn Franken billiger als eine Grossbuchhandlung. Bei den Grossbuchhandlungen laufe die Quersubventionierung oft zuungunsten weniger bekannter Werke oder der Fachliteratur, erklärt Besio. «Die Bestseller sind dort zwar massiv günstiger, dafür erhöht man die Preise beispielsweise für Fachbücher, was sich gerade für Leute in Ausbildung nachteilig auswirkt.»

Ende März dieses Jahres wird Guido Besio sein Geschäft weitergeben, ob mit oder ohne Buchpreisbindung.