Bronschhofer Autor Werner Walser präsentiert sein Buch «Horizontlos»: Notfallplan X geht endlich auf

Der Bronschhofer Autor Werner Alex Walser lud zur Vernissage seines neuesten Flieger-Krimis «Horizontlos».

Christof Lampart
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Ex-Agentin Susi Noger, Autor Werner Alex Walser und Gerhard Kasper bei der Vorstellung von Walsers neuestem Fliegerroman «Horizontlos». Bild: Christof Lampart

Ex-Agentin Susi Noger, Autor Werner Alex Walser und Gerhard Kasper bei der Vorstellung von Walsers neuestem Fliegerroman «Horizontlos». Bild: Christof Lampart

Als Pilot, welcher Walser fast sein ganz Leben lang war – sei es fürs Militär oder für die Swissair –, weiss der 80-Jährige, dass der Captain im Cockpit eines nie sein darf, «nämlich horizontlos». Die Erklärung dafür ist einfach, aber einleuchtend und lieferte der Bronschhofer Autor seinen über 50 Gästen im Hof zu Wil gleich nach:

«Der Horizont ist die Linie, wo sich Himmel und Erde zu berühren scheinen. Ob natürlich oder künstlich auf Instrumenten produziert – für den Piloten ist er zur Einschätzung der Fluglage elementar.»

Dass das mittlerweile siebte Buch aus Walsers Feder und ein weiteres über den Swissair-Chefpiloten John Ammann den Titel «Horizontlos» trägt, lässt also nichts Gutes für Walsers Helden auf den 290 Seiten vermuten – wohl aber für seine Leserinnen und Leser.

Für jedes Problem einen Notfallplan

Und tatsächlich hat es der Plot in sich. Denn anstatt, wie geplant, auf einem Langstreckenflug Richtung Südafrika, befindet sich Ammann urplötzlich in den Schweizer Alpen. Allerdings nicht freiwillig, sondern gekidnappt. Und das erst noch von einer ominösen Geheimorganisation. Da ist es nur gut, dass es Piloten antrainiert wird, für jedes Problem («erwarte das Unerwartete») einen weiteren Notfallplan in petto zu haben – mehr soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden.

Meistens braucht man die Notfallpläne nicht – und doch kommen sie meistens dann zum Einsatz, wenn niemand damit rechnet. Der Wiler Gerhard Kasper war so einer. Denn binnen einer Woche sagten dem Autor nacheinander drei Damen ab, welche eigentlich einen Teil der Lesung hätten bestreiten sollen – die Letzte total erkältet wenige Stunden vor der Vernissage. Dass mit Kasper nun keine Dame vorne neben Walser sass, war diesem egal, «Hauptsache, mein Plan X ist aufgegangen», scherzte der Schriftsteller.

Und auch Gerhard Kasper gab sich unaufgeregt: «Ich bin wie die Jungfrau zum Kinde gekommen – und denke, dass ich das Kind schon schaukeln werde», sagte er schmunzelnd.

Agentin «Tina» war auch dabei

Gekonnt durch die Vernissage führte auch der Autor, welcher, zwischen den einzelnen, kurzen Abschnitten, auch amüsante Anekdoten aus seinem eigenen Pilotendasein zum Besten gab. Dass mit Susi Noger (Deckname «Tina») eine jener 400 Personen an der Vernissage weilte, die Mitglied der Schweizer Geheimorganisation P-26 war, welche zur Zeit des Kalten Krieges bei einer Besetzung der Schweiz und der Kapitulation des Militärs autonom den Widerstandswillen der Bevölkerung aufrechterhalten hätte sollen, verlieh dem Abend ein besonderes Mass an Authentizität.

Sie habe das Buch zwar noch nicht gelesen, sagte die Kantonsschullehrerin aus St.Gallen, werde es jedoch gerne und rasch nachholen. Doch was die Szene mit dem Ausbildungscamp in Gstaad betreffe, so sei praktisch alles, bis ins kleinste Detail, richtig. «Wenn ich beim verabredeten Treffpunkt die Mappe in der rechten Hand hielt, so war die Luft rein, wenn links, nicht», schilderte «Tina». Wenn man im Bunker einmal sein Zimmer verlassen und die Toilette aufsuchen musste, so war dabei unbedingt eine Mütze aufzusetzen, welche, ausser den Augen, den ganzen Kopf bedeckte.

«Dies diente dazu, dass ich, falls der Feind mich einmal verhören sollte, niemanden verraten konnte»

Für Werner Alex Walsers genaue Recherche und detailhafte Schilderung hatte sie viel Lob übrig: «Ich gratuliere. Das hätte alles so genau stattfinden können, wie sie es im Buch beschrieben haben.»