BRONSCHHOFEN: Regierung ist weiter weg als zuvor

Nach der Fusion der Gemeinde Bronschhofen mit der Stadt Wil wurde der Quartierverein gegründet. Die Nähe zur Stadtverwaltung will man weiter pflegen und generell eine Ansprechstelle sein.

Roland P. Poschung
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Roland P. Poschung

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«Eigentlich sollte man Bronschhofen mit Bergen umgeben, dann wäre der Zusammenhalt wohl besser, vergleichbar wie mit jenen in abgelegenen und höher liegenden Orten. Bronschhofen hat sich durch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung bedauerlicherweise eher zu einem Schlafdorf entwickelt», sagt Kurt Hollenstein, Präsident vom Quartierverein Bronschhofen, kritisch. Früh morgens sehe man, dass viele Bewohner mit dem Auto oder mit dem Bus den Wohnort wegen der Arbeit und Weiterbildung verlassen und erst spät am Abend wieder heimkehren.

«Neue, aktive Mitglieder wären wichtig»

Wie andere Quartiervereine leidet der Quartierverein Bronschhofen an einem geringen Mitgliederbestand. «Berufliche Herausforderungen, Schule , Familienleben, Freizeit und Sportaktivitäten stehen scheinbar auch für die hier lebende Bevölkerung stärker im Mittelpunkt. Viele möchten keine Verantwortung oder zusätzliche Aufgaben übernehmen. Der soziale Kontakt mit anderen Personen, Familienmitgliedern und Freunden, ist ihnen bereits genug», fügt der Präsident des Quartiervereins realistisch bei.

Selbstkritische Worte fehlen beim QV-Präsidenten nicht: «Wir sollten uns selber an der Nase nehmen. Unseren Verein kennt man zu wenig. Die Kontakte zu örtlichen Firmen, Vereinen, Schulen, Einzelpersonen sollten wir intensiver betreiben. Aber auch die Mitglieder vom Vorstand sind berufstätig und können nur eine begrenzte Zeit für den Quartierverein aufbringen.» Kurt Hollensteins Fazit zu diesem heiklen Thema: «Wir wollen am Ball bleiben. Grosse Erwartungen liegen in der neuen Überbauung im Quartier Himmelrich, wo zahlreiche Personen und Familien einziehen werden. Wir freuen uns über neue, aktive Mitglieder und wollen spannende Anlässe organisieren, die zum Mitmachen animieren.» Ein Höhepunkt im Vereinsleben 2016 und 2017 war die Grenzbegehung. Bereits bei der zweiten Durchführung nahm die Beteiligung um das Dreifache zu.

Fusion zeigte geringe Wirkung

Die Fusion der Gemeinde Bronschhofen und der Stadt Wil habe das Dorfleben kaum verändert. Und doch meint Kurt Hollenstein: «Die Regierung ist weiter weg als bisher. Diese Distanz können unsere neu gewählten politischen Vertreterinnen und Vertreter nicht in allen Belangen überbrücken. Diese Lücke wollen wir mit dem Quartierverein Bronschhofen füllen. Dazu bietet er den ortsansässigen Vereinen, Personen und Gruppen eine ideale Plattform an und ist eine nützliche Anlaufstelle für die Anliegen der Quartierbewohner.» Generell wolle man gezielt den Informationsfluss unter anderem zwischen Stadt- und Bauverwaltung, Kirchen, Thurvita mit ihrem Bauprojekt «Wohnen im Alter», Unternehmen, Personen und Familien verbessern. Die Hol- und Bringschuld sei gegenseitig wichtig, dies müsse von allen realisiert werden und danach müsse man sich richten.

Die traditionellen Sitzungen mit der Stadtpräsidentin Susanne Hartmann würden geschätzt. Sorgen mache man sich aber über den Abbau der Poststelle in Bronschhofen und die Verbauung der Landschaft. Weiter zu fördern sei das kulturelle Leben, die generelle Sicherheit, der Umweltschutz, die Nachhaltigkeit, beispielsweise mit Photovoltaik-Anlagen. Zudem sollte der Kontakt zu Personen gefördert werden: «In unserem Dorf leben ganz spannende Persönlichkeiten, die mit Vorträgen aus ihrem Leben, ihren Lebenserfahrungen, ihrem Beruf oder ihrem Hobby viele Impulse geben könnten», sagt Hollenstein.

Hinweis

Dieser Artikel ist der vierte von sieben Teilen einer Serie, welche die Quartiervereine von Wil vorstellt.