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BRONSCHOFEN: Sie sieht mit Augen und Händen

Michela Valenti stellte bereits auf der ganzen Welt aus. Bis am 3. Januar 2017 werden 14 ihrer Werke in Bronschhofen gezeigt. Ihr Werdegang als Künstlerin begann mit einem einschneidendem Erlebnis.
Arcangelo Balsamo
Michela Valenti vor ihrem Bild «Emozione», welches sie 2011 gemalt hat. (Bild: Arcangelo Balsamo)

Michela Valenti vor ihrem Bild «Emozione», welches sie 2011 gemalt hat. (Bild: Arcangelo Balsamo)

BRONSCHHOFEN. Das wünscht sich niemand: Von einem Tag auf den anderen nur noch schwarz sehen. Nicht im sprichwörtlichen Sinn, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Dieses Horrorszenario widerfuhr der Künstlerin Michela Valenti vor 14 Jahren infolge eines Hirnschlags. Während drei Monaten war die gebürtige Tessinerin, die mittlerweile seit fünf Jahren in Wil lebt, blind. «Zu Beginn war ich geschockt», erzählt sie. «Besonders die Ungewissheit, ob es jemals wieder besser wird, war schlimm.» Als es von medizinischer Seite hiess, dass es sich lediglich um einen vorübergehenden Status handle und sie wieder sehen werde, galt es für sie abzuwarten. «In Panik ausbrechen hätte nichts gebracht», sagt Michela Valenti. Während der Phase der Blindheit lernte sie die Welt von einer neuen Seite kennen. «Ich sah meinen eigenen Film», sagt sie.

Sie spricht von einer «faszinierenden Welt» und davon, dass sie seither auf zwei verschiedene Arten sehen kann. Sie lernte, dass jede Farbe eine eigene Energie hat, die sie mit ihren Händen erfühlen kann. Im Nachhinein spricht sie sogar von einem Geschenk. Denn während dieser Phase fand sie zu sich selber und merkte, was sie wirklich machen wollte: malen.

Malerei ist eine Welle

Bereits als Kind fühlte sich Michela Valenti zu Farben hingezogen: «Ich spielte jeweils mit bunten Knöpfen meiner Grossmutter.» Als sie als kleines Mädchen eine Picasso-Ausstellung besucht hatte, sagte sie ihrem Vater: «Ich werde die nächste <Picassa>.» Ausserdem war sie als Kind bereits sehr kreativ. Mit sechs Jahren sass sie bereits an der Nähmaschine. «Damals war es mein Traum, Designerin zu werden», erzählt sie. Stattdessen landete Michela Valenti, nach ihrer Ausbildung zur Textilfachfrau und technischen Zeichnerin, im Verkauf in der Modebranche. Diese Stelle führte sie auch noch aus, als sie nichts sah. Denn: «Telefonieren konnte ich ja noch problemlos.»

2005 entschied sie, alles auf die Karte Kunst zu setzen: «Ich kündigte meine Arbeit, griff zum Pinsel und schmiss die Farben auf die Leinwand.» Heute arbeitet die 48-Jährige vor allem mit Spachteln und Händen. Das Fühlen der Farben, sowohl beim Mischen als auch beim Malen, nimmt eine zentrale Rolle ein in ihrem Schaffen: «Ich spüre, wenn die Farben miteinander harmonieren.» Mit ihren Bildern verarbeitet sie Ereignisse aus ihrem Leben. Nach dem Motto: «Cosa porta cosa», italienisch für: «Eine Sache führt zur nächsten.»

Da die Bilder ihr Inneres widerspiegeln, vergleicht sie die Malerei auch mit einer Welle, die aus ihrem Körper auf die Leinwand respektive Holztafel überschwappt. Während sie ein neues Gemälde kreiert, dreht sie dieses mehrmals, legt es auf den Tisch oder auf den Boden ihres Ateliers: «Ich sitze nicht einfach nur da und male», beschreibt sie den Prozess. Wie viele Bilder sie in den vergangenen elf Jahren gemalt hat, weiss sie selber nicht genau. Auch weil sie ihre ersten verbrannt hat.

Besonders in Italien hoch im Kurs

Noch bis am 3. Januar 2017 sind zwölf Bilder und zwei Skulpturen von Michela Valenti im Foyer des Verwaltungsgebäudes Bronschhofen ausgestellt. Doch nicht nur in der Region und in der Schweiz präsentiert die Künstlerin ihre Kunstwerke. Besonders in Italien stehen ihre Bilder hoch im Kurs. Im vergangenen Jahr stellte sie beispielsweise in Bologna, Palermo und Florenz aus. Aber auch ausserhalb des Alten Kontinents – in Miami, New York und Dubai – wurden ihre Gemälde gezeigt.

Das Beispiel von Michela Valenti zeigt, dass man sich von Schicksalsschlägen erholen und vieles erreichen kann, wenn man will. Getreu nach dem Motto «Quand on veut, on peut», das in ihrem Atelier auf dem Schrank geschrieben steht.

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