BRONSCHHOFEN: Von der Äbtestadt in die Anden

Für drei Jahre reisen Hellen und Michael Hermann aus Bronschhofen nach Peru. Die Juristin und der Jugendarbeiter engagieren sich im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit in der Kleinstadt Puno, 3800 Meter über Meer.

Ursula Ammann
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Die Welt liegt vor ihnen: Hellen und Michael Hermann sind voller Vorfreude auf die Zeit in Peru. (Bild: Ursula Ammann)

Die Welt liegt vor ihnen: Hellen und Michael Hermann sind voller Vorfreude auf die Zeit in Peru. (Bild: Ursula Ammann)

BRONSCHHOFEN. Für drei Jahre reisen Hellen und Michael Hermann aus Bronschhofen nach Peru. Die Juristin und der Jugendarbeiter engagieren sich im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit in Puno, 3800 Meter über Meer.

Die Zeigefinger schweben über dem Titicacasee und kommen neben ihm zu liegen. «Hier», sagen Hellen und Michael Hermann fast unisono, während sie sich über eine Weltkarte beugen. «Hier liegt Puno.» Das junge Ehepaar reist im September in die Hauptstadt der gleichnamigen Region. Diese befindet sich in den Anden, 3800 Meter über Meer. In Peru waren die gebürtige Brasilianerin und der Toggenburger, die sich in der Schweiz kennengelernt haben, zuvor noch nie. Dennoch sind sie bereit, sich für voraussichtlich drei Jahre in diesem Land niederzulassen.

Beide Seiten lernen

Michael Hermann arbeitet derzeit bei der Katholischen Kirchgemeinde Wil als Jugendarbeiter. Als solcher hat er auch in Peru eine Stelle erhalten. Seine Frau Hellen ist Juristin. In Puno wird sie für eine Organisation arbeiten, die sich im Bereich Umwelt- und Menschenrechte engagiert. «Ich freue mich darauf, wieder in meinem ursprünglichen Beruf tätig sein zu können», sagt die 36-Jährige Brasilianerin, die sich vor zwei Jahren in der Schweiz niederliess und derzeit in einer Kindertagesstätte arbeitet.

Schon länger spielten die Hermanns mit dem Gedanken, ihre Koffer zu packen, um in einem anderen Land mitanzupacken. Schliesslich bewarben sie sich für einen Auslandeinsatz bei der gemeinnützigen Organisation Comundo. «Mit deren Visionen und Zielen konnten wir uns sehr gut identifizieren», sagt Michael Hermann. Schon deshalb, weil die Organisation nicht von Entwicklungshilfe, sondern von Entwicklungszusammenarbeit spreche. «Die Idee ist, dass beide Seiten voneinander lernen und dass auch die Menschen hier in der Schweiz für mehr Nord-Süd-Gerechtigkeit sensibilisiert werden», erklärt der 34-Jährige.

Vorfreude und offene Fragen

Nicht nur auf die Arbeit sind Hellen und Michael Hermann gespannt. Sie freuen sich auf das Leben rundherum: Die Musik, das Essen, Filme und Bücher sowie die Landschaft. «Ich möchte unbedingt einmal eine Wanderung nach Machu Picchu unternehmen», schwärmt Hellen Hermann. Auch die bolivianische Hauptstadt La Paz, die nur einen Tagesausflug von Puno entfernt liegt, möchte sie sehen. Und natürlich ist auch ein Besuch bei ihrer Familie in Brasilien geplant.

Trotz aller Vorfreude beschleicht die beiden manchmal auch ein mulmiges Gefühl. «Peru ist – wie Brasilien – für Korruption bekannt», sagt Hellen Hermann. Ausserdem gehe wohl alles ein bisschen langsamer als hier: nicht nur die Internetverbindung, sondern auch die juristischen Verfahren. «Ich werde bestimmt viel Geduld brauchen», schmunzelt sie.

Spanisch lernen

Um sich auf die Zeit in Peru vorzubereiten, lernt das Ehepaar derzeit Spanisch bei einer Privatlehrerin in Wil. Diese stammt aus Bolivien. Hellen Hermanns Muttersprache ist Portugiesisch. Die Grammatik sei fast gleich wie im Spanischen, sagt sie. «Ich brauche aber Übung im Sprechen.» Michael Hermann spricht ebenfalls Portugiesisch. Er war einst für ein halbes Jahr in Brasilien. «Für mich ist es eine Herausforderung, die beiden Sprachen nicht zu vermischen», erklärt er.

Sie mag die Kälte, er die Hitze

Der Arbeitsvertrag der Hermanns ist auf drei Jahre begrenzt. Es gibt aber eine Option auf Verlängerung. Zeit zurückzukommen wäre für sie spätestens dann, wenn sie einmal Kinder haben und diese vor der Einschulung stehen. In diesem Punkt sind sie sich einig. Ansonsten müssen die beiden auch mal Kompromisse eingehen. Zum Beispiel, wenn es ums Wetter geht. Hellen mag die Kälte. «Wenn draussen Schnee liegt, mache ich Freudensprünge», sagt die Brasilianerin. Dafür ertrage sie die Hitze nicht. Ihr Mann Michael hingegen mag diese sehr. Um beiden gerecht zu werden, arbeitet das Ehepaar nun in Puno, wo die Temperaturen immer etwas kühler sind, plant aber dafür die Ferien an der Küste oder im tropischen Regenwald.

Hellen und Michael Hermann werden regelmässig Rundbriefe aus Peru schreiben. Wer diese erhalten möchte, kann sich unter michael. hermann.comundo@protonmail. com melden.

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