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BRONSCHHOFEN: Monotonie am Arbeitsplatz

In der Nacht von Montag auf Dienstag machten die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe eine Erfahrung fürs Leben. Sie produzierten Papierkühe – wie am Fliessband.
Christof Lampart
Bis in die frühen Morgenstunden wurden in der Oberstufe Bronschhofen Hunderte von Papierkühen gebastelt. (Bild: Christof Lampart)

Bis in die frühen Morgenstunden wurden in der Oberstufe Bronschhofen Hunderte von Papierkühen gebastelt. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

redaktion@wilerzeitung.ch

Während um 21 Uhr am Vorabend, als das Experiment startete, für die allermeisten Oberstufenschülerinnen und -schüler die Welt noch ganz normal gewirkt haben mag, sah diese um 5 Uhr in der Früh für viele schon ganz anders aus. Die Nacht durchzustehen, bereitete zwar vielen keinerlei Probleme, wohl aber die ihnen auferlegte Arbeit. Denn es galt, in sorgsam geplanter und organisierter Kollektivarbeit, unzählige Papierkühe anzufertigen. Durchpausen, Ausschneiden, Zusammenleimen, Endkontrolle – so ging es Stunde um Stunde vorwärts.

Am Ende sollte Lehrer Michael Oggenfuss auf 1901 gezählte Mini-Kühe kommen. Mineralwasser, Pommes Chips und laute Musik halfen, je länger die Arbeit dauerte und je kürzer die Nacht wurde, dem einen oder anderen, zwar über die Runden zu kommen. Doch egal, wie fit die Schülerinnen und Schüler auch waren: Sie alle empfanden am Ende gehörigen Respekt vor der Fliessbandarbeit.

Langweile besiegen und fokussiert bleiben

Zugleich konnte es sich aber keiner der Befragten auch nur im Entferntesten vorstellen, später, im Berufsleben, eine solche Arbeit einmal verrichten zu wollen. Yara Oderbolz hatte ein einfaches, aber wirksames Rezept gegen die Eintönigkeit auf Lager: «Ich rede viel. Das lenkt mich von der Arbeit ab und hält zugleich die anderen wach», sagte sie gut gelaunt, derweil andere wie Michelle Vila («Leimerin») und ihre Freundin Gina Livia Gardoni («Malerin») sich da schon schwerer taten: «Wir hatten immer wieder Phasen, bei denen es nicht so gut lief», erklärten sie unisono. Die Arbeit sei einfach zu langweilig. «Wenn wir schon eine Nacht lang aufbleiben, warum können wir nicht etwas Spielen oder eine Nachtwanderung machen», fragte Michelle Vila rhetorisch.

Die Antwort darauf könnte ihr Fachlehrerin Valeria Morena problemlos geben: «Es geht bei ‹Nachtschicht› darum, dass die Schülerinnen und Schüler mal selbst am eigenen Leib erfahren, wie man bei einer monotonen Arbeit, die sich über Stunden hinweg zieht, die Motivation beibehalten und zugleich auf die Arbeit fokussiert bleiben kann», erklärte sie. Nach der Beobachtung von Schulleiter Christof Seitter «haben sich die Jugendlichen gut gehalten, auch wenn manch einer einmal in der Nacht ein leistungsmässiges Wellental durchmachte». Mit diesem muss sich auch Alejna Redzepi auseinandersetzen, welche in ihrer Klasse die Arbeitsaufsicht innehat: «Es ist mühsam, wenn irgendwo die Arbeit stockt. Dann, wenn es nicht mehr vorwärts geht, ist es manchmal gut, wenn man die Arbeit tauscht; das sorgt für Abwechslung», hat sie ein Mittel erkannt, wie sie die Leistung und die Motivation der Mitschülerinnen und -schülern steigern kann.

Am Ende kommt die Wahrheit ans Licht

Doch zuweilen helfen weder laute Musik noch Pasta zum «Zmitternacht» noch ein Motivationsreferat des Ultravelofahrers Simon Infanger wirklich über die Baisse weg, die sich bei manchen im Morgengrauen breitmacht. Zwar lassen es sich viele die persönliche Krise vordergründig nicht anmerken, aber spätestens auf dem Tisch von Endkontrolleur Sandro Hinder lässt sich leicht nachvollziehen, wie konzentriert der oder die Einzelne am Werk war. «Die neu angefertigten Kühe stehen schlechter als diejenigen, die anfangs hergestellt wurden», erklärte Sandro kurz nach 5 Uhr stirnrunzelnd – und deutet hinaus auf die «Kuhwiese» im Korridor, wo Hunderte von Wiederkäuern darauf warten, zur finalen Viehschau auf- und ausgestellt zu werden.

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